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Die vergessene Münze

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02.07.26 09:25
6 Ab 6 Jahren
Fertiggestellt

An einem strahlenden Frühlingsmorgen sind Emma und ihr kleiner Bruder Leon auf dem Weg zum Freizeitpark Lunaria. Der Park wurde erst vor wenigen Monaten auf dem Gelände eines ehemaligen Klosters eröffnet. Zwischen den Achterbahnen, Themenwelten und Ständen mit Zuckerwatte entdeckten die beiden auch eine etwas ruhigere Ecke, ein „historisches Areal“, das laut Parkplan die Überbleibsel der alten Klosteranlage zeigt.

Emma war weniger wegen der Fahrgeschäfte hier. In ihrem Rucksack trug sie ein altes Buch mit ledernem Einband, das sie vor einigen Wochen zufällig in der Stadtbibliothek entdeckt hatte: „Geheimnisse alter Sammler – Geschichten aus der Numismatik“.

Sie hatte das Buch verschlungen. Besonders eine Geschichte faszinierte sie: die des Numismatikers Dr. Johann Meißner, der im 19. Jahrhundert auf dem Gelände des ehemaligen Klosters wohl eine antike römische Goldmünze entdeckte und sie kurz darauf wieder versteckte. In einem Brief, der im Buch abgedruckt war, schrieb er:

"Ich habe sie dort verwahrt, wo einst neues Leben begann, im steinernen Taufbecken der Kapelle. Möge sie eines Tages dem Finder neues Staunen bringen."

Emma konnte den Satz nicht vergessen. Und nun stand sie mit Leon mitten im Park, vor dem an sich unauffälligen, umzäunten Bereich mit moosbedeckten Steinen, dahinter die verwitterten Mauerreste der alten Kapelle.

„Was machen wir hier?“, fragte Leon mit einem Blick auf das Schild „Betreten verboten“.

„Genau das ist der Punkt“, flüsterte Emma. „Das muss der Ort sein.“

Sie spähten durch den Zaun. Tatsächlich war da, hinter einem Busch, ein rundes, steinernes Gebilde zu sehen, einem Taufbecken gleich, halb mit Erde gefüllt und fast zugewachsen.

Emma warf einen schnellen Blick über die Schulter. Die Parkbänke in der Ferne waren leer, kein Spaziergänger war zu sehen. „Jetzt“, zischte sie. In einem unbeobachteten Moment schlüpften die beiden hastig durch die morsche Holzabsperrung.

Leon postierte sich sofort mit dem Rücken zu ihr. Seine Augen suchten nervös die umliegenden Wege ab. „Mach schnell, Emma. Wenn uns der Parkwächter erwischt, haben wir ein echtes Problem“, flüsterte er, während seine Finger unruhig an den Riemen seines Rucksacks nestelten.

Emma antwortete nicht. Ihr Herz hämmerte gegen die Rippen, als sie vor dem Becken in die Knie ging. Der Geruch von feuchter Erde, Moder und altem Stein schlug ihr entgegen. Vorsichtig, fast ehrfürchtig, legte sie die Handflächen auf den rauen, kalten Rand des Taufbeckens. Zentimeter für Zentimeter tastete sie sich durch das dicke Polster aus Moos und Flechten voran, folgte den Rissen im Gestein, bis ihre Fingerspitzen plötzlich tiefer sanken. Da war etwas. Eine unnatürliche, scharfkantige Vertiefung im harten Stein, die unter einer Schicht aus totem Laub und Erde verborgen lag.

Mit zitternden Fingern zog sie ihr Taschenmesser aus der Jeanstasche. Vorsichtig begann sie, das festsitzende Erdreich in der Spalte aufzulockern. Die Sekunden dehnten sich wie Kaugummi. Jedes leise Kratzen des Metalls auf dem Stein kam ihr ohrenbetäubend laut vor.

Und dann passierte es. Die Messerspitze stieß auf einen metallischen Widerstand. Emma hielt den Atem an, kratzte vorsichtig die letzte Schicht Erde beiseite, steckte das Messer weg und zog das kleine Objekt mit Daumen und Zeigefinger aus seinem Versteck. Mit dem Ärmel ihres Pullovers rieb sie vorsichtig den jahrhundertelangen Schmutz von der Oberfläche. Als das Metall im fahlen Licht der Parkbäume aufleuchtete, stockte ihr der Atem. Es war tatsächlich eine Münze. Trotz der feinen Kratzer und der dunklen Patina war das stolze Profil eines römischen Kaisers und die feine, lateinische Umschrift noch erstaunlich gut zu erkennen.

Emma starrte wie gebannt auf ihre Handfläche: Sie hatte sie gefunden!

Doch dann kamen Stimmen näher. Ein Parkangestellter näherte sich, begleitet von einem älteren Mann mit grauem Mantel und Notizbuch. Emma erstarrte, wollte die Hand mit der Münze schließen. Doch der Mann hob nur überrascht die Augenbrauen, als er die Münze in ihrer Hand sah.

„Woher habt ihr die Münze?“, fragte er ruhig.

Emma zog das Buch aus dem Rucksack. Der Mann lächelte. „Ich hätte nie gedacht, dass sich tatsächlich jemand auf die Suche macht und sie auch findet. Ich bin Kurator des kleinen Museums, das bald hier im Park eröffnet werden soll. Dr. Meißner war mein Urgroßvater.“

Er sah die Kinder an, dann die Münze. „Ihr habt etwas Wertvolles gefunden, nicht nur materiell. Wie wäre es, wenn ihr zur Eröffnung des Museums kommt und sie gemeinsam mit uns ausstellt? Natürlich mit eurem Namen darunter.“

Emma nickte. Sie hatte ein Stück Geschichte entdeckt.

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Fabiennnes Profilbild Fabiennne

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Sätze: 54
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Kategorisierung

Diese Story wird neben Vermischtes auch im Genre Abenteuer gelistet.