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Der Mann, die Einsamkeit und das Meer

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02.07.26 18:17
16 Ab 16 Jahren
In Arbeit

Er trat auf den Balkon hinaus und blickte auf das Meer, das in seiner sanften Unendlichkeit vor ihm lag. Mild und ruhig. Ein gleichmäßiger Wellenschlag von beruhigender Wirkung, der wie Musik in seinen Ohren klang. Ohne Meer wäre ich verloren, dachte er.

Die letzten Tage waren schön für ihn gewesen. Im Einklang mit der Natur und dem Rhythmus der Zeit hatte er sie verbracht. Lange Strandspaziergänge hatte er gemacht, sich vom Rauschen der Wellen durch die Zeit tragen lassen. In einem Restaurant etwas gegessen, Kaffee getrunken, kurze Begegnungen mit Menschen, etwas Smalltalk, dann wieder mit sich allein und seiner inneren Welt, die plötzlich aus den Fugen geriet, mit jedem Tag mehr. Er begann alles zu hinterfragen, er fühlte sich auf einem schwankenden Boden, der ihm weder Halt noch Sicherheit geben konnte. Er erinnerte sich an seine immer wieder kehrenden Alpträume, in denen er fiel und fiel in eine bodenlose Tiefe, bis er angsterfüllt aufwachte.

Heute fühlte er sich einsam, traurig, verstört, aufgewühlt von den inneren Bildern, die sich ihm aufdrängten und ihn überrollten, mit erschreckender Kraft. Die Vergangenheit holte ihn ein. Sein Leben lief wie ein Film vor ihm ab. Seine traurige Kindheit, die unruhigen Jugendjahre, in denen er verloren und orientierungslos durch sein Leben taumelte, da und dort kurz Halt und Hoffnung fand und dann wieder abstürzte in ein tiefes Gefühl von Traurigkeit und Weltschmerz.

Natürlich wusste er, dass es kein dauerhaftes Glück geben konnte. Es gab das Glück des Zufalls, über das er keine Macht hatte, das er nicht beeinflussen konnte. Geboren in einem armen oder reichen Land, aufgewachsen in einer liebevollen Umgebung oder in einem kalten, herzlosen und von Gewalt geprägten Umfeld.

Seine körperlichen Merkmale wie Augenfarbe, Haarfarbe, Körpergröße und Körperbau, seine genetische Ausstattung - ein Spiel der Natur.

Da gab es noch das Glück des Augenblicks. Der Geschmack eines guten Essens, die wärmenden Sonnenstrahlen auf der Haut, eine Berührung, die nicht nur den Körper, sondern auch die Seele erreichte, eine liebevolle Umarmung, ein Kuss, die Brücke hin zum Du, und die Vereinigung zweier Körper, ein Akt der Liebe, der sexuellen Begierde, der magnetischen Anziehungskraft zwischen Mann und Frau, so viele Möglichkeiten der Interpretation, aber nur ein augenblickliches kleines Glück, das nur eine Spur der Erinnerung zurückließ.

Und dann gab es noch das Glück der Fülle, das bleibende Lebensgefühl, gespeist von den vielen schönen Momenten im Lebensvollzug, den Lebensbedingungen, der körperlichen und seelischen Kraft, der Lebensenergie.

Er löste sich von seinen schweren Gedanken, verließ das Hotelzimmer und machte sich auf zu einem Strandspaziergang. Der Roman, den er angefangen hatte zu schreiben, konnte warten. Später, in den Abendstunden oder in der Nacht, wenn er nicht schlafen konnte, würde er vielleicht daran weiterschreiben. Oder auch nicht. Das Leben war jetzt.

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Antigones Profilbild Antigone

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Sätze: 19
Wörter: 491
Zeichen: 2.940

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Diese Story wird neben Schmerz & Trost auch in den Genres Liebe, Nachdenkliches und gelistet.

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