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Lost in Time

42
30.06.26 22:55
18 Ab 18 Jahren
Workaholic

So, Hallo Storyhub,
Hier ist also das angekündigte neue Projekt das für mich so super untypisch ist und tatsächlich hab ich dieses Mal gar nicht so viel im Vorfeld dazu zu sagen. Ich hoffe eben einfach nur irgendwer mag´s am Ende auch. Und ja, erst so im zweiten Kapitel am Ende passiert auch irgendetwas Relevantes. Davor stellt es ein wenig die 3 Hauptpersonen in der Geschichte vor. Ich behalte mir außerdem vor die Altersbeschränkung noch etwas nach oben oder unten zu korrigieren, wenn ich mir selbst sicherer bin was hier alles drinnen vor kommen wird und was nicht. Ansonsten gibt´s auch wirklich nicht so viel zu schreiben und zu sagen. Damit wünsche ich in jedem Fall nochmal viel Spaß beim Lesen und hoffe dass auch ihr alle gespannt seit was denn so heftig und so absurd beim Besuch eines Metal Festivals alles schief gehen kann. XD

Spontan habe ich mich entschieden noch ein paar Musikempfehlungen zur Story ins Vorwort und ggf auch in die einzelnen Kapitel zu packen. Sind wie gesagt nur Empfehlungen und keine Verpflichtungen.

Intro: (Am besten vor jedem neuen Kapitel hören )
Kill the Lights - Panic Blooms


Outro: (Am besten nach jedem neuen Kapitel anhören )
Motionless in White - Afraid of the Dark

Ob Julian sich das tatsächlich angetan hätte, wenn er gewusst hätte wie viel harte Vorbereitungsarbeit auf ihn zukommen würde? Naja, höchstwahrscheinlich schon. Schon seit frühester Jugend hatte er davon geträumt ein Metal-Festival zu besuchen, aber damals kämpfte seine Familie mit starken finanziellen Problemen, die sein Vater verursacht hatte, und ein solcher Festival-Besuch wäre niemals möglich gewesen. Und auch jetzt bedeutete ein solcher Festival-Besuch eine nicht unerhebliche finanzielle Belastung für Julian, der diese nur stemmen konnte, weil er sein gesamtes Leben lang sehr enthaltsam gelebt hatte. Nur so war es möglich dass er sowohl die Karte für das Festival als auch die Miete für den kleinen Transporter bezahlen konnte, mit dem er dorthin fahren wollte. Deshalb und weil er das unwahrscheinliche Glück hatte dass seine beiden besten Freundinnen, Sandra und Kim sich ein wenig daran beteiligten, da sie selbst in die Gegend fahren wollten um dort einige Verwandte zu besuchen. Julian hatte jedoch nicht damit gerechnet dass die vorläufige Einrichtung des Transporters so viel Kraft und Energie kosten würde. Eine große Matratze musste hinein getragen werden, dazu eine kleine Autobatterie und noch viele weitere Gegenstände, die man auf einer solchen Reise besser bei sich hatte, darunter auch sein Fahrrad, einige Gefäße mit Wasser, Getränke und Essen. Letztere zumindest dann wenn man nicht vor hatte die überteuerten Festival-Preise auf dem Gelände zu bezahlen. Es hatte sehr lange gedauert, aber einen Tag nachdem das Fahrzeug von der Auto-Vermietung abgeholt worden war, war es nun endlich soweit und Julian würde sein erstes Metal-Festival besuchen gehen. Zu aller erst würde er allerdings noch den Super Mark aufsuchen und dort seine Essens- und Getränkereserven für die Reise auffüllen. Und nicht zuletzt wollte er nicht ohne wenigstens ein paar Dosen Bier dort erscheinen. Er trank zwar selbst seit länger als einem Jahrzehnt keinen Alkohol mehr, aber er wusste dass es die anderen Festival-Besucher taten und wollte nicht ohne die Option jemand anderem ein Bier anzubieten dort erscheinen. Man wusste ja nie was sich an Kontaktmöglichkeiten mit anderen Menschen dort ergeben könnte. Mit unerwartet sicherer Hand steuerte Julian den Transporter durch die engen Straßen des Dorfes in dem er lebte und selbst auf dem Supermarkt-Parkplatz kam er unerwartet gut mit dem vergleichsweise recht großen und vor allem breiten Vehikel zurecht. Anscheinend half es ihm, dass er mit seinen Eltern schon als kleines Kind in einem großen Camper mitgefahren war und er dort seinem Vater zusehen konnte, wie dieser ein solch übergroßes Vehikel steuerte. Zumindest dachte Julian sich das als er ausstieg und sich in den Supermarkt begab um seine Einkäufe zu tätigen. Das Gefühl das er dabei hatte war mehr als eigenartig. Er konnte nicht genau sagen ob er sich auf die Reise und das Festival freute oder ob er wahnsinnige Angst davor hatte. Er war eigentlich eher ein Nerd, der viele Video Spiele spielte und das Haus so wenig verließ wie er konnte. Er hatte auch bis auf die beiden Damen, die er mit in die Gegend nehmen wollte niemanden und selbst die sah er tatsächlich recht selten, nicht zuletzt deshalb weil beide eigentlich in festen Händen waren und sich daher mehr mit ihren festen Freunden abgaben als mit ihm. Aber das war in Ordnung für Julian, er hatte seine Video Spiele und brauchte keine anderen Menschen… zumindest wenn man von denen auf dem Metal-Festival absah. Mittlerweile hatte Julian alle seine gewünschten Einkäufe zusammen und ging ziemlich schwer beladen zur Kasse. Vielleicht hätte er sich doch lieber vorne einen Einkaufswagen zu Hilfe nehmen sollen, aber er hielt es ursprünglich nicht für notwendig. Immerhin war er ein Brocken von fast zwei Metern Größe und besuchte seit fast zwei Jahren regelmäßig ein Fitness-Studio. Er sollte wohl mit ein paar schweren Einkäufen zurecht kommen, dachte er sich während er alle Einkäufe auf das Kassen-Förder-Band legte und sich in die recht kurze Warteschlange einreihte.
„Hi“, sprach ihn die Kassiererin in einer unglaublich freundlichen Art und Weise an, als er an der Reihe war. Versuchte die Dame etwa gerade mit ihm zu flirten? So freundlich hatte sie doch die Leute vor ihm auch nicht angesprochen... Julian konnte fühlen wie er innerlich anspannte und bereits jetzt Schwierigkeiten mit seiner Wortwahl bekam. Eine Sache mit der Julian einfach nicht umgehen konnte waren leider nun einmal Frauen. Bis auf Sandra und Kim, die er schon so lange kannte, dass sie 3 sich wahrscheinlich am ehesten wie Geschwister anfühlten, konnte er überhaupt nicht mit Frauen umgehen oder reden und von flirten ganz zu schweigen. Er wusste einfach nicht wie.
„Hallo“, antwortete er daher ziemlich nüchtern, denn höchst wahrscheinlich hatte er sich ohnehin mit dem anflirten geirrt. Welche Frau hätte schon Interesse an einem hässlichen Nerd wie ihm?
„Das ist aber ein interessanter Großeinkauf… Geht es auf eine Reise?“, sprach die Dame an der Kasse weiter, während sie mit großer Routine die Waren einscannte.
„Ein Festival… Mein Erstes…“, antwortete Julian und fühlte wie er immer unsicherer wurde.
„Ui… Das klingt aber wirklich spannend… Das macht dann 137,67€“, kommentierte die Frau an der Kasse und sah ihn in Erwartung der Bezahlung an.
„Ja, wollte ich schon immer mal machen und jetzt habe ich die Chance dazu“, antwortete Julian, während er der Frau 140€ in die Hand gab.
„So und 2,33€ zurück… Einen schönen Tag noch und viel Spaß auf dem Festival wünsche ich“, sagte die Dame noch und reichte Julian die besagten 2,33€.
„Danke, werde ich hoffentlich haben… Ihnen auch noch einen schönen Tag…“, antwortete Julian während er die 2,33€ annahm und die letzten Einkäufe irgendwie auf seine Arme packte. Dann verließ er nach seinem eigenen Gefühl fluchtartig den Super Markt und begab sich so schnell er konnte zu seinem Vehikel. Situationen wie diese verängstigten ihn sehr. Nicht nur dass er sich unsicher war weshalb die Dame ihn in ein kurzes Gespräch verwickelt hatte, er hatte auch massive Angst wegen dem was er war abgelehnt zu werden. Ein Problem, dass er schon hatte seitdem er ein kleines Kind war. Leute und besonders andere Kinder lehnten ihn aus Gründen sie er nicht verstehen konnte einfach ab und zurück blieb nun im Erwachsenenalter diese massive Angst davor. Hatte er sich richtig verhalten in dieser Situation oder hätte er sich anders verhalten müssen? Nun ja, es hatte nun nicht den geringsten Sinn weiter darüber nachzudenken und so verstaute Julian seine Einkäufe so schnell es ihm möglich war und machte sich dann wieder auf den Weg, zunächst zu Sandra, dann zu Kim um die beiden abzuholen. Das lag gottseidank auf dem Weg zu seinem Festival, so dass der Umweg recht gering ausfallen würde. Da ihn seine Gedanken wegen der Situation im Super Markt jedoch nicht in Ruhe lassen wollten, entschied Julian sich schnell für ein wenig passende Stimmung zu sorgen und schaffte es irgendwie sein Smartphone mit der Anlage des Mietfahrzeugs zu verbinden um dann ein wenig Metal laufen zu lassen. Nach einer längeren Nachdenkphase entschied er sich für die Band Extermination Dismemberment. Ziemlich harter Stoff und nur für solche Leute wie ihn tatsächlich überhaupt geeignet. Das würde er sich auch nur so lange anhören, wie er alleine Unterwegs wäre. Spätestens wenn er Sandra mit ihm Fahrzeug hatte würde er etwas leichter zu verdauendes anschalten oder gleich ganz auf Hintergrundmusik verzichten.

Es ging alles relativ schnell und einfach von sich als Julian an Sandras Wohnort ankommen sollte. Eine Nachricht auf dem Smartphone und fünf Minuten später sollte sie mit einem fertig gepackten Koffer und einem Rucksack aus dem Haus kommen. Sandra war mit 1,64m relativ klein, aber recht breit gebaut. Ihre Kleidung bestand aus recht weiten Hosen und einem T-Shirt das so weit wirkte als wäre es ein paar Größen zu groß für sie. Wenn man es nicht besser wusste, dann hätten ihr großer Hintern und ihre ziemlich hohe Oberweite sie in Kombination mit der weiten Kleidung ein wenig übergewichtig wirken lassen, was sie in Wirklichkeit aber ganz und gar nicht war. Ihre schwarzen langen Haare hatte sie zudem hinten zusammen gebunden, wo sie ihr ein wenig bis über die Schultern reichten. Sie war gewiss nicht unattraktiv für Männer und auch für Julian nicht, aber er hatte ohnehin keine Chance bei ihr, zumal das wahrscheinlich ohnehin nicht angebracht gewesen wäre, nach der langen Zeit die sie sich nun kannten. Schnell hatte sie ihren Koffer hinten zu Julians Festival-Ausstattung in den Laderaum des Transporters gestellt und setzte sich dann auf einen der beiden Beifahrerplätze auf der Sitzbank neben Julian.
„Hi Julian“, grüßte sie ihn freundlich, aber anders als es die Kassiererin im Supermarkt, so dass es Julians Ängste nicht ganz so schlimm triggerte als es diese Situation getan hatte.
„Servus. Bereit für die Reise?“, fragte Julian sie dann ungewöhnlich selbstsicher für seine Zwecke und Sandra nickte das ganze ab.
„Ich kann´s kaum noch abwarten. Ich hab meinen Vater schon seit Jahren nicht mehr gesehen“, kommentierte sie dann, während Julian sich entschieden hatte noch ein wenig musikalische Untermalung einzuschalten. Dieses Mal aber Memphis May Fire. Eine Band die er auch sehr liebte, die er aber für wesentlich geeigneter hielt in Situationen in denen er mit Damen zusammen war, auch wenn es sich um Sandra handelte.
„Wie ist der eigentlich so?“, fragte er dann und startete das Fahrzeug.
„Naja… Ich sag´s mal so… Es gibt einen guten Grund weshalb er und meine Mutter sich zerstritten haben und er gegangen ist“, antwortete Sandra etwas bedrückt.
„Ich dachte das wäre wegen seiner Affäre gewesen…“, kommentierte Julian etwas verwirrt, während er das Fahrzeug auf die Hauptstraße zurück steuerte.
„Naja, das ist leider nur ein Teil davon, glaube ich. Meine Mutter hat auch immer behauptet er hätte sie geschlagen. Er selbst behauptet dass er das nie hätte und sie hätte sich das selbst zugefügt. Ich weiß nicht was da wahr ist. Zu mir jedenfalls war er soweit ich mich erinnern kann immer lieb“, erklärte Sandra weiter. „Was ist eigentlich mit dir? Bist du schon aufgeregt? Ist immerhin dein erstes Metal-Festival“, fragte sie ihn dann.
„Naja, ich hab schon unglaublich Angst vor dem was da auf mich zukommen könnte. Aber ich komme schon klar. Ich hab ja in letzter Zeit ein paar Konzerte besucht und schätze mal dass das so ähnlich ablaufen wird… Nur mit mehr Bands und noch mehr Leuten“, antwortete Julian nüchtern und versuchte sich auf die Straße anstelle seiner Ängste zu konzentrieren.
„Wo fahren wir denn hin? Ich dachte wir fahren direkt rauf zum Festival“, warf Sandra dann irritiert ein, als Julian unerwartet abbog.
„Naja… Kim wollte auch mit. Sie hat dort in der Gegend wohl auch ein paar alte Bekannte die sie besuchen gehen wollte… Also hat sie zumindest mal behauptet…“, antwortete Julian und wurde immer unsicherer dabei, da er Sandra ein gewisses Missfallen im Gesicht ansehen konnte. Hatte er etwa einen Fehler gemacht als er Kim ebenfalls mit in die Sache involviert hatte?
„Verstehe…“, antwortete Sandra dann auch noch in einem hörbar enttäuschten Tonfall und verunsicherte Julian offensichtlich noch weiter. Aber es war längstens zu spät sich darüber allzu viele Gedanken zu machen. Er hatte sie nun beide in seine Reise involviert und jetzt, so knapp vor dem Start der Aktion, war es nicht mehr möglich einen Rückzieher bei einer von beiden zu machen. Beide zählen auf ihn.

Kim hatte sich dazu entschieden lieber zwei Koffer und einen Rucksack zu packen und verstaute beide Koffer ebenfalls zuerst im Laderaum, bevor sie dann zuerst einmal kurz auf die Fahrerseite zu Julian kam und ihn einmal zur Begrüßung durch die offene Seitenscheibe umarmte ungeachtet dessen, dass Julian das eigentlich gar nicht so recht war. Er wünschte eigentlich keinen Körperkontakt zu Frauen, zumindest nicht wenn er sich auf diese Art beschränkte und nicht noch viel weiter reichte. Zumal Kim wirklich eine wirkliche Schönheit geworden war seit er sie im Grundschulalter kennen gelernt hatte. Julian schätzte sie auf 1,72m und entsprechend ihrer Größe war sie eher lang und schmal gebaut, was auf ihn jedoch ganz besonders anziehend wirkte und das obwohl sie einen  kleineren Hintern und wesentlich kleinere Brüste hatte als Sandra. Ihre weit über schulterlangen blonden Haare, die sie ebenfalls zusammen gebunden hatte und ihre meistens immer froh wirkende Art taten ihr Übriges dazu. Aber Julian musste sich zusammen reißen, denn die Gedanken die ihm gerade durch den Kopf gingen waren definitiv nicht angebracht, besonders nicht bei einer so langen Bekanntschaft wie er sie mit diesen beiden hatte.
„Hi Julian. Hi Sandra“, grüßte Kim die beiden als sie den Platz auf der Sitzbank ganz rechts einnahm und die Fahrzeugtür schloss.
„Hi Kim. Du auch hier?“, grüßte Sandra immer noch ein wenig irritiert zurück.
„Ja, als ich gehört hab, dass Julian auf dieses Festival da im Nord-Osten fährt, musste ich einfach mit. Du kennst doch noch Sarah und Julia oder? Die leben jetzt beide da oben in der Nähe und ich glaube eine bessere Gelegenheit die beiden mal wieder zu besuchen, werde ich wohl kaum kriegen. Außerdem ist es wirklich eine tolle Gegend da. Vielleicht kann ich mir die ja ein wenig ansehen und ein paar tolle Fotos machen, wenn ich schon mal dort bin“, erklärte sich Kim, während Julian das Fahrzeug wieder startete und sich auf den Weg zum Festival machte. Auf Musikuntermalung verzichtete er dabei lieber.
„Sarah und Julia? Das ist ja ewig her. Wissen die beiden denn überhaupt noch wer du bist?“, warf nun Sandra ein und Julian konnte fühlen wie Kim dieser Einwand missfiel.
„Na klar wissen die das noch. Ich hab regelmäßig mit denen geschrieben nachdem sie weg gezogen sind“, antwortete Kim trotz ihrem Missfallen unglaublich froh und freundlich.
„Na dann…“, kommentierte nun Sandra unter einem gewissen Missfallen. Julian konnte fühlen wie sich die Situation zwischen den beiden Damen immer stärker anspannte und das sollte ihm stark missfallen. Außerdem ging ihm immer noch diese Situation mit der Kassiererin im Supermarkt nach und da momentan keine Musik spielte die ihn ablenken konnte, war es ihm auch nicht möglich sich seinen eigenen sich um sich selbst drehenden Gedankengängen zu entziehen.
„Aber sag mal Julian… Du hast dich ja wirklich heftigst vorbereitet. Bist du sicher dass das alles notwendig war?“, warf nun Kim ein und spielte auf die Sachen im Laderaum an.
„Naja, ich brauche eben ein gutes Bett, wenn das alles nicht in einen kompletten Vollhorror ausarten soll und wenn ich kein Fahrrad dabei hab weiß ich nicht wie ich vom Festival in die Stadt kommen soll, wenn ich Nachschub beim Essen und den Getränken brauche. Einen Kühlschrank hab ich ja jetzt nicht mit eingepackt“, erklärte sich Julian, während er auf die Autobahn abbiegen sollte.
„Verunsichere ihn doch nicht so… Ich hab zwar keine Festivalerfahrung aber ein wenig mit Camping und ich kann dir sagen… Besser ein paar Dinge zu viel als zu wenig eingepackt. Wenn du etwas brauchst, dass du dann nicht dabei hast, hast du ein größeres Problem wie andersrum“, verteidigte Sandra ihren langjährigen guten Freund schnell.
„Da hast du wohl einen Punkt“, stelle Kim fest. „Oh, die Musikanlage ist ja noch an… Wieso läuft denn nichts?“, warf sie dann ein und schockierte Julian mit der Aussage ein wenig.
„Ähm…“, antwortete er schnell, während er verzweifelt nach einer Ausrede dafür suchte. „Ich wollte deine Nachbarschaft nicht stören“, fügte er dann schnell noch hinzu.
„Naja, jetzt sind wir auf der Autobahn, da kannst du keinen stören“, erklärte Kim ihm schnell.
„Ja, genau. Mach mal etwas Musik an. Es dauert bestimmt noch eine Weile bis wir dort ankommen wo die Umgebung auch wirklich interessant für uns wird“, drängte Sandra ihn nun förmlich
„Danke… Passt schon. Im Moment ist mir gar nicht nach Musik zumute. Davon bekomme ich auf dem Festival sicherlich mehr als genug“, antwortete Julian verzweifelt und beide Frauen sahen sich kurz an, bevor Kim kurz mit den Schultern zuckte und Sandra den Kopf schüttelte.
„Ganz wie du willst“, kommentierte Kim dann die Situation und begann sich der Landschaft zu zuwenden, während Julian sich weiterhin versuchte auf die Straße und die Strecke zu konzentrieren.

Sicher und erstaunlich routiniert, selbst nach seinem eigenen Verständnis, steuerte Julian das Gefährt über die Autobahn. Dafür dass er so ein großes Vehikel noch nie selbst gesteuert hatte, kam er wirklich gut damit zurecht. Eine seiner Befürchtungen bevor er aufgebrochen war. Selbst an die ungewöhnliche Breite des Fahrzeugs hatte Julian sich recht schnell gewöhnt und bereits nach einer Stunde Fahrt steuerte er den Transporter so entspannt als ob er in seinem Leben noch nie etwas anderes gefahren hatte. Mittlerweile, nach drei Stunden Fahrzeit hatten sie auch längst die bekannte Umgebung verlassen und immer wieder nahm die Landschaft Formen an, die man nur als wunderschön bezeichnen konnte. Julian bekam regelmäßig Probleme seine Aufmerksamkeit auf der Straße zu halten und sich nicht in alle Richtungen umzusehen. Die Tatsache, dass die Sonne schien, keine einzige Wolke am sich besonders blau anfühlenden Himmel war und es mindestens 30 Grad warm war, sollte sicherlich ihr Übriges dazu beitragen. Regelmäßig hingen auch beide Damen aus genau diesem Grund an der Seitenscheibe und betrachteten beeindruckt die Umgebung. Kim nahm sich sogar regelmäßig ihr Smartphone zur Hand und machte viele Fotos. Julian wusste gar nicht so genau wovon und besonders weshalb gleich so viele. Und obwohl ihn die Umgebung regelmäßig ablenkte und eigentlich die Fahrt selbst den größten Teil seiner Konzentration in Beschlag nahm, so konnte er nicht verhindern dass seine Gedanken immer wieder um die Sache mit den beiden Damen und um die Geschichte im Supermarkt kreisten. ARG! Was hatte denn dieser Bullshit genau jetzt in seinen Gedanken verloren? Auch ein schnelles Kopfschütteln schien ihm hier nicht weiter zu helfen. Aber irgendwie musste er diese Gedanken los werden. Dies sollte eine Zeit des Feierns und der Freude für ihn werden, da hatte so etwas nichts in seinem Gehirn verloren.
„Julian… Stimmt etwas nicht?“, sprach ihn plötzlich Kim an und schockierte ihn, so dass er kurzzeitig überhaupt nicht wusste, wie er überhaupt reagieren sollte.
„Ähm… Nein, alles gut…“, antwortete er nach einer ungewöhnlich langen Zeit völlig unsicher.
„Das klingt aber jetzt gerade ganz und gar nicht so“, kommentierte Sandra.
„Genau… Und auch sonst bist du selbst für deine Zwecke ungewöhnlich still… Also was stimmt mit dir nicht? Immerhin willst du gleich auf´n Metal-Festival, da solltest du gute Laune mitbringen“, sprach nun Kim wieder und Julian seufzte kurz.
„Naja… Ich…“, sagte er und geriet dann ins Stocken, da er nicht wusste was er jetzt genau sagen sollte. „Ich hatte ein kurzes Gespräch mit dieser einen Kassiererin im Supermarkt und sie war ganz besonders nett zu mir und ich wusste damit irgendwie nicht umzugehen…“ sprach er dann weiter unsicher und sackte in sich zusammen während er sprach.
„Uhhhhh…“, rief Kim direkt aus. „Unser Julian wurde an der Kasse angeflirtet“, kommentierte sie dann auf ihre besonders frohe Art.
„Sie hat mich nicht angeflirtet. Sie hat nur nach meinen Einkäufen gefragt und ich hab ihr gesagt was ich vor habe. Mehr ist nicht passiert“, unterbrach Julian sie lieber schnell.
„Oh doch, das hat sie“, mischte sich nun auch noch Sandra ein, die jedoch nicht so positiv darüber wirkte wie Kim es tat, so als ob es ihr missfiel dass eine andere Frau einen Flirtversuch bei ihm gestartet hatte.
„Hast du sie wenigstens nach ihrer Nummer gefragt?“, warf nun Kim ein.
„Nein… Sie hat anders als ihr beiden das jetzt behauptet ja auch gar nicht mit mir geflirtet“, antwortete Julian.
„Wir wissen alle drei, dass du das gar nicht wirklich unterscheiden könntest“, kommentierte Sandra und Julian sackte weiter in sich zusammen, da sie absolut recht hatte.
„Julian… Du solltest wirklich mal dein Selbstwertgefühl in den Griff bekommen. Du bist nicht mehr das hässliche, fette, kleine Kind, dass du warst als wir uns zum ersten Mal getroffen haben“, warf nun Kim weiter ein.
„Ja, aber ich bekomme außer Zocken und meiner Gitarre nichts auf die Reihe“, antwortete Julian und bemerkte selbst wie er immer kleinlauter wurde.
„Und du hast gerade erst 50 KG verloren. Guck dir doch die ganzen anderen übergewichtigen Typen an, die das gerne schaffen würden, aber es nicht hinbekommen“, meldete sich Sandra zu Wort.
„Danke, aber du weißt genau weshalb ich das tatsächlich geschafft habe“, antwortete Julian.
„Ich bin mir nicht sicher welche Rolle das dabei spielt“, kommentierte nun Kim und Julian wollte gerade eine Antwort geben als sich sein Navigationssystem auf dem Handy zu Wort meldete.
„In einem Kilometer… Nehmen sie die Ausfahrt“, sprach es.
„Oh… Jetzt schon? Ich dachte es wäre noch weiter“, kommentierte schnell Julian und versuchte absichtlich das Thema zu wechseln. Er war nicht wirklich daran interessiert dieses Gespräch fort zu setzen oder sich an seinen Selbstmordversuch zu erinnern, bei dem er einfach das Essen verweigert hatte, nachdem er auf einen klassischen Internet-Troll herein gefallen war, der ihm vorgespielt hatte eine hübsche Frau zu sein, die an ihm interessiert wäre. Und so konzentrierte er sich lieber darauf nicht die Abzweigung zu verpassen, welche ihn auf den nächsten Autobahnabschnitt bringen sollte. Von dort an waren es noch zwei weitere Stunden Fahrt bis zum Ziel und dann wäre das Thema ohnehin für ihn erledigt.

Die Reise sollte weiterhin wie geplant verlaufen, sowohl was die Dauer als auch den Ablauf anging. Bevor Julian jedoch das Festival selbst besuchen konnte, musste er noch seine beiden Begleiterinnen zu deren Unterkunft bringen. Gottseidank hatten sie beide sie selbe Unterkunft gebucht. Ein unerwarteter aber sehr glücklicher Zufall. Nicht so sehr nach Plan verlief jedoch die Tatsache, dass Kim ihn dazu überredet hatte am nächsten Tag noch einmal mit dem Vehikel bei den beiden zu erscheinen und sie beide zu ihren ersten Zielorten, Sandra zur Wohnung ihres Vaters und Kim zu einer ihrer beiden Freundinnen, zu fahren. Julian hoffe lediglich dass sein kurzzeitiges Verschwinden nicht später zu Problemen mit der Platzvergabe auf dem Festival führen würde, aber auch hier galt wieder dass er das alles zunächst hinten an stellen musste. Jetzt musste er zu aller erst einmal überhaupt dort ankommen und seinen ersten Tag dort lebend überstehen. Allerdings schon als er das Festival-Gelände, scheinbar ein kleiner Sport- und Freizeitflugplatz für besser gestellte Privat-Piloten, von weitem sehen sollte verbesserte sich seine innere Stimmung erheblich. Er hatte es also endlich geschafft und war dort angekommen. Entspannt steuerte er sein Vehikel zum ersten Kontrollpunkt, wo ihn die Platzzuweiser bereits erwarteten.
„Servus. Zum ersten Mal hier?“ fragte der Mann im extra aufgebauten kleinen Kontrollhäuschen.
„Ja, generell zum ersten Mal auf nem Festival würde ich sagen“, antwortete Julian und kratzte sich verlegen am Hinterkopf.
„Ach so, das erklärt natürlich deine leichte Anspannung. Aber alles ist gut. Du bist ja jetzt angekommen, alles andere werden wir schon irgendwie hinbekommen“, kommentierte der Mann im Häuschen. „OK, dann machen wir mal den Anfang indem du mir dein Ticket zeigst“, sagte er anschließend und Julian reichte ihm dieses direkt. „OK, cool. Dann halte jetzt mal deinen Arm raus, damit ich dir dein Bändchen anlegen kann“, kommentierte er dann und Julian tat wozu er angewiesen worden war. Keine Sekunde später hatte er ein graues Stoffband mit einem Skelett-Muster an seinem rechten Arm und Julian konnte nicht vermeiden, dass er das Design unglaublich cool fand. „OK, das war´s dann schon. Jetzt fährst du als nächstes durch bis zum Bereich 5. Dann nach links und da sollten eigentlich genügend Flächen frei sein. Such dir einfach eine aus“, erklärte sich der Mann weiter.
„Ich hätte da noch eine kleine Frage“, meldete sich Julian etwas schüchtern zu Wort. „Die Sache ist die… Ich habe vor den Platz morgen noch einmal zu verlassen. Ich habe da zwei Damen versprochen sie noch woanders hin zu bringen. Wie ist das denn dann mit meinem Platz? Ist der dann weg, wenn ich wieder komme und gibt das irgendwelche Probleme?“ sprach er weiter und merkte selbst wie er immer kleinlauter wurde.
„Ach so… Ja, gut dass du mir das sagst… Das machen wir dann ganz kurz anders… Einen Moment…“, sagte der Platzanweiser und verschwand kurz in seinem Häuschen hinter seinem Rechner. „So, ich habe dir jetzt den Platz 5-G fest zugewiesen. Den übernimmt jetzt auch keiner mehr, selbst wenn du mal kurz diese Sache erledigen gehst“, sagte er dann nachdem er wieder vor Julian erschienen war, der direkt erleichtert ausatmete und merkte wie sich sein gesamter Körper entspannte. Das würde also schon mal keine weiteren Probleme mehr geben. „Ansonsten sollte ein Dixie-Klo an deinem Stellplatz stehen. Falls nicht, es gibt in der Nähe der Bühnen auch immer eine Reihe öffentliche Klos, aber die sind oft voll und es gibt Warteschlangen. Was zu Futtern und Bier gibt´s ansonsten überall hier, oder unten in der Stadt. Und ich hoffe mal über gutes Benehmen müssen wir uns nicht großartig unterhalten, das sollte sich von selbst verstehen“, sprach der Mann weiter.
„Auf gar keinen Fall. Ihr werdet kaum merken dass ich hier bin“, kommentierte Julian ein wenig schockiert von der Aussage die Situation.
„Ganz so heftig musst du dich jetzt auch nicht zurück nehmen. Was wir hier nur nicht wollen ich so richtig übles Chaos, also Schlägereien und sowas. Und Mageninhalte bitte in den Klo und nicht übers ganze Gelände verteilen. Genauso gehört der Müll in die Mülltüten und nicht übers Gelände verteilt. Gutes Benehmen eben“, erklärte sich der Mann noch einmal und Julian nickte dieses Mal lediglich mit dem Kopf. „Ach ja… Solltest du dich irgendwie verletzen, da vorne sind die Sanis. In einem solchen Fall bitte nicht zögern, wir wollen nicht dass irgendwas noch schlimmeres draus wird“, sagte der Mann noch und Julian nickte erneut mit dem Kopf. „OK, wenn dann alles klar ist und du keine weiteren Fragen mehr hast... Viel Spaß bei uns auf dem Festival“, sagte er dann zum Abschluss.
„Danke, Mann… Werde ich mit ziemlicher Sicherheit haben“, antwortete Julian noch und setzte sein Fahrzeug in Bewegung zu dem Platz den man ihm zugewiesen hatte. Nun war er tatsächlich angekommen und würde in Kürze seinen Stellplatz haben. Julian wusste nicht genau ob er erleichtert oder völlig aufgeregt war. Es war einfach völlig überwältigend und er musste irgendwie zusehen dass er sich vielleicht für den Anfang eine leichte Übersicht verschaffen würde.

Nachdem Julian den Platz besetzt hatte, den man ihm zugeteilt hatte, sein Fahrrad ausgeladen und am Transporter angekettet hatte, nur zur Sicherheit, sich damit befasst hatte ob Gegenstände bei der Reise beschädigt worden waren, was sie nicht waren und sein Smartphone zum Laden an die mitgebrachte Autobatterie gehängt hatte, war es nun endlich soweit. Er konnte das tatsächliche Festival besuchen gehen. Zunächst einmal galt es jedoch sich den schon erwähnten Überblick zu verschaffen. Wo waren öffentliche Toiletten? Wo ging es zu den Bühnen? Wo wäre der Ausgang, wenn er mit dem Rad Einkäufe in der Stadt tätigen gehen wollte? Und was für Leute waren eigentlich noch anwesend? Konnte er vielleicht jemanden ausmachen mit dem er rein oberflächlich betrachtet gerne in Kontakt treten würde? Das alles waren Dinge die Julian durch den Kopf gingen, während er seinen ersten Spaziergang über das Festivalgelände startete. Bereits in den ersten Minuten begann eine Phase der Entspannung einzusetzen, da ihm direkt auffallen sollte dass die Leute hier auf dem Festival im Wesentlichen die selbe Kleidung trugen wie er selbst. Meist schwarze T-Shirts mit typischen Metal-Band-Motiven und Logos darauf. Und Julian konnte nicht bestreiten dass es ihm ein gewisses Vergnügen bereitete diese zu entziffern und festzustellen, dass er tatsächlich weit über 90% der Bands, von denen die Leute Shirts trugen, kannte. Bands deren Namen er noch nie gehört hatte fand er tatsächlich eher selten vor. Einer der Anwesenden sollte ihm jedoch auffallen, da er anstatt eines typischen Band-Shirts eher ein buntes T-Shirt mit fünf niedlichen kleinen Katzen tragen sollte. Eine ungewöhnliche Wahl von Kleidung auf einem Metal-Festival, aber nichts worüber Julian sich beschweren würde. Immerhin war er selbst ein großer Katzenliebhaber und hatte zu Hause selbst Kleidung mit Katzen-Motiven, er trug diese nur nicht auf dem Metal-Festival. Und trotz alles Wohlgefühls durch das optische zusammenpassen mit den Anderen konnte Julian das Gefühl nicht loswerden, dass er oft und viel von den Leuten angestarrt wurde. Zu Hause hätte er das seinem Kleidungsstil zugeschrieben, aber hier sahen alle ganz genauso aus, das musste also einen anderen Grund haben. Vielleicht einfach weil er ein fast 2m großer Brocken war. Die waren offensichtlich selbst hier auf dem Festival ziemlich selten. Es gab sie, aber sie waren selten. Zumindest war das die Erklärung die sich Julian selbst geben sollte.
„Hey Mann… Colles Shirt“, sprach ihn plötzlich im Vorbeigehen einer der anderen Festivalbesucher an. Und ja, Julian fand sein T-Shirt von der Band Benighted auch unglaublich cool und sah sich fast reflexartig an was der andere Festival-Besucher trug. Es handelte sich um ein Shirt von der Band Stillbirth und lustiger Weise auch noch um eins dass er selbst ebenfalls zuhause hatte.
„Danke Mann, deins aber auch“, antwortete Julian ihm noch schnell, bevor sie beide aneinander vorbei gingen und ihren Weg fortsetzten. Aber Julian konnte nicht bestreiten, dass dies gerade seinen Wohlfühlfaktor um mindestens 50% erhöht hatte. Wie lange war er nun eigentlich schon auf dem Gelände unterwegs? Es fühlte sich an wie eine ganze Stunde und die Sonne brannte von oben auf seinen Kopf herab. Mittlerweile musste die Temperatur auch bei über 34 Grad liegen, zumindest fühlte es sich genauso an. Langsam drückte ihn der Durst und da er für den Moment nicht genau wusste wie weit er zurück zu seinem Platz laufen musste, entschied er sich lieber schnell ein alkoholfreies Bier an einem der Trinkstände zu kaufen und zu trinken. Das war zwar mit 4,50€ den Becher nicht billig, aber es fühlte sich auch in diesem Moment an als würde er eine ausgetrocknete Pflanze bewässern. Erst jetzt merkte Julian wie kraftlos er durch die Austrocknung geworden war. Plötzlich sollte ihm in einem Busch ein eigenartiges Funkeln auffallen, dass er nicht zuordnen konnte. Vorsichtig bewegte er sich in die Richtung davon und fokusierte seinen Blick auf das Gebüsch, falls es noch einmal passieren würde. Und tatsächlich… Da war es wieder. Dieses Mal bewegte Julian sich schneller und zielgerichteter zum Gebüsch. Als er jedoch dort ankam und hinein sah, war dort nichts. Was auch immer dort gewesen war, es war wieder weg. Wahrscheinlich hatte es sich ohnehin nur um ein Wildtier gehandelt. Eine Maus, ein Hase oder vielleicht sogar ein Fuchs. Julian konnte nicht vermeiden, dass ihm das arme Mäuschen, Häschen oder Füchschen, das er gerade verschreckt hatte unglaublich leidtun sollte. Aber es war nun einmal geschehen und nicht mehr zu verhindern, so dass er die Situation lieber wieder bei Seite schob und sich wieder auf das Festival selbst konzentrierte. Schnell nahm er sich sein Smartphone zur Hand und sah auf die Uhr und den Ablaufplan, wobei er feststellen sollte, dass die nächste Band bald ihren Auftritt beginnen sollte. Sodom, eine alte Thrash Metal-Band. Nichts was Julian sich freiwillig auflegen würde, aber er entschied sich vor Ort zu sein und den Auftritt anzusehen. Immerhin war er dafür die ganze weite Strecke überhaupt erst gefahren. Die Menge vor der Bühne stellte sich als recht klein und überschaubar heraus. Eher vergleichbar mit den Konzerten die Julian vor dem Festival schon besucht hatte. Aber sobald die Band begann zu spielen sollte sich direkt ein kleiner Moshpit bilden in dem die Leute unkontrolliert in der Gegend herum sprangen und regelmäßig absichtlich miteinander kollidierten. Und Himmel diese Musik war live wirklich richtig gut. Viel besser als Julian erwartet hatte, so dass auch er sich diesem Moshpit nicht entziehen konnte und es auch nicht wollte. Ein paar Schritte mitten in die Menge und schon sollte bereits der erste andere rechts mit ihm kollidieren, dann der nächste von links. Julian war völlig überwältigt von diesen Kräften und kämpfte extremst mit seinem Gleichgewicht. Offensichtlich hatte er die Situation etwas unterschätzt. Weshalb auch nicht? Sein letzter Moshpit war mehrere Jahre her und als er dabei mitgewirkt hatte, hatte er 50 KG mehr auf den Rippen. Nach ungefähr zehn Kollisionen konnte Julian sein Gleichgewicht einfach nicht mehr wieder finden und stürzte zu Boden. Schmerzen durchzogen besonders sein rechtes Bein, das wohl mit dem Knie zuerst aufkommen sollte. Dabei hatte Julian noch großes Glück, denn es handelte sich um einen Boden aus Erde, Sand und vertrockneter Wiese. Es hätte sich genauso gut auch um Schotter- oder Beton-Boden handeln können. Schnell reagierten die anderen Leute und zwei davon packten seine Arme um ihm wieder auf die Beine zu helfen, während zwei weitere sich um die drei platzierten um den übrigen Moshpit von ihnen fern zu halten. Julian zeigte allen schnell einen Daumen nach oben um zu zeigen, dass alles in Ordnung war, so dass die beiden die ihm auf die Beine geholfen hatten sich wieder dem Moshpit widmeten, während er sich lieber daraus zurück zog und an den Rand ging um dort kurz seine Verletzungen zu begutachten. Tatsächlich hatte sich wohl ein kleines Stück eines Astes in sein rechtes Knie gebohrt, so dass dieses nun ungewöhnlich stark blutete. Julian spürte ein leichtes Brennen, aber er hatte keine starken Schmerzen. Und was das Bluten anging dachte er sich, dass das schon irgendwann auch wieder von selbst aufhören würde. Und so entschied er sich wieder in den Moshpit zurück zu kehren und den Auftritt der Band noch zu beenden. Dieses Mal war er besser vorbereitet und wusste welche Kräfte auf ihn wirken würden, so dass es ohne weitere Zwischenfälle verlaufen sollte. Und obwohl Julian am Ende des Auftritts der Band das Gefühl hatte, er hätte gerade eine Runde Extrem-Sport gemacht und er am Ende seiner Kräfte wäre, so hatte er auch ein massives Glücksgefühl, dass er nur schwer beschreiben konnte. Nun untersuchte er jedoch lieber schnell sein Bein und stellte fest, dass es leider immer noch blutete. Vielleicht sollte er das doch lieber behandeln lassen. Offene Verletzungen waren immer gefährlich und konnten zu weitaus schlimmeren Dingen führen als dem Verlust von ein paar Millilitern Blut. Und so führte Julians nächster Weg ihn zu den Sanitätern vor Ort, welche seine Verletzung reinigten und ihm einen Verband anlegten. Das war zwar nur sehr mittelmäßig gelaufen, aber er wusste nun besser worauf es ankam, so dass der Tag ohne weitere Zwischenfälle dieser Art verlaufen sollte. Völlig fertig zog er sich in sein Mietfahrzeug zurück und fiel förmlich in sein Bett. Morgen musste er ja zu Sandra und Kim zurück. Wie gut, dass in dem Zeitraum den er dafür vorgesehen hatte, gerade keine Bands spielten die er unbedingt sehen wollte. Da er genau wusste, dass er die beiden Damen nicht im Halbschlaf zu ihren Zielen fahren konnte gab er seiner Müdigkeit einfach nach und schlief ein ohne es überhaupt selbst zu bemerken und ungeachtet der Musik, die von anderen Leuten noch bis in die späte Nacht hinein gehört wurde.

Als Julian am nächsten Morgen wieder aufwachte fühlte er sich als ob ihn ein LKW überfahren hätte. Er war zwar wach, aber geistig nicht wirklich anwesend und innerlich tat sein gesamter Körper weh. Klassische Erschöpfungsschmerzen, die man wohl auf solchen Festivals und nach mehreren solcher Moshpits bekommen konnte. Sein Knie hingegen tat nicht mehr weh. Sein Verband war allerdings auch immer noch da wo er sein sollte. Hätte er nicht mit Sandra und Kim einen festen Zeitpunkt vereinbart an dem er wieder bei ihnen erscheinen sollte, wäre er wahrscheinlich einfach erst einmal liegen geblieben und hätte versucht noch etwas mehr Schlaf zu finden oder sich in anderer Art und Weise zu erholen, bevor die nächste Band die er meinte sich ansehen zu wollen auftreten würde. Aber so musste er sich irgendwie auf die Beine quälen, da der Zeitpunkt unweigerlich näher rückte. Schnell noch die Zähne putzen und sein Fahrrad wieder einladen und dann könnte er sich auch wieder auf den Weg machen. Dass er völlig mit dem im Moshpit aufgewirbelten Staub bedeckt war, ließ er sich jetzt einmal recht wenig stören. Das würde ohnehin heute und die anderen beiden Tage noch schlimmer werden. Nachdem er sein Fahrrad eingeladen hatte entschied er sich jedoch lieber noch einen Besuch auf der Toilette zu machen. Ein klassisches Dixi-Klo dass lediglich ein paar Chemikalien im Sammelbecken hatte um den Geruch minimalst zu überdecken. Allerdings die schienen schon längst aufgebraucht zu sein, denn der Gestank war wirklich unerträglich. Offensichtlich hatten sich mehrere Personen bereits in diese Toilette übergeben und einer hatte starken Durchfall gehabt oder noch schlimmeres. Ferner war Julian sich nicht sicher ob nicht ein paar Leute daneben gepinkelt hatten, zumindest deuteten die Flecken überall in der Toilette darauf hin. Hätte Julian die Toilette nicht so dringend besuchen müssen, hätte er wahrscheinlich lieber darauf verzichtet. Zum Glück war noch ausreichend Papier darin vorhanden. Wenn dieses jetzt auch noch ausgegangen wäre, dann hätte Julian ein größeres Problem als er hätte zugeben wollen. Nachdem dies nun erledigt war, setzte er sich in sein Fahrzeug und startete langsam seine Reise zu Sandra und Kim, die er recht früh erreichen sollte. Eine Nachricht über das Smartphone später verließen beide die Unterkunft mit ihren fertig gepackten Rucksäcken.
„Hi Julian“, sprach Kim den schon vor dem Fahrzeug wartenden Julian an und stoppte dann etwas schockiert, bevor Sandra hinzu kam und eine ähnliche Reaktion zeigte.
„Himmel Julian, was ist denn mit dir passiert?“, fragte Sandra dann direkt und deutete offensichtlich auf den Verband an seinem rechten Knie.
„Ach das… Klassische Moshpit-Verletzung“, kommentierte der lediglich und kratzte sich verlegen am Hinterkopf, bevor ihm auffallen sollte, dass keine der beiden Damen mit der Antwort zufrieden war. „Ich war gestern noch bei Sodom und wurde dort einmal ordentlich umgesenst. Aber passt schon. Alles in Ordnung. Der Sani hat gesagt ist nur oberflächlich und hat mir den Verband angelegt. Tut auch schon fast nicht mehr weh“, führte er dann vorsichtig weiter aus.
„Du musst echt etwas besser aufpassen“, kommentierte Sandra dann noch.
„Das tue ich seitdem auch. Es war halt der erste Moshpit seit vielen Jahren für mich und ich hatte keine Ahnung wie heftig das werden kann, aber jetzt weiß ich´s und komme besser klar. Ich war danach noch in zwei weiteren, da ist nichts passiert. Ihr müsst euch da also keine Sorgen um mich machen. Ich passe schon auf mich auf“, antwortete Julian dann noch. „Können wir dann jetzt los? Ich muss gestehen, dass ich möglichst schnell zurück auf´s Festival will. In zwei Stunden spielen die Warkings, die würde ich schon gerne sehen“, fügte er dann eilig an.
„Na gut, das kann ich verstehen. Also los dann“, kommentierte nun Kim und ging als erste zur Beifahrertür, direkt gefolgt von Sandra und schon waren sie auf dem Weg. Bis auf eine unglaublich tolle Landschaft mit vielen Bergen und alten Bauwerken, die man sich gut von der Straße aus ansehen konnte, sollte die Fahrt auch ereignislos bleiben. Julian kämpfte jedoch mehr mit seiner Konzentration und dem Einschlafen als er selbst bereit war zu zugeben. Er hätte niemals gedacht, dass ein Festival auf diesem Level anstrengend für ihn werden würde. Hätte er nicht die letzten 2 Jahre viel im Fitness-Studio trainiert, wäre wohl vieles von alle dem weit über seine Kräfte hinaus gegangen. Und wie der Sturz der sein Knie beschädigt hatte ausgegangen wäre, wenn er noch 50 KG mehr auf die Waage gebracht hätte, darüber wollte er lieber nicht so genau nachdenken.
„Julian… Wach bleiben“, sprach ihn plötzlich Kim von der Seite an und Julian schreckte kurz auf. Tatsächlich stand er gerade kurz davor in einen Sekundenschlaf zu fallen. Eine gefährliche Situation im Straßenverkehr, die sie alle drei das Leben kosten konnte.
„Soll ich vielleicht lieber fahren?“, warf nun Sandra noch ein und Julian schüttelte schnell verneinend den Kopf.
„Nein nein, alles gut. Ich schaff das schon. Außerdem ist von euch beiden niemand als Fahrer bei der Vermietung eingetragen. Das könnte vielleicht noch ganz andere Probleme geben“, antwortete er dann noch.
„Na gut, dann…“, brachte Sandra gerade noch heraus bevor tatsächlich etwas die Straße betreten sollte. Julian konnte in seinem verschlafenen Kopf kaum erkennen was es war. Es sah humanoid aus, ging auf zwei Beinen und hatte Arme, aber es war definitiv kein Mensch. Dafür hatte es viel zu viele Tentakel auf dem Rücken und die Art wie es ging erinnerte mehr an einen Zombie als an einen Menschen. Julian blieb kaum Zeit für überhaupt eine Reaktion als er sich entschied die Bremse so fest zu treten wie er konnte. Reifen quietschten lautstark und beide Damen schrien panisch auf vor Angst, aber es war längst zu spät. Blut und Körperteile des undefinierbaren Wesens klatschten gegen die Fahrzeugfront als es dagegen krachte. Zusätzlich dazu führte die Kollision dazu dass das Fahrzeug sich unkontrolliert zur Seite drehte und Julians verzweifelter Versuch dagegen zu lenken sollte alles nur noch schlimmer machen. Als das Vehikel sich vollkommen seitlich zur eigentlich Fahrtrichtung gedreht hatte begann es sich mehrfach zu überschlagen, bevor es den Abhang auf der linken Seite hinunter stürzte und dort nacheinander gegen mehrere Bäume krachte.

Huh? Was war gerade geschehen? Wo war er? Und wieso war er überhaupt? In Julians Kopf drehte sich alles und er konnte lediglich noch völlig verschwommen sehen. Dazu kam dieses laute unerträgliche Piepsen in seinen Ohren, dass sich immer stärker in ein noch lauteres Pfeifen umwandelte. Er konnte seinen Unterkörper nicht mehr fühlen und seine linke Körperhälfte ebenfalls nicht. Und die rechte verursachte ihm Schmerzen, wie er sie noch nie in seinem Leben gefühlt hatte. Was war gerade geschehen? Nur langsam begann sich seine Sicht zu stabilisieren und zeigte ihm einen Anblick den er unter gar keinen Umständen hätte sehen wollen. Der Transporter war völlig vernichtet an einem der Bäume hängen geblieben. Das Fahrzeug wäre unmöglich noch zu retten. Praktisch alles daran war zerstört. Sämtliche Scheiben, die Lichtanlage, die Form des Vehikels, die Front, wahrscheinlich der Motor, einfach alles. Lediglich das rechte Hinterrad war noch vorhanden und die seitliche Kollision mit dem Baum hatte eine Biegung auf diese Seite darin hinterlassen. Viel schlimmer war jedoch das ganze Blut überall. War das etwa seins? Und wo waren seine beiden Begleiterinnen geblieben? Er selbst war offensichtlich während des Unfalls aus dem Fahrzeug geschleudert worden und lag nun auf der Wiese. Aber wo waren Sandra und Kim geblieben? Ein Blick nach rechts offenbarte ihm ein weiteres Bild auf dass er lieber verzichtet hätte. Dort sollte sich eine völlig blutüberströmte Sandra wieder finden der ein Arm und ein Bein fehlte. Ihr Blick zeigte lediglich Panik und Todesangst, vielleicht noch starke Schmerzen, aber sonst nichts. Ferner zeigte sie keine Regung mehr. Offensichtlich war sie bereits tot. Aber wo war Kim? Julian versuchte nach ihr zu rufen, bekam aber keinen einzigen Laut heraus. War sein Kehlkopf zertrümmert oder kämpfte er lediglich mit Entkräftung nach einem solchen Desaster? Julian konnte es nicht sagen. Alles was er wusste war, dass er unmögliche Schmerzen hatte. Irgendetwas musste er doch unternehmen um diese wieder loszuwerden. Aber da war nichts was er unternehmen konnte. Er konnte selbst seine Gliedmaßen nicht mehr fühlen. Er konnte nicht um Hilfe rufen, er konnte gar nichts. Verzweifelt begann Julian in Tränen auszubrechen, während er sich aus für ihn unerklärlichen Gründen entschied sich mit seinem rechten Arm, dem Arm den er noch fühlen konnte vorwärts zu schleppen, in Richtung des zerstörten Fahrzeugs. Nur langsam kam er voran und jede Bewegung verursachte ihm noch stärkere Schmerzen. Dort sollte er tatsächlich Kim auf der Beifahrersitzbank finden. Sie war von einer Fahrzeugstrebe mitten durch den Torso durchstoßen worden und regte sich ebenfalls überhaupt nicht mehr. Offensichtlich war sie ebenfalls schon längst tot. Panik begann sich in Julian zu regen. Er versuchte erneut zu schreien, aber er konnte es nicht. Dann der Blick zu seinem eigenen Körper oder dem was davon übrig war. Schockiert sollte Julian feststellen, dass er lediglich noch aus seinem Torso bestand. Sein Unterkörper war zusammen mit der Hüfte ausgerissen. Sein Darm hing heraus und sein linker Arm fehlte ebenfalls. Lediglich ein Stummel seines Oberarmknochens ragte noch aus der Schulter. Julian fühlte das Bedürfnis sich zu übergeben, aber das war ihm ebenfalls nicht mehr möglich. Genauso wenig wie er schreien konnte. Was sollte er nun überhaupt noch tun? Was? WAS ZUR HÖLLE??? Plötzlich konnte er Schritte hören und als er zur Seite blickte sollte er ein weiteres dieser humanoiden Wesen mit Tentakeln auf dem Rücken erblicken, dass sich langsam und vorsichtig der Unfallstelle nährte. Was zum Teufel war das für ein Drecksviech? Es hatte mit nichts Ähnlichkeit was Julian kannte und war offensichtlich nicht in diesen Wäldern heimisch. Langsam begann es sich Sandras Leichnam zu zuwenden und schien daran zu riechen, bevor es seine gewaltigen spitzen Zähne in den leblosen Körper seiner langjährigen Freundin rammte und ein Stück daraus heraus riss um es langsam und genüsslich zu verspeisen. Julian versuchte erneut zu schreien, aber er konnte nicht. Seine Kräfte begannen zu versagen, aber er konnte doch nicht zulassen dass dieses Mistvieh seine langjährige Freundin einfach auffraß. Aber alles was er tun konnte war dabei zu zusehen, wie das Wesen Stück um Stück mit seinem Gebiss aus ihrem Körper riss, während matschige, vollkommen wiederliche Kaugeräusche seine Ohren betäubten und alles andere verdrängten was Julian sonst noch hören konnte. Er konnte nichts unternehmen. Er hatte einfach völlig versagt, so wie er es immer in Ernstfällen tat. Somit konnte er auch nicht verhindern, dass ihm schwarz vor Augen wurde und er einfach mit den anderen beiden am Unfallort verstarb.

Als Julian am nächsten Morgen wieder aufwachte fühlte er sich als ob ihn ein LKW überfahren hätte. Er war zwar wach, aber geistig nicht wirklich anwesend und innerlich tat sein gesamter Körper weh. Klassische Erschöpfungsschmerzen, die man wohl auf solchen Festivals und nach mehreren solcher Moshpits bekommen konnte. Sein Knie hingegen tat nicht mehr weh. Sein Verband war allerdings auch immer noch da wo er sein sollte. Irgendetwas fühlte sich jedoch sehr seltsam an. Julian hatte das Gefühl als wäre er eigentlich gerade gestorben, aber das war völlig absurd. Immerhin war er ja wach und auf dem Festival. Außerdem fühlte er seine Erschöpfung vom Vortag und das war wohl im Jenseits eher nicht möglich. Nein, wahrscheinlich hatte er irgendetwas ganz besonders gemeines geträumt und das gab ihm dieses seltsame Gefühl, dass er gerade gestorben wäre. Ja, genau das musste es wohl sein. Wie spät war es denn eigentlich mittlerweile? Schon fast 9:00. Verdammt. Er musste irgendwie schnell zu sich kommen und dann Sandra und Kim um 10:00 abholen, so wie er es versprochen hatte. Nachdem er seine Zähne geputzt und das Fahrrad verstaut hatte und diese völlig wiederliche Toilette aufgesucht hatte, setzte er sich mit seinem Fahrzeug in Bewegung und sollte tatsächlich um Punkt 9:55 an der Unterkunft der beiden Damen erscheinen, die auf eine Smartphone-Nachricht von ihm hin auch schon sehr bald bei ihm mit ihren fertig gepackten Rucksäcken erschienen.
„Hi Julian“, sprach Kim ihn direkt an und reagierte offensichtlich schockiert auf seinen optischen Zustand, bevor Sandra hinzu kam und eine ähnliche Reaktion zeigte.
„Himmel Julian, was ist denn mit dir passiert?“, fragte Sandra dann auch noch und deutete auf seinen Verband am rechten Bein.
„Ach das… Klassische Moshpit-Verletzung“, kommentierte der lediglich und kratzte sich verlegen am Hinterkopf, bevor ihm auffallen sollte, dass keine der beiden Damen mit der Antwort zufrieden war. „Ich war gestern noch bei Sodom und wurde dort einmal ordentlich umgesenst. Aber passt schon. Alles in Ordnung. Der Sani hat gesagt ist nur oberflächlich und hat mir den Verband angelegt. Tut auch schon fast nicht mehr weh“, führte er dann vorsichtig weiter aus, bevor er selbst ziemlich schockiert reagierte. Hatte er dieses Gespräch nicht irgendwie schon einmal geführt? Nein, das hatte er ziemlich sicher nicht. Hatte er das etwa nur geträumt? Aber wie war es dann möglich dass es sich in der Realität genauso abspielte wie im Traum? Ach was, wahrscheinlich bildete er sich das alles einfach nur ein, so wie meistens wenn ihm irgendetwas seltsam erschien, so wie zum Beispiel die Kassiererin im Supermarkt von der er dachte sie würde mit ihm flirten, es aber wahrscheinlich gar nicht wirklich hatte.
„Du musst echt etwas besser aufpassen“, kommentierte Sandra und riss ihn aus seinem völlig absurden Gedankengang.
„Das tue ich seitdem auch. Es war halt der erste Moshpit seit vielen Jahren für mich und ich hatte keine Ahnung wie heftig das werden kann, aber jetzt weiß ich´s und komme besser klar. Ich war danach noch in zwei weiteren, da ist nichts passiert. Ihr müsst euch da also keine Sorgen um mich machen. Ich passe schon auf mich auf“, antwortete Julian darauf. „Können wir dann jetzt los? Ich muss gestehen, dass ich möglichst schnell zurück auf´s Festival will. In zwei Stunden spielen die Warkings, die würde ich schon gerne sehen“, fügte er dann eilig an.
„Na gut, das kann ich verstehen. Also los dann“, kommentierte nun Kim und ging als erste zum Transporter, Sandra folgte direkt drauf, so dass Julian dann seinen Platz als Fahrer einnehmen konnte und so schnell er konnte und es die Verkehrssicherheit zuließ die Reise startete.

Bis auf eine unglaublich tolle Landschaft mit vielen Bergen und alten Bauwerken, die man sich gut von der Straße aus ansehen konnte, sollte die Fahrt ereignislos bleiben. Julian kämpfte jedoch ein wenig mit seiner eigenen Müdigkeit. Wahrscheinlich war es einfach nur viel zu warm hier im Vehikel und deshalb entschied er sich schnell das Fenster zu öffnen. Tatsächlich sollte sich ein Luftzug bilden, der zwar nicht wirklich kühl war, sich aber bei der unmöglichen Hitze im Fahrzeug zumindest so anfühlte. Er konnte außerdem direkt fühlen wie seine Müdigkeit etwas abnahm und er sich wieder etwas besser auf die Straße konzentrieren konnte.
„Wie weit ist es eigentlich noch bis wir ankommen?“, warf nun Kim ein.
„Sollte laut Navi nicht mehr allzu weit sein. Noch zwei Dörfer oder so“, antwortete Julian, bevor er instinktiv das Steuer nach links riss und sogar kurz die Gegenfahrbahn schnitt. Reifen quietschten laut auf und beide Damen schrien panisch, bevor Julian eine weitere Lenkbewegung nach rechts ausführte und zurück in seine normale Fahrspur kehrte, wo er weiter geradeaus fuhr als wäre gerade nicht das geringste geschehen. Tatsächlich war er gerade einem eigenartigen humanoiden Wesen ausgewichen, dass plötzlich und ohne jede Vorwarnung von der rechten Seite her auf die Straße getreten war. Er konnte jedoch nicht viel mehr erkennen als dass es Arme und Beine hatte, wie ein Mensch auf zwei Beinen ging, sich dabei aber eher bewegte wie ein Zombie das würde. Für einen Zombie sah es allerdings nicht menschlich genug aus.
„Was war das?“, warf Sandra noch völlig unter Schock ein, während Kim offensichtlich noch versuchte die Situation irgendwie geistig zu verarbeiten.
„Keine Ahnung…“, antwortete Julian unsicher darüber was ihm gerade passiert war. Und wie zum Teufel war es ihm möglich gewesen diesem Etwas auszuweichen, bevor er überhaupt wusste dass es kommen würde. „Ich schätze irgendein einheimisches wildes Tier, oder so… Keine Ahnung…“, fügte er offensichtlich selbst noch etwas unter Schock hinzu.
„Ich hab´s echt gar nicht kommen gesehen. Wahnsinns Reaktion von dir Julian, echt ey“, kommentierte Sandra die Situation, während Kim sich lieber entschied ihm einfach eine ungewollte Umarmung zu verpassen.
„Das war wirklich genial Julian. Wir wären wahrscheinlich alle tot, wenn du nicht so unglaublich gut reagiert hättest“, kommentierte sie dann.
„Ähhh… Danke… Aber kannst du mich jetzt wieder los lassen? Ich muss hier immerhin noch fahren“, antwortete Julian extrem unsicher und nicht zuletzt deshalb weil ihm Kims Umarmung nicht so recht war, wie sie es sich wahrscheinlich selbst vorstellte.
„Schaffst du das denn, nach einer solchen Sache, oder sollen wir nicht lieber eine kurze Pause machen?“, fragte dann Kim während sie sich wieder von Julian löste.
„Nein, Nein. Alles gut. Das schaffe ich schon. Es sind ja nur noch zwei Dörfer und dann sollten wir zumindest schon in der Stadt sein“, antwortete Julian auf den sowohl der Schock des gerade beinahe geschehenen Verkehrsunfalls, als auch der über die ungewollte Umarmung von Kim nachwirkten.
„Das stimmt wohl… Aber wir sollten irgendwo ne Pause machen und was essen oder so, wenn wir ankommen“, kommentierte Sandra.
„Ja, das sollten wir wohl…“, antwortete Julian, der erst jetzt merkte wie angespannt er immer noch war und wie schnell sein Atem.
„Fahren wir doch einfach zum BK oder so. Ich brauche jetzt wirklich irgendwas, was mich ablenkt“, schlug nun Kim vor und die anderen beiden nickten lediglich zustimmend.

Selten war Julian so froh an seinem vorläufigen Zielpunkt angekommen zu sein, wie er es dieses Mal war. Gerade war er noch dem Tod um ein Haar entkommen und nun saß er in einer Burger King-Filiale mit seinen beiden besten Freundinnen und verspeiste genüsslich ein Big King XXL-Menü, dass er nach seinem eigenen Gefühl auch dringend nötig hatte, da ihn immer noch die Kraftlosigkeit nach dem ersten Festivaltag drückte. Vielleicht würde ihm das etwas Energie zurück geben, immerhin brauchte er die wenn er heute tatsächlich noch zu den Warkings und anderen Bands in den Moshpit gehen würde. Sandra hatte sich lieber ein Crispy Chicken-Menü geholt und Kim bevorzugte es lediglich eine große Portion Pommes und einen Kaffee zu sich zu nehmen. Aber allen dreien konnte man im Gesicht ansehen wie sehr sie immer noch mit der Situation kämpften. Lange Zeit sprach keiner von ihnen ein Wort, während sie sich ihre Bestellungen zu Gemüte führten.
„Was mich immer noch sehr verwirrt ist was das für ein komisches Viech war und wo es überhaupt herkam“, traute sich dann Sandra zu sagen.
„Mich verwirrt da ehrlich gesagt eher wie Julian es hatte sehen können“, fügte Kim dann noch an.
„Ja das ist tatsächlich auch ein guter Punkt. Es kam ja wirklich aus dem Nichts. Niemand hat es sehen können…“, kommentierte Sandra weiter.
„… Und Julian hier hat es irgendwie geschafft das alles voraus zu sehen und dem Vieh dann sogar noch auszuweichen“, beendete Kim den Satz von Sandra nun.
„Ernsthaft mal Julian. Wann bist du eigentlich ein Hellseher geworden?“, fragte nun Sandra und wandte sich dabei Julian zu. Ihr Tonfall deutete auch darauf hin, dass dies ihr völliger Ernst war, was Julian so sehr erschreckte, dass er sich an einem Stück seines Big King XXLs verschluckte und zunächst eine Weile hustete, bevor er antworten konnte. Es war sogar keine Übertreibung zu sagen, dass er beinahe an dem Stück seines Burgers erstickt wäre.
„Naja, ich hab´s schon irgendwie rechts im Augenwinkel gesehen… denke ich“, antwortete er dann auf Sandras Frage und wirkte auch auf sich selbst erschreckend unsicher bei der Antwort. Er wusste ja selbst nicht so genau wieso er eine solche schnelle Reaktion gezeigt hatte. Auch für ihn selbst fühlte es sich an als hätte er genau gewusst, dass das Wesen in genau diesem Moment an genau dieser Stelle erscheinen würde und was er tun musste. Beinahe so als hätte er die Situation schon einmal erlebt. Aber das war vollkommen unmöglich, das wusste er. Und dennoch konnte er das Gefühl nicht abschütteln, dass da noch mehr war, wesentlich mehr. Kim wollte offensichtlich gerade etwas sagen, aber als sie den Mund aufmachte um die Laute zu formen krachte es draußen in extremer Lautstärke, vergleichbar mit einem Flugzeugabsturz oder dem Einschlag einer Bombe. Panische Schreie von Passanten folgten, bevor die ersten panischen Menschen an der Burger King-Filiale vorbei rannten. Offensichtlich kamen sie wohl aus dem Zentrum der Stadt und schienen diese so schnell verlassen zu wollen, wie es ihnen möglich war.
„Was war das?“, fragte eine verängstigte Kim und auch Sandra zeigte starke Angstreaktionen.
„Ich schätze wenn wir das wissen wollen, müssen wir nach draußen gehen und nachsehen“, kommentierte Julian die Situation, schmiss seinen Burger aufs Tablett und stürmte als erstes nach draußen. Nicht aus Neugier, eher weil er der erste sein wollte, der über eine mögliche Gefahr Bescheid wüsste und ihr dadurch schneller entgehen könnte. Was er dort jedoch vorfinden sollte überstieg alles was er sich jemals auch nur im Ansatz hätte vorstellen können.

Alleine die Größe des Wesens dass Julian vor sich sehen sollte war absolut erschreckend. Mindestens 15m hoch musste es sein, vielleicht aber auch 20. So genau konnte Julian das nicht sagen bei dieser Größenordnung. Fakt war jedoch, dass dieses Etwas die Gebäude um sich herum um sein eigenes Kopfmaß einmal vollständig überragte. Es ging ein wenig gebückt, so dass es sogar noch länger wirkte als es hoch war und nutzte seine gewaltigen Arme, die in Sicheln endeten als Stütze. Es wirkte dabei außerdem als würde es lediglich aus seinem eigenen Skelett bestehen, wobei es definitiv kein übergroßer Mensch war und auch sonst nichts was Julian bekannt wäre. Als wäre ein solches Wesen nicht schon erschreckend genug, erledigten der Kopf und das Gesicht den Rest. Dieses erinnerte mit seinen spitzen, riesigen Zähnen und seinem breiten Maul am ehesten an einen Anglerfisch. Ein Fisch den Julian kannte, weil er ihn schrecklich verängstigte, was nicht zuletzt auch daher kam, dass er ohnehin starke Angst vor Fischen hatte, vor derartig heftig aussehenden wie Anglerfischen erst recht. Panik machte sich in ihm breit. Schweiß begann ihm unkontrolliert aus allen Körperporen zu laufen und er wusste nicht mehr was er jetzt genau tun sollte. Kims unkontrollierter lauter Aufschrei und Sandras erschrockener Gesichtsausdruck machten die Sache nicht gerade einfacher für ihn. Ebenso wenig die schreienden Passanten, die eindeutig versuchten vor diesem Monster zu fliehen und an den dreien vorbei fegten ohne sie zu beachten. Was sollte Julian denn jetzt tun? Was war das überhaupt für ein Vieh? Wäre weglaufen jetzt nicht irgendwie angebracht? Könnte er dem Viech dort überhaupt entkommen, ganz besonders zu Fuß? Seine Gedanken waren einfach völlig vernebelt und so sehr er versuchte wegzulaufen, seine Beine wollten sich einfach nicht bewegen. Himmel, er musste doch irgendetwas tun. Er konnte doch nicht einfach warten bis dieses Wesen ihn und die beiden Frauen die ihn begleiteten einfach umbringen würde. Nachdem das Wesen eine Weile selbst nur da gestanden hatte und keine Reaktion gezeigt hatte, begann es sich nun in Bewegung zu setzen, wobei seine Bewegungsart am ehesten mit einem Schimpansen zu vergleichen sein sollte. Entsprechend schnell war es dabei auch, was überraschend schnell sein sollte für seine gewaltige Größe. Dabei interessierte das Wesen nur wenig ob es auch tatsächlich durch den Straßenzug passte, durch den es gerade stürmte. Fahrzeuge wurden einfach zur Seite geschleudert oder gleich überrannt und platt gequetscht und Engstellen bei den Gebäuden einfach ignoriert ungeachtet der Tatsache, dass das Monster dabei ganze Stücke aus ihnen heraus riss, die wiederum auf die Straße krachten und dort weitere Fahrzeuge oder auch die Fahrbahn selbst beschädigten. Und kam es etwa gerade auf Julian, Sandra und Kim zu? Um Gottes Willen, jetzt war nicht die Zeit um irritiert und schockiert in der Gegend herum zu stehen und dem Verderben zu zusehen. Wo stand der gemietete Transporter? Mit dem könnten die drei vielleicht einfach entkommen. Da weder Sandra, noch Kim auf die Gefahr reagierten und nicht genug Zeit war ihnen beiden den Plan zu erklären, packte Julian sie schnell beide am Arm und zog sie hinter sich her, als er versuchte sein Mietfahrzeug zu erreichen. Dummerweise war es wesentlich schwieriger als er es erwartet hatte mit den beiden Frauen zusammen zu rennen, zumal diese ihn leider eher ausbremsten als alles andere. Dennoch zog er sie weiter hinter sich her, während das Monster ihm schnell immer näher kommen sollte. Er würde es nicht bis zum Vehikel schaffen, nicht bevor das Monster ihn und beide Damen überrennen würde. Somit entschied er schnell die Richtung zu ändern. Nach rechts, auf eine kleinere Seitenstraße zu. Unaufhaltsam kam das Wesen näher und Julian merkte wie ganz besonders Kim die Ausdauer ausgehen sollte, aber sie traute sich nicht sich zu beschweren. Sie ließ sich einfach weiter von ihm hinter her ziehen, während hinter ihr lautstarke Zerstörung tobte. Als Julian sich das nächste Mal umdrehte um nach dem Monster zu sehen, stellte er fest, dass es seinen Kopf nach unten bewegt hatte und sein Maul geöffnet hatte, während weitere Passanten verzweifelt versuchten zu entkommen. Und noch schockierter sah er mit an, wie es in einer unglaublich schnellen Bewegung zubeißen sollte und dabei den größten Teil der Passanten in seinem riesigen, mit spitzen Zähnen besetzten Maul verschlag. Lautstarke Schreie gefolgt von matschigen Geräuschen zerquetschter Körper und Krachen von brechenden Knochen durchzogen die Straßen, während Blut die gesamte nähere Umgebung rot färbte. Julian entschied sich seine Schritte noch weiter zu beschleunigen ungeachtet der Tatsache, dass er Sandra und Kim hinter sich her schleppen musste und Kim sicherlich nicht mehr lange rennen konnte. Aber auch bei Sandra zeigten sich erste Erschöpfungserscheinungen. Es jedoch nicht mehr weit bis zur Seitenstraße. Plötzlich stolperte Kim und fiel zu Boden. Lediglich der Tatsache, dass Julian ihren Arm dabei losgelassen hatte, war es zu verdanken, dass sie die anderen beiden nicht mitgerissen hatte. Schnell stoppten diese, während Kim sich wieder aufrichtete und einen Schritt tat um ihnen zu folgen, als plötzlich das Maul des Monsters hinter ihr erschien und dieses versuchte sie zu verspeisen. Zwei der spitzen Zähne bohrten sich direkt durch ihren Kopf und ihre linke Schulter. Blut spritzte in förmlich alle Richtungen, bevor sie völlig im Maul des Wesens verschwand und nicht einmal die Zeit gehabt hatte zu schreien. Knochen krachten, Fleisch matschte und Blut lief dem Maul der Bestie während dieses noch auf Kims Körper rumkaute. Sandra schrie lautstark auf wobei sie ungewollt die Aufmerksamkeit der Bestie auf sich ziehen sollte. Es war jedoch nicht mehr weit bis zur Seitenstraße und obwohl Julian nicht weniger schockiert von dem eben Geschehenen war, entschied er sich Sandra erneut am Arm zu packen und hinter sich her zu ziehen, während er versuchte die Straße zu erreichen. ‚Schneller, Schneller‘, dachte er sich, während er immer näher kommen sollte und die Straße tatsächlich erreichte.

„Puh, das war ganz schön knapp kommentierte er noch“, und sah zu Sandra, die jedoch nur noch aus einer Hälfte bestand. Kurz bevor er mit ihr hatte in der Seitenstraße verschwinden können, hatte die Bestie mit ihrem sichelförmigen Arm zugeschlagen, der offensichtlich genauso scharf gewesen war, wie er optisch gewirkt hatte. Sandra war fein säuberlich in der Mitte zerteilt worden und eine Hälfte von ihr war dort zurück geblieben, während Julian die andere am Arm hinter sich her gezogen hatte ohne das alles bemerkt zu haben. Entsprechend waren einige ihrer Innereien bereits heraus gequollen und hatten sich zusammen mit ihrem Blut über die gesamte Laufstrecke verteilt. Erschrocken stieß er ihre Überreste von sich, während er sich schnell die Hand auf den Mund drückte um nicht ebenfalls laut aufzuschreien und gegen das Bedürfnis sich zu übergeben ankämpfte. Zumindest würde das Monster nicht in diese Straße hinein passen, dessen war Julian sich relativ sicher, auch wenn es versuchte ihn in dem Straßenzug zu erkennen. Auf einmal sollten die beiden vordersten Gebäude der Straße mit einem lautstarken Krachen zerstört und in Stücken in alle möglichen Richtungen geschleudert werden. Trümmer krachten rum um Julian auf den Boden und verfehlten ihn nur knapp, während das Monster ihm nun wieder folgten sollte. Erschrocken wandte Julian sich wieder der Flucht zu und stürmte die Straße entlang, was er ohne beide Damen hinter sich her ziehen zu müssen auch wesentlich schneller konnte. Aber das Wesen sollte nicht einfach aufgeben und durchbrach eine Gebäudereihe nach der anderen, während Julian nun erneut nach rechts in eine noch kleinere Straße abbiegen sollte. Aber auch die sollte das Monster nicht zum Aufgeben bringen, welches sich weiter durch ganze Gebäudezüge hindurch bewegte und diese einfach zerstörte. Schockiert sollte Julian nun auch noch feststellen, dass er in eine Sackgasse hinein gerannt war, als er vor einer hohen, massiven Mauer stand.
„Nein, nein, NEEEEEEEEIIIIIIIIIIN!!!!!!!!!!!“, schrie er auf, während er mehrmals mit der Faust gegen die Wand schlagen sollte ungeachtet der Tatsache, dass er damit eher seine Hand als die Mauer beschädigte. Schockiert drehte Julian sich um und stellte fest, dass das Monster ihm bereits sehr nahe gekommen war und dass es nicht den geringsten Ausweg aus der Situation geben sollte. Verzweifelt sah er nach links und nach rechts ob es nicht doch eine Option gäbe, aber da war nichts. Lediglich massive Mauern und auch keine anderen Optionen die sich ihm erschlossen. Als ihm sein eigenes Versagen und der bevorstehende, sichere Tod bewusst werden sollten, begann Julian in Tränen auszubrechen. Sein Vater hatte immer recht gehabt. Er war ein verdammter, beschissener Vollversager und jetzt würde er wie einer sterben. Und gottverdammt er wollte nicht sterben. Er hatte doch gerade erst eine perfekte Umgebung auf dem Metal-Festival für sich entdeckt, es fühlte sich einfach so unglaublich beschissen an genau jetzt zu sterben. Er hatte doch noch nicht einmal seine erste Freundin gehabt. Langsam begann er nun auch noch vor dem Monster auf die Knie zu fallen, in dessen unglaublich hässliches und fürchterliches Gesicht er noch starrte, bevor es ihn mit einem schnellen Biss verschlingen sollte. Zähne bohrten sich in seinen Körper und für einen kurzen Moment wurden die Schmerzen unerträglich bevor einfach alles schwarz wurde und er, genau wie zuvor Kim und Sandra, einfach sterben sollte.

Laut schreiend wachte Julian aus seinem Schlaf auf und begann schnell seinen Körper nach Verletzungen abzusuchen. Da waren aber keine, lediglich der Verband an seinem rechten Knie, welches ebenfalls kaum noch schmerzte. Offensichtlich war alles wohl nur ein ziemlich gemeiner Traum gewesen. Natürlich war es das. Als ob so etwas tatsächlich passieren könnte, dachte Julian sich als er in unkontrolliertes Gelächter ausbrach. Gefressen von einem riesigen Kaiju-Monster… Was für einen Schwachsinn sich das menschliche Gehirn aber auch manchmal ausdenken konnte und es dann nachts im Traum als Real verkaufte, so wie in seinem Falle. Und manchmal fühlte sich so etwas auch einfach ziemlich echt an, auch wenn es das gar nicht war. Andere klassische Beispiele für solche Träume waren etwa der unendlich tiefe Absturz oder die Variante in der man schon längst tot war und sich als Geist durch die Welt bewegte. Keiner davon war real und dieser hier war es auch nicht, egal wie es sich für Julian gerade anfühlte. Jetzt musste er sich aber unbedingt beeilen. Immerhin wollte er Sandra und Kim abholen und in die Stadt fahren und das am besten bevor er die nächste Band verpassen würde, die sein Interesse geweckt hatte. Und so quälte er sich aus seinem improvisierten Bett auf, öffnete die Seitentür des Transporters und putzte schnell draußen seine Zähne.
„Hey Mann… Ist alles klar bei dir? Ich hab dich eben schreien gehört…“, sprach ihn plötzlich einer der anderen Festivalbesucher, die den Platz neben ihm belegt hatten, an.
„Ähm… Ja… Alles in Ordnung… Hatte wohl nur nen voll fiesen Albtraum“, antwortete Julian noch etwas unsicher.
„Ah… Verstehe… Ich seh grad, du hast da auch ein Fahrrad dabei. Fährst du hier eigentlich auf dem Festival Rad oder wie?“, fragte sein Festival-Nachbar nun weiter.
„Nö… Aber runter in die Stadt zum Supermarkt und so… Da ist das ganz praktisch“, antwortete Julian.
„Ahhhh… Na klar. Das ist tatsächlich ziemlich schlau“, kommentierte der Festival-Nachbar. „Kannst du uns eventuell Bescheid sagen, wenn du so eine Einkaufstour machst? Wir bräuchten da auch noch ein paar Sachen“, sprach er dann weiter.
„Tatsächlich fahre ich jetzt erst nochmal kurz vom Platz weg. Ich hab da zwei Damen versprochen sie mit der Kiste hier in die Stadt zu bringen. Wenn du mir schnell ne Liste geben kannst, kann ich dir von der Tour die Sachen mitbringen. Das einzig wichtige ist, dass ich wieder hier bin, wenn die Warkings spielen. Die wollte ich schon sehen“, antwortete Julian.
„Die Warkings? Ja, die wollte ich auch sehen. Dann lass erst mal mit den Einkäufen und erledige diese Sache die du da vor hattest. Das ist nicht so dringend, dass es nicht noch bis zu deiner nächsten Tour warten könnte“, antwortete der Nachbar Julian.
„Ey Marc… Komm schon… Gleich spielt Immortal. Die wollten wir uns doch zusammen ansehen“, warf nun einer der Gruppe seines Nachbarn ein.
„Yo, ich komme gleich“, antwortete der als Marc angesprochene Typ aus Julians Nachbar-Camp. „Also, ich muss dann wohl auch mal los. Wir sehen uns. Wir sind ja Camp-Nachbarn“, kommentierte er dann noch und machte sich auf den Weg. Julian verstaute nun noch sein Fahrrad und suchte eine Toilette auf, wobei er sich spontan vor dem Toilettenhäuschen entschied lieber ein anderes zu wählen, da er bei dieser ganz speziellen Toilette aus einem ihm nicht bekannten Grund ein ziemlich schlechtes Gefühl hatte. Allerdings war auch diese Toilette ziemlich wiederlich und Julian fragte sich ob die andere nicht doch besser gewesen wäre. Dennoch beendete er was er begonnen hatte und machte sich dann auf den Weg um Kim und Sandra abzuholen.

Tatsächlich sollte die Fahrt recht ereignislos bleiben. Sandra und Kim standen bereit und natürlich hatten weder Kim noch Sandra es sich nehmen lassen seinen Verband am Bein zu kommentierten. Julians größtes Problem war dabei jedoch nicht dass sie sich Sorgen um ihn machten, sondern dass dieses Gespräch dem aus seinem Traum viel zu ähnlich verlaufen war. Was war hier eigentlich los? Seit wann wurden Träume real? Und musste er sich jetzt auch Sorgen machen, dass ihn ein großes Kaiju-Monster fressen würde? Julian entschied sich darüber lieber nicht allzu viel nachzudenken und gab die nötigen Daten in sein Navigations-System ein, welches gleich eine passende Route anzeigte. Aber auch hier missfiel Julian irgendetwas. Er konnte nicht genau sagen was es war, aber er entschied sich lieber die alternative Route zu wählen, welche zwar etwas länger sein sollte, ihn aber auch aus der anderen Richtung in die Stadt führen sollte.
„Julian? Stimmte irgendwas mit der Strecke da nicht oder warum nimmst du lieber die längere?“, warf Sandra ein, die ihn offensichtlich genauer beobachtet hatte als Julian das gerade recht war.
„Naja, ich hab bei der Kürzesten hier nicht so ein gutes Gefühl, irgendwie. Da ist doch bestimmt ne Baustelle auf dem Weg oder sowas“, antwortete er dann etwas unsicher, da er sich diesen Grund offensichtlich schnell aus den Fingern gesaugt hatte um irgendwie sein absolut unfundiertes, schlechtes Gefühl erklären zu können.
„Spielt ja auch eigentlich nicht wirklich ne Rolle, welche Strecke wir nehmen. Hauptsache wir kommen am Ende auch dort an“, kommentierte nun Kim und Sandra schien zumindest zustimmend zu nicken, da auch sie sich der Logik beider Antworten nicht entziehen konnte. Danach startete Julian den Motor und setzte das Fahrzeug in Bewegung. Bis auf die unglaubliche Landschaft auf dieser Strecke sollte die Fahrt jedoch recht ereignislos bleiben, so dass die drei die Stadt sehr bald erreichen sollten. Ab jetzt waren es nur noch wenige Minuten Fahrt bis er Sandra und Kim an deren Zielort abliefern konnte und er lag ziemlich gut in der Zeit, trotz des Umwegs den er wegen seines schlechten Gefühls genommen hatte. Wenn alles weiter so gut verlief, dann käme er nicht nur eine halbe Stunde vor dem Auftritt der nächsten Band die ihn interessierte an, er könnte sich vielleicht auch noch in der Stadt etwas zu Essen holen gehen. Beim Gedanken an Essen konnte Julian leider nicht vermeiden, dass sein Magen sich ungewollt lautstark meldete, sehr zu seinem eigenen Missfallen. Noch ungewollter musste er wahrscheinlich gerade auch noch rot angelaufen sein, was die ohnehin schon peinliche Situation noch peinlicher für ihn machte. Sandra und Kim kicherten jedoch lediglich kurz.
„Ich glaube du brauchst dringend mal was zu futtern, so wie ich das sehe“, kommentierte erstere.
„Wir sind ja eh etwas zu früh dran. Wir sollten noch zum BK fahren oder so“, fügte letztere noch an.
„Passt schon… Ich komme klar“, antwortete Julian immer noch schrecklich peinlich berührt, als tatsächlich ein Burger King-Filiale in seinem Sichtfeld erschien und diese auch den anderen beiden direkt auffiel.
„Na das nenn ich ja mal wirklich gutes Timing“, kommentierte Sandra die Situation.
„Ich eher Schicksal, aber ja. Wir sollten wirklich dort anhalten, wenn wir denn schon mal da sind“, fügte Kim hinzu und Julian seufzte einmal kurz, da ihm klar wurde dass es keinen Sinn hatte zu wiedersprechen. Und so steuerte er das Fahrzeug auf den Parkplatz und die drei gingen hinein, wo sie recht schnell ihre Bestellung aufgeben konnten und diese auch erhielten, da um diese Uhrzeit ohnehin gerade wohl recht wenig Betrieb war. Julian wollte sich das Essen zwar mitnehmen, aber auch hier bestanden die beiden Damen darauf es in der Filiale zu essen, so dass er sich auch hier mit recht wenig Aufwand überreden ließ und sich mit seinem Tablett gerade zu den beiden setzen wollte als es draußen lautstark krachte. Das konnte doch nicht wahr sein. Das war ja alles wie in seinem Traum. Erschrocken lies Julian sein Tablett mitsamt Essen auf den Tisch fallen und stürmte nach draußen um sich davon zu überzeugen, was hier gerade vor sich gehen sollte und auch Kim und Sandra ließen nicht lange auf sich warten und folgten ihm recht schnell.

Julian konnte kaum glauben was er da zu sehen bekam. Mal ganz zu schweigen davon dass dort vor ihm ein Gebäude hohes Monster stand: Das war doch das selbe Monster wie das aus seinem Traum heute Nacht. Wie war das alles überhaupt möglich? Und was hatte das zu bedeuten? Julian begann lediglich innerlich noch panischer zu werden als er langsam begann zu verstehen, dass es sich nicht nur um einen Traum gehandelt haben musste. Aber um was dann? Schnell nahm er einen Blick nach rechts und einen nach links, wo er Sandras und Kims fast noch schockiertere Gesichter sehen konnte, die ihm verraten sollten, dass er sich das gerade nicht nur eingebildet hatte. Ebenso taten dies die panisch von dem Monster weg rennenden und dabei laut schreienden Passanten. Schnell hatte Julian jedoch auch erkannt, dass es keinen Sinn hatte vor dem Wesen in Ehrfurcht zu erstarren. Er, Sandra und Kim mussten schnell von hier weg, bevor das Monster sich vielleicht entscheiden würde in ihre Richtung zu stürmen.
„Los… Zum Transporter… Schnell…“, sprach er die beiden lediglich an und es war Sandra, die als erste darauf reagierte und nun Kim am Arm packte um sie hinter sich her zu ziehen. Anders als in seinem Traum sollten sie das Fahrzeug dieses Mal erreichen und alle drei sprangen förmlich hinein. Da Julian der erste war, sollte er bereits den Motor gestartet haben, als Sandra und Kim ebenfalls einstiegen.
„Los! Los! Los!“, rief Sandra aus, als Julian den ersten Gang einlegte und mit Vollgas und laut quietschenden und sogar qualmenden Reifen das Burger King-Gelände verließ. Dabei störte es ihn unglaublich wenig, dass er ein anderes geparktes Fahrzeug an dessen Front mit der seitlichen Front seines Fahrzeugs berührte und nicht zu unterschätzende Schäden an beiden hinterließ. Viel schneller als Julian eigentlich das Gefühl hatte ein Fahrzeug noch kontrolliert steuern zu können bog er nun mit der beschädigten Front seines Transporters auf die Straße und beschleunigte so schnell es ihm möglich war. Momentan sollten die drei recht gut voran kommen, da sich sonst keine Fahrzeuge auf dem Weg zu befinden schienen und mit etwas Glück könnten sie die Stadt bald verlassen und sich in Sicherheit bringen.
„Was zum Teufel ist das für ein Mistvieh?“, traute sich nun Kim zu fragen, nachdem sie offensichtlich die ganze Zeit zu verängstigt gewesen war um irgendetwas zu sagen oder zu tun.
„Ich hab keine Ahnung!“, rief Sandra aus, während Julian sich lieber auf das Steuern des Fahrzeugs konzentrierte. Immerhin raste er gerade mit weit über 80KM/H über eine Stadt-Hauptstraße. Das wäre auch ohne ein riesiges Kaiju-Monster im Hintergrund lebensgefährlich. Plötzlich rammte er in einer unglaublich schnellen Reaktion den Fuß auf das Bremspedal. Erneut quietschten die Reifen und sowohl Sandra als auch Kim schrien laut in Panik auf, bevor das Vehikel tatsächlich nur wenige Zentimeter vor dem Endes eines Staus zum Stehen kommen sollte.
„FUCK! FUCK!!! FUUUUUUCK!!!!!!!“, fluchte Julian und schlug mit beiden Fäusten auf das Lenkrad.
„Was machen wir jetzt?“, meldete sich Kim erneut völlig in Panik zu Wort, als plötzlich laut krachen sollte und ein Stoß das Fahrzeug durchzog, der sie alle drei durchschütteln sollte. Ganz eindeutig hatte jemand anderes nicht solche guten Reaktionen wie Julian gezeigt und war hinten in den Transporter der drei gekracht.
„Shit!“, konnte sich nun Sandra einen Fluch nicht verkneifen, während Julian versuchte zu erkennen, was den Stau denn eigentlich verursacht hatte. Aber es war zwecklos, dazu war die Schlange aus Autos einfach zu lang ausgefallen. Auf einmal krachte es erneut, aber in anderer Form, bevor Gebäudetrümmer von oben herab regneten und auf Autos rund um die drei krachten. Julian hatte keinen Zweifel daran, dass das Monster dafür verantwortlich sein sollte.
„Gottverdammt… Scheiß drauf!“, rief er aus, bevor er den ersten Gang einlegte und noch einmal Vollgas geben sollte. Dabei versuchte er mit der größeren Größe und höheren Masse seines Transporters einfach durch die Auto-Schlange vor sich zu brechen, scheiterte aber bereits an den ersten beiden Fahrzeugen vor sich. Erneut krachte es, bevor lediglich dumpfe, tiefe Geräusche die Umgebung beschallen sollten. Wahrscheinlich hinterließen Monster wie dieses solche Töne, wenn sie einfach nur Schritte ausführten. Julian sollte außerdem bemerken, wie immer mehr Leute ihre Fahrzeuge verließen und zu Fuß weiter in die entsprechende Richtung rennen sollten. Allerdings erst ein kurzer Blick in die Rückspiegel seines eigenen sollte ihm den Grund dafür verraten, denn das Monster sollte mit erschreckend hohem Tempo genau auf diesen Stau und damit auch auf die drei zukommen. Andere Vehikel wurden dabei einfach zerquetscht oder zur Seite weg geschleudert, während das Wesen sich unaufhaltsam nährte und sie sicherlich schneller erreichen würde als ihnen allen lieb sein sollte. Mittlerweile waren nur noch vier andere Fahrzeuge zwischen dem Transporter und dem Monster.
„Raus hier!“, rief Julian schnell aus, bevor er als erster die Tür öffnete und heraus sprang. Kim, welche auf der rechten Seite der Beifahrer-Sitzbank saß, versuchte zwar die Tür ebenfalls zu öffnen, aber sie war durch ein anderes Fahrzeug, dass sich daneben platziert hatte, blockiert.
„Scheiße!“, fluchte sie, während das Monster lediglich noch zwei weitere Vehikel von diesem entfernt sein sollte.
„Los! Nehmt die andere Tür! Kommt schon!“, rief Julian noch und beide Frauen reagierten darauf. Leider war es gar nicht so einfach sich zwischen Schalt- und Handbremshebel hindurch zu manövrieren um auf die Fahrerseite zu gelangen.
„Hilfe Julian!“, schrie Sandra noch und streckte ihren Arm aus. Julian versuchte ihre Hand noch zu greifen, als plötzlich einer der Sensenarme des Monsters von oben auf das Fahrzeug krachte und es vollständig zertrümmerte. Julian stürzte dabei vor Schreck nach hinten, wo er mit dem Rücken auf die Straße fallen sollte.

Die Schmerzen des Sturzes waren zwar nicht zu verachten, aber Julian hatte keine Zeit sich darüber Gedanken zu machen. Das Monster stand direkt vor ihm, nachdem es den Transporter völlig zerstört hatte… mit Sandra und Kim darin. Das noch aus der Türöffnung in Massen laufende Blut verriet Julian, dass keine der beiden das überlebt hatte. Sie waren einfach von dem Monster überrannt worden und Julian hatte es nicht verhindern können. Plötzlich wandte sich das Wesen in seine Richtung. Schlimmer noch. Es schien explizit ihn von oben herunter anzusehen. Was wollte dieses Viech ausgerechnet von ihm? Sollte er nicht zu klein und zu unbedeutend sein um von einem solchen Koloss überhaupt wahrgenommen zu werden? Erstaunlich langsam bewegte das Monster seinen Kopf nach unten und begann an ihm zu riechen. Sein Atem stank dabei genauso grässlich wie sein Gesicht aussehen sollte und die Tatsache dass Blut unten aus seinem Maul tropfte deutete sehr stark darauf hin, dass die Bestie sich bereits mehrere Passanten einverleibt hatte. Nun wäre Julian offensichtlich der nächste. Er hatte also versagt. Schon wieder, nachdem er diesem Etwas dort schon einmal begegnet war, versagte er nun ein zweites Mal. In Panik begann Julian auf dem Rücken zurück zu krabbeln so lange bis er mit dem Kopf gegen eines der Autos um die beiden herum stieß. Das war es also. Das Ende. Er würde sterben. Plötzlich fegte jedoch eine Staffel Militär-Jets über den Straßenzug, welche auch die Aufmerksamkeit des Monsters auf sich ziehen sollten. Lautstark schreiend folgte es den Flugzeugen mit dem Kopf, die Julian auf Grund ihrer Form als Tornados wieder erkennen sollte. Plötzlich krachte etwas in den Rücken der Bestie und hinterließ dort eine nicht zu unterschätzende Explosion. Das Wesen schrie einmal kurz laut auf und drehte sich um, bevor sich zwei weitere Explosionen direkt am Bauch ereigneten. Anscheinend setzte das Militär gerade Panzer ein, welche es auch waren, die diese Explosionen verursachten. Weitere Projektile schienen in die Stadt zu krachen wo sie ebenfalls explodierten und Trümmerstücke von Gebäuden durch die gesamte Umgebung schleuderten. Während alle dem führten die Tornados ein Wendemanöver durch und nahmen das Monster mit ihren Bordkanonen unter Feuer. Julian konnte doch direkt sehen, dass diese Waffen trotz der lauten Schreie der Bestie, nicht den geringsten Schaden anrichten sollten. Plötzlich nutzte das Wesen seine gewaltigen Arme und schleuderte mit diesen gleich mehrere Autos auf einmal in die Richtung der Militärjets, welche zu schnell waren um von diesen noch getroffen zu werden. Weitere Einschläge von Panzer-Waffen sollten an dem Monster folgen, welches zwar erneut laut aufschrie aber keinen Schaden nehmen sollte. Nun wendeten sie Jets erneut und feuerten mit Raketen auf die Bestie, als sie über das Wesen hinweg fegten. Es sollten jedoch lediglich zwei davon ihr Ziel treffen. Der Rest krachte unkontrolliert in die Umgebung, wo die Explosionen der Militärwaffen weiteres Chaos in der Stadt verursachten. Gebäude wurden getroffen und Trümmerstücke wurden aus diesen heraus gerissen und in die nähere Umgebung geschleudert. Julian wurde von einem davon knapper verfehlt als es ihm lieb war. Wusste das Militär etwa nicht, dass er und andere Zivilisten noch hier waren? Oder war es ihnen schlicht und einfach egal? Was auch immer die Antwort auf die Frage sein sollte, Julians Ziel hatte sich nicht geändert. Er musste immer noch so schnell es ihm möglich war von hier verschwinden. Und so sollte er sich wieder aufrichten und so schnell er konnte in dieselbe Richtung weiter rennen in die er ursprünglich ohnehin unterwegs gewesen war. Weitere Explosionen von Waffeneinschlägen sollten sich dabei um ihn herum ereignen, während das Monster einmal laut aufschrie und dann mit den Sichelarmen scheinbar unkontrolliert um sich schlug, als die Jets es zu umkreisen begannen. Dabei sollte das Wesen tatsächlich eines der Flugzeuge treffen und mittig zerteilen. Eine weitere Explosion durchzog die Straße und zog sich wie ein Flammenmeer durch den Straßenzug in den die Flugzeugteile gekracht waren. Julian rannte weiter und versuchte dabei Blicke nach den Seiten zu vermeiden. Zu viele Tote, von denen er schon gar nicht mehr unterscheiden konnte ob das Monster oder das Militär sie verursacht hatten. Zu viel Blut, zu viele Stücke von menschlichen Körpern, die Julian nicht mehr richtig zuordnen konnte. Die gesamte Situation war zu viel für ihn. Selbst wenn er überleben würde, wie sollte er weiter leben nachdem er so etwas gesehen hatte? Mehr aus dem Augenwinkel bekam Julian noch mit wie Panzer dem Monster von hinten nun näher kommen sollten und dieses keine Sekunde zögerte die Militärvehikel direkt und alle fünf auf einmal mit einem gezielten Sichelschlag zu zerteilen, bevor es sich erneut eines der umkreisenden Flugzeuge packte und dieses gewaltsam in den Boden rammte, wo es eine weitere Explosion hinterließ. Plötzlich wandte es sich in Julians Richtung und sprang ab um dann schnell abzuspringen und einige Meter vor Julian wieder zu landen. Der Boden riss auf als der riesige Koloss aufkam und Fahrzeuge wurden in Julians Richtung geschleudert. Fast so als hätte die Landung des Monsters eine Schockwelle verursacht. Julian hatte lediglich Glück, dass ihn die Schockwelle ebenfalls ein Stück zurück geschleudert hatte, wo er sehr zwar unsanft mit dem Rücken auf den Boden fallen, aber auch von allen Fahrzeugen und Asphalttrümmern verfehlt werden sollte. Schnell hatte er sich wieder aufgerichtet und stürmte nun nach links, kurz bevor zunächst weitere Raketen von den Jets in das Monster krachten, dicht gefolgt von mehreren gewaltigen Einschlägen die direkt von oben kommen sollten. Scheinbar hatte ein schwerer Bomber seine gesamte Ladung auf das Monster und das nähere Gebiet um es herum fallen gelassen und damit ein gewaltiges Flächenbombardement durchgeführt. Julian selbst wurde von den Einschlägen unkontrolliert weggeschleudert und krachte mit dem Rücken gegen etwas extrem hartes, wahrscheinlich eine Mauer, aber das konnte er nicht mehr wahr nehmen, da ihm schwarz vor Augen wurde.

Das schlagartige Erwachen von Julian fühlte sich wie ein gewaltiger Schock an, bei dem er unweigerlich einen tieferen Atemzug nehmen sollte, als er es normalerweise getan hätte. Er fand sich auf dem Bauch liegend, mit dem Gesicht nach unten wieder. Sein gesamter Körper tat weh und das Atmen sollte ihm schwer fallen. Ein starker Husten folgte. Wahrscheinlich von der gewaltigen Staubbelastung in der Luft, von dem er gerade bei seinem Erwachen einen tiefen Zug genommen hatte. Aber das war nicht der einzige Grund weshalb das Atmen ihm schwer fallen sollte. Er befand sich mit dem gesamten Unterkörper und auch dem unteren Teil seines Oberkörpers unter einem gewaltigen, extrem schweren Stück Mauer. Seine Ohren piepsten außerdem sehr stark und seine Sicht begann sich nur sehr langsam zu stabilisieren. Ein Versuch sich zu bewegen sollte sich als völlig sinnlos heraus stellen und ihm starke Schmerzen verursachen. Wahrscheinlich waren die meisten Knochen in seinem Körper von dem Mauerstück völlig zertrümmert worden. Es war ein einziges Wunder, dass er überhaupt noch lebte. Verzweifelt versuchte Julian weiter sich zu befreien, aber es war einfach zwecklos. Und so entschied er sich den Kopf zu heben und nach vorne zu sehen. Was er dort jedoch vorfinden sollte erschreckte ihn so sehr, dass er lediglich aufschreien konnte. Nicht nur, dass alles was er von der Stadt noch erkennen konnte völlig in Trümmern lag, das Monster dem er versucht hatte zu entkommen, hatte den Angriff des Militärs vollständig überstanden und schlimmer noch, zwei weitere dieser riesigen Bestien, die sich jedoch von der ersten und voneinander unterschieden, waren in seinem Blickfeld erkennbar. Damit aber noch nicht genug. Durch den gesamten Straßenzug humpelten eine nicht mehr zählbare Anzahl jener humanoiden Monster mit Tentakeln auf dem Rücken, denen Julian als erstes in seinen Träumen begegnet war. Offensichtlich handelte es sich gar nicht um einen Traum, sondern um die Realität. Julian konnte sich einen weiteren Schrei nicht verkneifen als ihm diese Tatsache schlagartig bewusst wurde. Er musste dringend von hier weg, irgendwie, und so begann er verzweifelt mit seinen beiden Armen nach Halt am Boden zu suchen um sich vielleicht auf diese Weise fortbewegen zu können. Aber auch dieser Versuch war zwecklos.
„HILFE!!! HIIIIIILFEEEEEE!!!!!!!!“, begann er mehrmals zu schreien so laut es ihm möglich war, aber er bemerkte selbst, dass er nicht besonders laut war. Ferner war es absolut unwahrscheinlich dass auch nur noch ein einziger anderer Mensch in dieser Umgebung am Leben war und selbst wenn, würde ihm niemand zu Hilfe kommen. Nicht während diese Monster durch die Straßen humpelten. Plötzlich wandte sich eines davon ihm zu. Wahrscheinlich hatte es seine Schreie und seine verzweifelten Befreiungsversuche bemerkt. Dann ein weiteres. Dann immer mehr von ihnen.
„Nein… Bitte… Nein…“, kommentierte Julian noch leise bevor eine nicht mehr zählbare Masse aus diesen Monstern, mindestens jedoch zehn oder sogar zwanzig Stück, unerwartet schnell auf ihn zustürmen sollten.
„NEEEEEIIIIIIIIIIN!!!!!!!!!“, schrie Julian schmerzerfüllt auf als das erste seine Zähne in seinen rechten Arm rammte und ein Stück Fleisch aus seinem Oberarm riss und es unter genüsslichen, aber für Julian unerträglich wiederlichen Kau- und Schmatzgeräuschen verspeiste. Es folgte ein zweiter Biss eines anderen Monsters direkt in seine Brust und ein dritter in seinen linken Oberarm.
„NEEEEIIIIIN! BITTE NICHT!!!! BITTEEEEEEEEE!!!!!!!!“, schrie Julian weiter unter den schrecklichsten Schmerzen die er sich vorstellen konnte, während immer mehr Monster damit begannen Stücke aus ihm heraus zu reißen und sie aufzufressen. Erst als eines davon in seinen Kopf biss und diesen entfernte sollten seine Höllenqualen endlich ein Ende finden und Julian seinen Tod.

Laut schreiend wachte Julian aus seinem Schlaf auf und stoppe seine Schreie kaum wieder. Diese Schmerzen von seinem letzten Tod… Er konnte sie immer noch spüren. Jeden einzelnen Biss, jede einzelne Verletzung die ihm diese Monster zugefügt hatten. Nichts davon war mehr da, aber Julian fühlte es immer noch. Plötzlich musste er jedoch zwangsweise seine Schreie stoppen, da ihm bereits unaufhaltsam der Mageninhalt hoch kommen sollte. In einer ungewöhnlich besonnenen Reaktion öffnete Julian die Seitentür seines Fahrzeugs und übergab sich einfach zur Seite hinaus in die Wiese auf der er geparkt hatte. Gerade als er dachte, dass es geendet hätte, sollte der nächste Schwall aus seinem Magen kommen. Das einzig Positive an der gesamten Situation sollte jedoch sein, dass er aufgehört hatte die Schmerzen zu fühlen. Als sich sein Magen dann auch noch völlig von selbst erholte und er kurz einige schnelle, tiefe Atemzüge hatte nehmen müssen, konnte Julian sogar behaupten, dass es ihm eine gute Ecke besser ging. Es folgten jedoch die grauenhaften Bilder, die das Monster und der Kampf des Militärs mit diesem hinterlassen hatten. Julian verspürte daraufhin erneut das Bedürfnis sich übergeben zu wollen, aber er konnte sich auf unerklärliche Weise noch selbst davon abhalten. Das alles war real gewesen! ALLES! Jeder einzelne Moment war real gewesen. Jeder eigene Tod, jeder Tod von Sandra oder Kim und jeder Tod eines unbeteiligten Passanten. Alles war real und nichts davon ein Traum! Und aus irgendeinem Grund wachte ausgerechnet er immer wieder an genau diesem Punkt auf und erlebte das selbe Geschehen wieder und wieder. Wieso geschah so etwas absurdes überhaupt? Und was war das ganze überhaupt genau? Eine Zeitschleife die durch ein physikalisches Phenomen oder unbekannte Technologie verursacht wurde? Oder eine spezielle Fähigkeit, die er gerade am Entwickeln war und noch nicht vernünftig einsetzen und kontrollieren konnte? Und wieso von allen Leuten auf dem Festival auch noch er? Wer war er denn schon um eine solche Fähigkeit verdient zu haben, egal ob es sich jetzt um einen Segen oder einen Fluch handelte? Julian entschied sich jedoch schnell diese Gedanken kurz zu verwerfen. Irgendwie musste er versuchen der Situation aus dem Weg zu gehen. Und er brauchte schnell eine Idee, denn er hatte Sandra und Kim ja versprochen sie mit in die Stadt zu nehmen, wo sie dann alle drei sterben würden. Und genau an dieser Stelle würde er ansetzen. Er würde dafür sorgen, dass weder er, noch Sandra, noch Kim dort in der Stadt wären. Und wenn keiner von ihnen dort wäre, dann könnten sie dort auch nicht sterben. Und so nahm er schnell sein Smartphone in die Hand und öffnete Whatsapp um dort eine Nachricht einzutippen, die er an beide Frauen verschicken würde.
„Hey Sandra, Hey Kim,
Ich bin leider heute vollkommen im Arsch und werde es wahrscheinlich nicht zu euch schaffen. Ich war gestern noch in 3 Moshpits und hab mir in einem davon das rechte Knie etwas verletzt. Und fertig von der Action bin ich leider auch mehr als ich zugeben möchte. Vielleicht treffen wir uns dann stattdessen morgen um 9:00. Da hätte ich auch nochmal ein Fenster von 3 oder 4 Stunden, wo nichts gescheites spielt.
Grüße, Julian“, sollte die Nachricht lauten. Es dauerte nicht lang als die erste Antwort kam.
„Oh, verstehe. Erhol dich gut. Passt schon. Wir kommen die nächsten Tage auch ohne dich klar. Ich gucke jetzt gleich mal nach Busverbindungen in die Stadt. Danke für´s Bescheid geben, trotzdem, Kim“, lautete diese.
„Schade, dass wir die Stadt nicht zusammen erkunden konnten. Aber es wäre auch wirklich nicht sehr cool von uns dich mit einem verletzten Knie in der Gegend rum fahren zu lassen. Bleib auf dem Festival und versuche die Zeit so gut zu genießen wie du unter den Umständen noch kannst. Viel Spaß, Sandra“, sollte sehr bald die nächste Nachricht folgen. Nun zumindest war er selbst außer Gefahr und wenn die beiden dort bleiben sollten wo sie waren, würde ihnen sicherlich ebenfalls nichts geschehen. Allerdings deutete ja gerade Kims Nachricht auf etwas ganz anderes hin und Julian konnte nicht vermeiden, dass er sich unglaubliche Sorgen um die beiden machte. Aber er konnte es nun auch nicht mehr wirklich verhindern, außer vielleicht er würde die Wahrheit sagen… Allerdings… Würden sie das auch glauben? Die Geschichte dass er in einem Time Loop feststeckte und Horror- und Kaiju-Monster erscheinen würden und sie alle drei sterben, klang selbst für ihn schrecklich absurd, wenn er sich das im Kopf ausmalte. Nein, so war es am besten. Es würde schon kein Bus rechtzeitig in diese Stadt fahren um die beiden in den sicheren Tod zu schicken.
„Hey Mann… Ist alles klar bei dir? Ich hab dich eben schreien gehört… und du hast hier offensichtlich alles voll gekotzt“, sprach ihn plötzlich einer der anderen Festivalbesucher, die den Platz neben ihm belegt hatten, etwas angewiedert an und Julian erkannte ihn aus seiner Zeitschleife wieder, wo er ebenfalls schon nach seinem Wohlbefinden gefragt hatte. Julian erinnerte sich auch an seinen Namen. Marc.
„Ähm… Ja… Alles in Ordnung… Hab wohl gestern nur zu viel gesoffen oder so“, log Julian noch etwas unsicher ob man ihm das glauben würde, da er ja eigentlich gar keinen Alkohol konsumierte.
„Ah… Verstehe… Gute Besserung wünsche ich dann mal…“, antwortete Marc ihm daraufhin. „Sag mal… Ich hätte da mal ne Frage. Fährst du hier eigentlich auf´m Festival Fahrrad oder wie?“, fragte er dann noch anschließend und Julian erinnerte sich diese Frage schon mal gehört und beantwortet zu haben.
„Nö… Aber runter in die Stadt zum Supermarkt und so“, antwortete Julian ihm dieses Mal wesentlich gelassener als vorher.
„Ahhhh… Na klar. Das ist tatsächlich ziemlich schlau“, kommentierte der Festival-Nachbar. „Kannst du uns eventuell Bescheid sagen, wenn du so eine Einkaufstour machst? Wir bräuchten da auch noch ein paar Sachen“, sprach er dann weiter.
„Ich fürchte da mein Knie im Sodom-Moshpit was abbekommen hat, könnte die noch eine Weile auf sich warten lassen“, antwortete Julian.
„Schade, aber sag Bescheid, wenn du doch noch fährst“, antwortete Marc offensichtlich etwas enttäuscht.
„Ey Marc… Komm schon… Gleich spielt Immortal. Die wollten wir uns doch zusammen ansehen“, warf nun einer der Gruppe seines Nachbarn ein.
„Yo, ich komme gleich“, antwortete Marc. „Also, ich muss dann wohl auch mal los. Wir sehen uns. Wir sind ja Camp-Nachbarn“, kommentierte er dann noch bevor er gehen wollte.
„Warte!“, rief Julian ihm nach. „Ihr geht zu Immortal? Ich komme auch mit“, sagte er dann schnell und sprang aus seinem Bett auf.
„Cool Mann. Klar, komm doch mit“, antwortete Marc ihm gelassen und die beiden gingen in Richtung der Bühnen, wo sie dann auch auf die anderen aus Marcs Gruppe treffen sollten.
„Ach ja. Ich bin übrigens Marc“, stelle dieser sich vor und reichte Julian die Hand.
„Julian“, antwortete er gelassen und beide schüttelten kurz die Hand.
„Yo, Servus… Ich bin Pete“, stellte sich einer der anderen drei aus Marcs Gruppe vor.
„Servus, Mann. Ich bin Nils“, fügte der nächste hinzu.
„Und ich bin Alex“, stellte der letzte sich vor und nacheinander reichte Julian jedem die Hand zur Vorstellung, bevor sie sich auf den Weg zu den Bühnen machten

Wie Julian es erwartet hatte stellte sich Immortal überhaupt nicht als seinem Geschmack entsprechend heraus und live sollte er die Band auch nicht besser finden als auf der Aufnahme. Der Black Metal-Hype aus den 2000ern in der Szene war ohnehin schon immer an ihm vorbei gegangen, was auch zu vielen Problemen mit anderen Menschen geführt hatte, die eigentlich zumindest auch Metal mochten, so wie er. Das gute an der Situation war jedoch, dass die Anderen nicht unbedingt zufriedener mit der Band gewesen waren wie er, zumindest deutete deren unzufriedener Gesichtsausdruck darauf hin.
„Also… Sind wir mal ehrlich… Das war doch irgendwie ziemlich kacke“, kommentierte Pete.
„Ja, also ich hatte mir da echt mehr erwartet“, fügte Nils hinzu.
„Wie fandest du´s denn, Julian?“, fragte nun Marc und überraschte Julian so sehr damit, dass jemand überhaupt nach seiner Meinung von irgendetwas fragte, dass er einen kurzen Moment brauchte um sich die Antwort zu überlegen.
„Naja… Bei guten Bands will man doch eigentlich automatisch moshen gehen. Und das hat hier echt ziemlich gefehlt… Ich meine… Es war ja auch echt niemand moshen…“, antwortete er dann vorsichtig.
„Ganz genau, Mann… Da kam irgendwie überhaupt kein Feel rüber. Vollkommen unnötiger Auftritt, eigentlich“, stimmte Pete zu.
„Also so schlecht fand ich´s jetzt auch wieder nicht“, meldete sich Alex zu Wort.
„Ja, Alex, du bist ja auch so´n Black Metal-Junkie. War ja klar, dass dir das wieder gefallen hat“, antwortete Marc ihm und die Gruppe lachte einmal kurz darüber.
„Was machen wir jetzt eigentlich?“, warf Nils ein.
„Zurück ins Camp?“ schlug Alex vor.
„Naaaa… In 30 Minuten spielen Vader. Vielleicht sind die ja besser“, antwortete Pete.
„Zumindest ist es eher Thrash/Death. Da hab ich jetzt echt bock drauf“, kommentierte Nils.
„Ich geh lieber ins Camp zurück. Mich jucken Vader und die Warkings nicht so“, sagte Alex.
„Also ich geh mit zu Vader glaub ich. Danach kommen ja dann auch die Warkings und die will ich echt unbedingt sehen“, antwortete Marc. „Und du Julian?“ fragte er dann und irritierte Julian kurz erneut. Vader war zwar ebenfalls nicht seine Lieblingsband, aber je nachdem welche Songs sie spielen würden, hatten sie zumindest Potential.
„Ich denke dass ich noch mit zu Vader komme und die Warkings wollte ich ja auch sehen. Das wird bestimmt klasse“, antwortete er dann ungewöhnlich sicher bei seiner Entscheidung. „Wir sollten allerdings dringend irgendwo mal noch was zu Trinken auftreiben. Ich bin schon wieder ganz ausgetrocknet“, fügte er dann unsicher hinzu.
„Das stimmt… Also doch erst nochmal zurück ins Camp“, antwortete Marc.
„Ich hab auch ziemlich Kohldampf. Lasst uns stattdessen lieber da diesen einen Laden ausprobieren, wo sie dieses Ochsen-Fleisch verkaufen“, kommentierte Pete.
„Au ja. Ich könnte den Ochsen jetzt wahrscheinlich komplett alleine verdrücken“, fügte Nils hinzu.
„Den Ochsen?“, warf Julian verwirrt ein.
„Wirst du schon sehen, wenn wir dort sind… Los, komm schon…“, antwortete Marc und die Gruppe setzte sich in Bewegung. Tatsächlich gab es auf dem Festivalgelände diesen einen Stand der damit warb dass sein Rindfleisch von besonders hoher Qualität wäre, mit Bildern der Rinder oder sogar des speziellen Rindes. Da es auf dem Bild nicht nur gewaltig wirkte, sondern auch noch zwei gewaltige Hörner hatte, erklärte sich die Bezeichnung „Ochse“ plötzlich von selbst. Es bestand tatsächlich eine entsprechende optische Ähnlichkeit. Die Warteschlange war zwar lange gewesen, wurde aber unglaublich schnell abgehandelt. Innerhalb von 10 Minuten hatten alle in der Gruppe ihre Portion erhalten, die recht mikrig auf Julian wirkte. Allerdings nachdem er sie aufgegessen hatte, stellte er fest, dass dies wohl ein Trugschluss oder eine optische Täuschung gewesen war, denn er fühlte sich gut gefüllt. Und das Fleisch hatte tatsächlich die Qualität die es laut Werbung haben sollte. Julian würde sogar so weit gehen zu behaupten, dass er noch nie so gutes Rindfleisch gegessen hatte. Und insgesamt hatte er nun nach allem dem, was er gerade erst erlebt hatte dringend eine positive Erfahrung in irgendeiner Art nötig. Dennoch kam er nicht umhin sich große Sorgen um Sandra und Kim zu machen. Er hoffte nur dass sie nicht in die Stadt gefahren waren und somit auch nicht mitten im Zentrum des Monster-Angriffs gelandet waren.

Anders als Julian sich das vorgestellt hatte, sollten Vader sich ebenfalls als eine der schlechteren Bands des Festivals heraus stellen. Ob das einfach daran lag, dass sie nicht die Songs gespielt hatten, die Julian von ihnen mochte, oder daran, dass die Band live einfach nicht gut war, das konnte er so genau nicht sagen. Fakt war jedoch, dass diese Band ihn nicht abgeholt hatte. Aber nun war es an der  Zeit für eine der Bands auf die Julian schon eine ganze Weile gewartet hatte und sogar drei Zeitschleifen durchlebt hatte und drei qualvolle Tode gestorben war um sie zu sehen, die Warkings. Und tatsächlich: Als die Band ihren wahrscheinlich bekanntesten Song „Gladiator“ als erstes spielte, hatte sie Julian schon direkt abgeholt. Erneut sollte er sich mitten im Moshpit wieder finden, wo er neben den klassischen unkontrollierten Kollisionen auch noch laut den Text mitbrüllen sollte und sich auch noch an den Circle Pits und am Ende sogar an einer Wall of Death beteiligen sollte. Während erstes noch lediglich im Kreis rennen war und damit nicht unbedingt gefährlich, war gerade letzteres für Julian immer ein Stück zu heftig gewesen. Und auch dieses Mal konnte Julian nicht verhindern, dass er bei den Kräften, die mitten im Zentrum einer Wall of Death wirkten, nach hinten umgerissen wurde und auf seinem Hintern landete. Zum Glück dieses Mal völlig ohne Verletzungen, was auch dem vergleichsweise weichen Boden zu verdanken gewesen war. Schnell hatte die Menge ihm hoch geholfen und er war wieder voll im Geschehen, so lange bis die Band ihren Auftritt beendet hatte. Plötzlich schrie eine Frau lautstark panisch auf. Ein Mann folgte und dann viele weitere Personen, während sich eine gewaltige Menschenmasse bilden sollte die in Richtung des Ausgangs drängte. Was geschah hier gerade? Auch wenn Julian keine genaue Ahnung hatte, was vor sich ging, er hatte eine grauenhafte Vermutung, die sich bestätigen sollte als er gerade den Bühnenbereich verlassen wollte und dort mit ansah wie mehrere Tentakel durch einen gerade seitlich vorbei rennenden Festivalbesucher schlugen. Blut spritzte in sämtliche Richtungen, aber besonders nach vorne, bevor der Festivalbesucher zurück gerissen wurde und dann eines der humanoiden, kleineren Monster in Julians Sichtlinie trat, wo es den gerade eingefangenen Festivalbesucher mit weiteren Tentakeln am Boden hielt und begann ihn in einem blutigen Vorgang und unter lautstarken Schmerzensschreien bei lebendigem Leibe aufzufressen. Dahinter sprang gerade ein anderes dieser Monster auf einen weiteren Festivalbesucher und rammte diesen mit dem Kopf voran auf den Boden, wo er ein ähnliches Schicksal erleiden sollte, wie der andere zuvor. Und nicht nur diese beiden Wesen waren auf dem Festival erschienen. Es waren hunderte, vielleicht sogar tausende. Wie ein Schwarm Insekten stürmten durch die viel zu instabilen Begrenzungen des Festivalgeländes und griffen einen Besucher nach dem anderen an und niemand hatte eine Chance dies zu verhindern. Einer der richtig muskulös gebauten Sicherheitskräfte ging mit Hilfe einer Metallstange auf eines der Viecher los, traf jedoch nur auf die Handfläche des Monsters, welches selbst diesem Muskelmonster von einem Kerl körperlich offensichtlich weit überlegen sein sollte und den Arm in einer so schnellen Bewegung zur Seite bog, dass er unter lautstarkem Krachen und Schmerzensschreien des Sicherheitsmannes brach. Anschließend packte das Monster ihn mit seinen Tentakeln und biss ihm ins Gesicht, welches es in einem ruckartigen, extrem blutigen Vorgang sogar einfach ausriss und dann verspeiste. Was sollte Julian jetzt tun? Was konnte er überhaupt tun, wenn selbst ein Typ wie dieser Sicherheitsmann keine Chance gegen diese Bestien hatte? Himmel, aus seiner letzten Zeitschleife wusste Julian, dass nicht einmal das Militär eine Chance gegen diese Mistviecher hatte. Aber was genau sollte er jetzt tun? Wegrennen? Kämpfen? Sich töten lassen und hoffen, dass der Zyklus erneut starten würde? Nein, er wusste ja nicht einmal ob das auch tatsächlich nochmal funktionieren würde, zumal die Qualen eines Todes nichts waren, was er als Erstrebenswert in irgendeiner Form betrachten würde. Blieben nur noch zwei Optionen. Und Julian entschied sich für die Erste. Und so rannte er so schnell er konnte in die Richtung seines Stellplatzes, in der Hoffnung dass sein Vehikel noch unversehrt war und er damit entkommen könnte.

Tatsächlich sollte Julian unglaubliches Glück gehabt haben, denn sein Transporter stand trotz des ganzen Gemetzels um ihn herum noch völlig unbeschädigt genau dort, wo er ihn zurück gelassen hatte. Das konnte er bereits auf die Entfernung erkennen, denn es waren noch einige Meter zu rennen, bis er seine Flucht mit diesem Gefährt beschleunigen könnte. Plötzlich rannte Alex lautschreiend von links nach rechts vor ihm vorbei, eines dieser undefinierbaren Wesen sollte folgen und seine Tentakel auf Alex loslassen. So sehr dieser sich auch versuchte dagegen zu wehren, er hatte nicht die geringste Chance gegen die überlegene Kraft dieses Wesens, verlor sein Gleichgewicht und stürzte frontal zu Boden.
„HILFE!!!! HILFE!!!!!“, schrie er noch bevor die Bestie seinen Kopf mit einem seiner beiden Hauptarme packte und ihn in einem blutigen Vorgang mit einem schnellen Ruck einfach ausriss. Julian hatte keine Zeit sich länger damit zu befassen, dass gerade eine Person gestorben war, die er nun ebenfalls kannte, er musste selbst von hier verschwinden. Es war nicht mehr weit zu seinem Vehikel.
„NEIN! LASS DAS!!!! NEEEEEIIIIIIIN!!!!!!!!“, konnte er den bereits am Boden liegenden Nils noch schreien hören bevor die Bestie, die ihn eingefangen hatte, seine Zähne in seinen Hals rammte und unter lautstarken Schmerzensschreien den größten Teil davon ausriss um ihn langsam und genüsslich zu kauen, während Blut in Massen aus der Verletzung spritzte und Nils lediglich noch verzweifelt nach Luft röchelte. Mittlerweile hatte Julian den Transporter erreicht und öffnete schnell die Tür, was relativ zügig vor sich ging, da er sie bereits per Fernbedienung auf die Entfernung hatte entsperren können. Jetzt nur noch den Schlüssel ins Schloss stecken, Kupplung treten und den Motor starten. Tatsächlich startete das Vehikel recht einfach. Nun noch den ersten Gang einlegen und… Plötzlich krachte eine Klaue durch das Fenster der Fahrertür wie sie nur zu einem der Monster gehören konnte packte sich Julian und riss ihn zusammen mit der Tür aus dem Fahrzeug noch bevor Julian hatte reagieren können. Die Bewegung war dabei so kräftig ausgefallen, dass Julian mehrere Meter von seinem Fahrzeug weggeschleudert wurde und dann zusammen mit der Tür sehr unsanft auf dem Boden aufschlug, wo er noch einige Meter weiter zurück rutschte. Das Wesen wandte sich ihm  erneut zu und stürmte direkt in seine Richtung und das mit solch hohem Tempo, dass man es niemals erwarten würde, wenn man es wie Julian als erstes gesehen hatte wie es sich in einem Zombie-Gang bewegte. Panik machte sich in ihm breit. Irgendetwas musste er unternehmen, aber er hatte keine Optionen. Unaufhaltsam stürmte die Bestie auf ihn zu und holte zu einem Schlag mit ihrer Klaue aus, als Julian in einem Reflex entschied die Tür auf der er immer noch lag hervor zu holen und als Schild gegen diesen Angriff zu verwenden. Der Schlag hatte dabei eine solche Wucht, dass Julian nicht verhindern konnte, dass die Tür eine gewaltige Beule erhielt und ebenfalls nicht dass sie direkt an seinen Körper gedrückt wurde. Diese Bestie hatte einfach solch unglaubliche Kraft, es war ein Wunder, dass Julian diesen einen Schlag hatte abfangen können. Mehrere Schläge dieser Art sollten folgen und obwohl die Tür den größten Teil davon abfing, so traf Julian immer noch eine gewaltige Wucht, die ihm den Atem kurzzeitig abschnitt. Es musste doch noch irgendetwas anderes geben, was er tun konnte. Irgendetwas. Plötzlich traf ein Schlag von der Seite den Kopf des Monsters und Julian erkannte seine Chance als das Wesen sich umdrehte um nachzusehen. Denn nun sprang er förmlich auf und rammte die gesamte Fahrzeugtür von hinten in den Hals der Bestie. Blut spritzte, Knochen krachten lautstark und das Wesen stürzte frontal zu Boden. Allerdings waren die Tentakel scheinbar immer noch im Stande sich zu bewegen und das Monster damit auch noch nicht tot. Somit entschied Julian sich einen weiteren Schlag mit der Tür auf dieselbe Stelle auszuführen und dann noch einen und noch einen. Blut spritzte in alle Richtungen und auch über ihn. Hirnmasse begann aus dem zertrümmerten Kopf des Wesens auszutreten und irgendwann stoppten auch die Tentakel ihre Bewegung.
„Hey Mann… Es ist tot…“, sprach ihn plötzlich eine bekannte Stimme an , die zu Marc gehörte und packte seinen Arm als er versuchte weitere Schläge auf die tote Bestie auszuführen.
„Genau… Wir dürfen keine Zeit verschwenden. Wir müssen hier sofort weg!“, fügte Pete noch hinzu, der es wohl auch gewesen war, der dem Monster mit einer Stange einen Schlag verpasst hatte und Julian damit das Leben gerettet hatte. Erst jetzt merkte Julian wie er langsam verstand, dass das Monster tot war und sich etwas beruhigte, zumindest verglichen mit dem Zustand den er vorher hatte.
„OK, dann nichts wie zum Transporter und weg hier“, kommentierte er dann und rannte direkt los. Pete und Marc folgten ihm schnell. Nicht mehr lange und sie könnten aus diesem Horror entkommen. Plötzlich rissen fünf Tentakel Pete zur Seite, direkt gefolgt von sechs weiteren die sich Marc packten und ebenfalls zur Seite weg rissen. Julian selbst schaffte es zwar noch bis zum Transporter, aber als er angekommen war, sollte er fest stellen, dass sich ein kompletter Schwarm dieser Bestien bereits um ihn und sein Vehikel gebildet hatte. Plötzlich kletterte eines der Wesen auch noch auf das Dach des Transporters. Zwei weitere folgten unmittelbar. Er wusste genau, dass dies das Ende sein würde. Es gab nun keine Chance mehr für ihn zu entkommen. Selbst wenn er einstieg und das Gaspedal durchdrücken würde, selbst wenn er einige dieser Mistviecher platt fahren würde, der Rest würde ihn unweigerlich erledigen. Auf einmal begann Julian laut los zu lachen. Er wusste nicht weshalb. Er wusste auch nicht wie er es stoppen sollte. Er konnte einfach nicht aufhören. Er lachte im Angesicht des sicheren Todes, wie jemand der gerade völlig den Verstand verlor. Langsam begann er nun noch mit dem Rücken an seinen Transporter gelehnt in sich zusammen zu sacken, während die Monster den Kreis um ihn herum immer enger zogen. Es war nur noch eine Frage der Zeit bis eines davon den Angriff starten würde, der sein Leben beendete. Ob er wohl wieder am Anfang des Tages aufwachen würde? Oder würde er nun tatsächlich sterben? Was wäre ihm selbst eigentlich lieber? Der Tod oder das Wiedererwachen? Wenn er tot wäre, hätte er es zumindest hinter sich und bräuchte diese Scheiße nicht mehr jeden Tag auf´s neue erleben, allerdings wäre er dann eben auch tot und alles das was er noch im Leben vor gehabt hatte, könnte er nun nicht mehr durchführen. Dies sollten seine letzten Gedankengänge sein, bevor tatsächlich das erste Wesen aus dem Schwarm ausbrach und einen Klauenschlag auf ihn ausführte, der einen kurzen, besonders intensiven Schmerz bei Julian verursachte und es ihm dann Schwarz vor Augen werden ließ. Wenn er ehrlich mit sich selbst war, wollte er einfach nur dass es vorbei war. Auf die Dinge die er sich im Leben noch vorgenommen hatte, hätte er ohnehin keine ernst zu nehmende Chance. Und vielleicht hätte er ja wirklich Glück und es wäre jetzt vorbei. Mehr als dies zu hoffen sollte Julian nicht übrig bleiben während er starb, erneut.

Laut schreiend wachte Julian aus seinem Schlaf auf. Irgendwie war es noch schlimmer für ihn nicht genau zu wissen wie und warum er überhaupt gestorben war als anders herum. Und nun wusste er, dass er nicht einmal hier auf dem Festival sicher vor diesen Bestien war. Was sollte er nun machen? Was konnte ein Versager wie er überhaupt in einer solchen Situation ausrichten? Er müsste dringend das Militär benachrichtigen, dass die sich darum kümmern würden. Aber auch die konnten nach seiner Erfahrung nichts unternehmen. Spätestens wenn diese Kaiju-Monster auf der Bildfläche erschienen waren auch die Leute vom Militär machtlos und wahrscheinlich wäre das alles sogar noch schrecklich kontraproduktiv, da das Militär offensichtlich einen Scheiß auf zivile Opfer geben sollte. Zumindest war es das was Julian in einer seiner Zeitschleifen bereits schon einmal erlebt hatte. Und überhaupt… Wer würde ihm diesen Schwachsinn den er da gerade erlebte überhaupt glauben? Nein… Julian hatte nur eine Option. Er musste hier so schnell verschwinden wie er konnte. Am besten würde er nach Hause fahren. 500KM in den Süden des Landes. Dort wäre er sicher vor dem was geschehen würde. Panisch stürzte er förmlich aus der Seitentür des Transporters und warf sein Fahrrad ein wenig unsanft in das Vehikel. Er würde nicht abwarten und er würde auch niemandem Bescheid sagen. Er musste einfach nur schnell weg von hier, dachte Julian sich als er sich hinters Steuer setzte, den Motor startete und den Platz so schnell verließ wie seine Fähigkeiten ein Fahrzeug zu steuern es zuließen. Eine Linkskurve auf die Hauptstraße des Festivalgeländes und er war unterwegs in Richtung des Ausgangs. Plötzlich platzierte sich einer der Platzanweiser in seinen Weg. Julian ignorierte das und raste weiter zum Ausgang. Der Mann zeigte jedoch ebenfalls keine Reaktion und schien es auf seinen Tod angelegt zu haben, oder er war sich sicher dass Julian die Bremse schon rechtzeitig finden und benutzen würde. Aber das würde er nicht. Niemand würde ihn aufhalten, auch dieser lebensmüde Platzanweiser hier nicht. Mehrmals nutzte Julian die Hupe, bevor er sich entschied schnell das Steuer nach links zu reißen und dabei auf die Gegenfahrbahn geriet. Erst als er am Platzanweiser vorbei war wechselte er wieder auf die richtige Straßenseite und bog dann auf der richtigen Straße nach rechts ab, wo er fast mit Vollgas weiter raste. Weiter in Richtung seines Zuhauses. Sein Smartphone meldete sich. Scheinbar versuchte ihn jemand zu erreichen, aber Julian ignorierte es einfach und fuhr weiter bis er die Autobahn erreicht hatte. Erst jetzt traute er sich nachzusehen wer ihn so dringend versucht hatte zu erreichen. Und tatsächlich hatte er drei Anrufe von Sandra und vier von Kim verpasst. Ebenso hatten beide ihm jeweils eine Nachricht gesendet, die er ebenfalls absichtlich ignoriert hatte und auch jetzt nicht lesen wollte. Ja er hatte ursprünglich geplant gehabt mit den beiden in die Stadt zu fahren um sie dort an ihren Zielorten abzugeben. Aber es war besser sie über alles im Dunkeln zu lassen. Das würde sie vielleicht genügend Zeit kosten, dass sie keine öffentlichen Verkehrsmittel mehr nutzen konnten. Dann wären auch diese beiden sicher. Gerne hätte Julian auch die Festivalbesucher gerettet, aber denen konnte er nicht helfen. Höchstens wenn er es irgendwie schaffen würde sie von der Wahrheit zu überzeugen. Und das konnte er nicht. Er konnte ja nicht einmal eine Frau davon überzeugen ins Bett mit ihm zu steigen, wie sollte er dann eine Menschenmenge davon überzeugen, dass ihre Veranstaltung gleich von schrecklichen Horror-Monstern angegriffen würde? Das könnte er nicht. Und so raste er weiter unaufhaltsam über die Autobahn in Richtung seines Heimatdorfs.

Mittlerweile war er bereits vier Stunden unterwegs gewesen. Und seine Zeitschleife dauerte dieses Mal bereits eine Stunde länger als seine bisherigen. Vielleicht hatte er es geschafft und war diesem Horror endlich entkommen. Was auch immer weiter geschehen würde, es war nicht Julians Problem und er würde es auf gar keinen Fall zu seinem Problem machen. Es handelte sich nur noch um eine weitere Stunde Fahrzeit und dann wäre er endlich wieder zuhause. Zwar hatte er Sandra und Kim dort zurück gelassen, aber die könnte er später noch abholen gehen, wenn alles vorüber wäre. Und so fuhr er einfach weiter. Es zog allerdings langsam schon eine gewisse Skepsis seinerseits auf sich, wie leer die Straßen waren. Er fühlte sich bereits seit einer Stunde wie der einzige Autofahrer auf der gesamten Autobahn. Das konnte zwar hin und wieder vorkommen, aber eher mitten in der Nacht. Es war gerade 16:00 und damit eigentlich nicht die Uhrzeit in der so etwas vorkam. Ferner verwirrte ihn die Qualität der Straße die nun schon seit einer ganzen Weile stetig am ab nehmen war. Immer mehr Schlaglöcher und andere Beschädigungen sollten sich darin finden. Ebenfalls sehr ungewöhnlich für eine deutsche Autobahn und dann auch noch eine Hauptstrecke wie diese. Nun sollte eigentlich gleich eine längere Brücke und dann eine größere Stadt kommen. Plötzlich rammt Julian seinen Fuß auf die Bremse und schaffte es gerade noch rechtzeitig ein größeres Desaster zu verhindern. Dort wo sich hätte eine Brücke befinden sollen war einfach nur ein Trümmerhaufen einer solchen. Und dort wo sich hätte eine Großstadt hätten befinden sollen war nichts mehr weiter als ein gewaltiger Krater im Boden. Was war hier geschehen? Eine Atombombe vielleicht? Und wenn… Wieso? Und wieso ausgerechnet jetzt? Als er weiter in die Entfernung sah, konnte er außerdem weitere Krater entdecken. Und diese sollten sich genau in die Richtung durch die Landschaft ziehen wo sich sein Heimatdorf befand. Schlimmste Befürchtungen machten sich in ihm breit. Sein Atem beschleunigte und wurde tiefer, während sein Oberkörper sich anfühlte als würde er sich einmal zusammen ziehen. Julian war sich gerade nicht sicher ob er nicht sogar dabei war einen Herzinfarkt zu bekommen. Sein Zuhause, seine bekannte Umgebung… War das etwa alles weg? Es gab nur eine Möglichkeit das heraus zu finden und so wendete Julian sein Fahrzeug und steuerte es zurück ungeachtet der Tatsache, dass er die falsche Fahrspur für diese Richtung verwendete. Jetzt würde ihm ohnehin niemand entgegen kommen, dessen schien er sich sicher. Und selbst wenn… Was hatte er in dieser Situation eigentlich überhaupt noch zu verlieren? Nicht nur dass alles weg war, woran er sich emotional bis vor kurzem noch geklammert hatte, höchstwahrscheinlich würde er ohnehin nach seinem Tod wieder auf dem Festival aufwachen und die ganze Kacke ging einfach wieder von vorne los. Es dauerte eine gewisse Zeit, aber er sollte die erste unbeschädigte Ausfahrt finden und nach einem erneuten Wendemanöver auch nehmen. Nun musste er über die Landstraße weiter fahren. Das verlängerte seine Reise erheblich. Aber da war noch etwas, dass Julian massiv verwirrte und das war das Aussehen des Himmels. Irgendwie wirkte es als würden sich die Wolken regelmäßig darin selbst spiegeln. Das ganze wirkte unglaublich unnatürlich. Definitiv ging hier irgendetwas seltsames vor, dass Julian nicht erfassen konnte. Zuerst Horror-Monster, dann riesige Kaijus, dann eine Zeitschleife und jetzt das da? Wie viel wollte ihm das Leben denn noch zumuten? Alles was Julian tun wollte war doch nur sein erstes Metal-Festival besuchen gehen und jetzt steckte er hier in etwas fest, dass er nicht einmal selbst verstand und möglichweise gar nicht verstehen konnte. Erfreut stellte er jedoch fest, dass er zumindest ein kleines Dorf gefunden hatte, dass er nun gerade dabei war zu durchqueren und hoffe, dass auch das nächste Dorf noch vollständig intakt wäre, dass auf seinem Weg lag.

Bereits im zweiten Dorf sollte Julian auffallen, dass auch mit den Dörfern etwas nicht stimmte. Die Gebäude standen zwar noch und einige Autos standen am Straßenrand, aber er sah nicht einen einzigen Menschen. An Straßenverkehr existierte auch nur er selbst und niemand sonst. Was zum Teufel war hier vorgefallen? Und dieser unnatürlich spiegelnde Himmel trug auch nicht gerade dazu bei, dass Julian sich mit der Situation besser fühlte. Es sollte ein drittes Dorf folgen. Schon der Weg dorthin hatte eine ziemlich schlechte Straßenqualität. Das geschah auf solch kleinen Dorflandstraßen zwar auch in Deutschland öfter mal, aber im Kontext dessen was Julian bereits gesehen hatte, war es doch recht besorgniserregend für das was folgen sollte. Hinzu kam, dass die Straßen der vorigen Dörfer alle in gutem Zustand gewesen waren. Dann der Anblick des Dorfes, welches immer zerstörter war, je weiter Julian die Hauptstraße entlang fuhr. Die ersten Gebäude waren noch vollständig in Takt, die letzten Gebäude am Ortsausgang waren lediglich noch Trümmerhaufen. Die Straße wurde auch immer schlechter befahrbar, so dass Julian ganz unfreiwillig die Geschwindigkeit reduzieren musste um die Stöße etwas zu verringern und die Kontrolle über das Vehikel behalten zu können. Das nächste Dorf wäre das Nachbardorf zu seinem eigenen gewesen, allerdings sollte Julian niemals dort ankommen, denn erneut musste er schnell das Fahrzeug stoppen bevor er damit in einen tiefen Krater gestürzt wäre. Auch von diesem Dorf war nichts mehr übrig außer diesem Krater dort vor sich. Ein Blick in die Ferne verriet ihm außerdem, dass noch weitere Dörfer zu solchen Kratern verarbeitet worden waren… und seine Heimat war es offensichtlich ebenfalls. Schockiert stieg er aus seinem Transporter aus und sah sich den Krater vor sich genauer an, suchte nach irgendetwas, dass ihm Aufschluss über das geben konnte, was hier geschehen sein könnte, aber da war einfach nichts. Zudem war er nicht gerade ein Experte für moderne Waffensysteme und selbst wenn er einen Hinweis auf diese Weise hätte entdecken können, wäre er ihm wohl eher nicht aufgefallen. Und dann waren da immer noch diese unnatürlichen Spiegelungen im Himmel, die er sich nicht erklären konnte, die gerade über diesem Krater noch einmal eine andere Intensität hatten, wie sie es auf dem Weg dorthin gehabt hatten. Wütend und verzweifelt trat er gegen einen Stein und im Anschluss mehrmals gegen ein Verkehrsschild an der Seite.
„FUCK! FUCK! FUCK! FUUUUUUUUCK!!!!!!!!!! VERDAMMTE SCHEIßE!!!!!!!“, fluchte er dabei lautstark und zählte schon gar nicht mehr mit wie oft er gegen das Schild getreten hatte. Als er irgendwann bemerkte wie sehr sein Fuß von dieser Aktion schmerzte ging er zurück zu seinem Transporter, wo er sich mit dem Rücken an die Seite des Fahrzeugs lehnte und langsam aber sicher zusammen und in Tränen ausbrach. Sein Zuhause war einfach weg. Nichts war mehr davon übrig und alle waren tot. Nicht dass er außer Sandra und Kim allzu viele Freunde dort gehabt hätte und er sich an diesem Ort jemals besonders wohl gefühlt hätte, aber es war der Ort an dem er den größten Teil seines Lebens verbracht hatte und die daraus resultierte Vertrautheit hatte ihm Halt gegeben. Das schlimmste daran war jedoch, dass ihm das erst jetzt klar wurde. Jetzt wo das alles plötzlich weg war. Was sollte er denn jetzt tun? Es gab keine Supermärkte mehr und auch sonst nichts was ein Vollversager wie er dringend brauchte um zu überleben. Zudem gab es nicht mehr den geringsten Grund für ihn überhaupt noch überleben zu wollen. Verzweifelt wischte Julian sich die Tränen aus dem Gesicht, richtete sich auf und ging noch einmal in die Richtung des Kraters vor sich. Ein Blick nach unten verriet ihm jedoch, dass der Krater nicht tief genug wäre als dass ein großer Brocken wie er auch sicher durch den Sturz sterben würde. Bei seinem Glück würde er das auch noch Querschnittsgelähmt überleben oder so etwas in der Art. Und dann kam auch noch hinzu, dass er sich gar nicht sicher war, ob er tatsächlich sterben würde und ob er nicht direkt darauf wieder auf dem Festival erwachen würde. Aber was sollte er sonst tun? Er hatte niemanden, alle die er kannte waren tot oder würden wahrscheinlich bald sterben und alleine bekam er nicht das geringste auf die Reihe. Plötzlich hörte Julian das Klicken einer Waffe und hob reflexartig die Arme um seine Ungefährlichkeit zu verdeutlichen.
„Hey du da, Junge! Wer bist du? Was hast du hier verloren?“, sprach ihn eine Stimme an, die er dem Klang nach einem alten Mann zuordnete.

Tatsächlich war da gerade ein alter Mann rechts neben ihm hinter einem Hügel hervor gekommen und zielte mit etwas auf ihn, dass aussah wie eine uralte doppelläufige Schrotflinte. Julian schluckte unweigerlich beim Anblick der auf ihn gerichteten Schusswaffe. Selbst wenn er auf dem Festival wieder aufwachen würde, er hatte kein Interesse daran heraus zu finden wie sich ein Treffer von diesem Ding anfühlte.
„Ich frage dich nicht nochmal, Junge… Wer bist du? Und was hast du hier zu suchen?“, sprach der alte Mann ihn nochmal an und erinnerte Julian daran, dass er ja eine Antwort geben musste. Was sollte er ihm jedoch antworten? Wie viel von der Wahrheit sollte er erzählen? Oder lieber gleich eine komplette Lüge erzählen?
„Ich… Mein Name ist Julian… Ich komme aus dem Dorf dass dahinten liegen sollte, da wo jetzt nur noch einer dieser Krater hier ist. Ich war kurz weg… wollte eigentlich mein erstes Metal-Festival besuchen gehen und als ich wieder zurück kam, war alles so wie es jetzt ist“, antwortete er tatsächlich wahrheitsgemäß und der alte Mann entschied tatsächlich seine Waffe zu senken.
„Ach so… Gut… Ich dachte du wärst vielleicht von der Regierung oder so und willst hier alles vertuschen“, kommentierte er dabei.
„Regierung? Alles vertuschen?“, antwortete Julian äußerst irritiert von der Aussage des alten Mannes. „Was sollte denn die Regierung zu verstecken haben? Und was zur Hölle nochmal ist hier überhaupt passiert? Wieso ist hier alles zerstört?“, begann er dann weiter aus sich heraus zu platzen.
„Aliens haben das hier getan“, antwortete der alte Mann. „Und die Regierung will nicht, dass wir das erfahren“, erklärte er weiter.
„Aliens? So wie Außerirdische?“, fragte Julian nur noch irritierter als vorher.
„Ja Junge. Siehst du diese komischen Spiegelungen da am Himmel? Das sind ihre Schiffe. Die sind jetzt im Tarnmodus, deswegen sehen wir sie nicht. Aber die Tarnung ist offensichtlich nicht perfekt. Daher diese komischen Reflektionen“, erklärte der Alte weiter und Julian reagierte immer irritierter. Offensichtlich hatte dieser Typ nicht mehr alle Latten am Zaun, so wie er schon aussah. Auf der anderen Seite standen die Time Loops, die Horror-Monster und die gigantischen Kaiju-Monster die Julian schon gesehen hatte. So viel verrückter als das waren Aliens und Raumschiffe jetzt auch wieder nicht. Daher entschied Julian sich zumindest dem alten Mann weiter zu zuhören und zu sehen welche Informationen er von ihm vielleicht noch bekommen könnte.
„Jetzt mal angenommen, dass es wirklich Aliens sind…“,  begann er vorsichtig zu sprechen.
„…Es sind Aliens“, unterbrach der Alte ihn jedoch sehr energisch.
„OK… Auf jeden Fall… Was wollen die denn dann hier?“, fragte Julian dann dennoch.
„Das weiß ich doch nicht. Bin ich etwa ´n Alien oder was?“, kommentierte der Alte dann offensichtlich ziemlich beleidigt.
„Dann spekulieren sie doch einfach mal ein wenig“, bat Julian den alten Mann.
„Vielleicht wollen sie den Planeten übernehmen, weil er für sie zum drauf leben besser geeignet ist als ihr eigener, vielleicht wollen sie unsere Rohstoffe, vielleicht hat´s auch was mit diesen anderen Riesenviechern zu tun, die rund um die Welt aufgetaucht sind, vielleicht machen sie hier irgendein Experiment mit ihrer Technologie bei uns und benutzen uns als Versuchskarnickel… Was weiß ich…“, begann der alte Mann dann zu reden.
„Moment mal…“, schaffte Julian es dann doch ihn zu unterbrechen. „Es sind riesige Monsterviecher überall auf der Welt aufgetaucht?“, warf er dann noch irritierter als vorher ein.
„Ja, Junge… Siehst du denn keine Nachrichten? Vor kurzem sind da riesige Viecher im Norden vom Land, drüben in Amerika, in Afrika und unten in Australien aufgetaucht, die dort auch alles platt gemacht haben“, erklärte der alte Mann und Julian reagierte schockiert. Er hatte dort auf seinem Metal-Festival nicht die geringste Ahnung wie schlimm die Situation tatsächlich sein sollte. Das hier war eine gewaltige Katastrophe. Das überstieg seine Fähigkeiten bei weitem. In einer solchen Welt könnte ein Looser wie er gar nicht überleben und schon gar nicht jemanden beschützen. Seine Beine gaben nach, so dass er sich schnell auf den Boden setzen musste, bevor er nach hinten umgefallen wäre. Ganz ohne dass er es irgendwie verhindern konnte, sollte Julian vor dem alten Mann erneut in Tränen ausbrechen.
„Ist alles in Ordnung, Junge?“, begann dieser offensichtlich verunsichert zu fragen.
„Nein… Ich hab gerade alles verloren und weiß nicht was ich machen soll oder wofür sich das Leben überhaupt noch lohnt“, antwortete er wahrheitsgemäß, als ihm eine Idee kommen sollte. „Können sie mir einen Gefallen tun und mir mit dieser Knarre, die sie da haben einfach in den Kopf schießen?“ fragte er den Mann dann, sehr zu dessen Schock.
„BITTE WAS?“, rief er dann schockiert aus. „Auf gar keinen Fall werde ich irgendwas dergleichen tun. Ich wirke vielleicht etwas senil, aber ein Killer bin ich bestimmt nicht“, fügte er dann noch hinzu.
„Aber ich will nicht mehr… Ich hab nichts mehr… Am besten sterbe ich hier und jetzt und hab meine Ruhe vor diesem Dreck hier...“, sagte Julian.
„Das Leben wird schon irgendwie weiter gehen Junge. Lass dir das von nem alten Sack wie mir gesagt sein“, kommentierte dieser.
„Und wird es auch lebenswert sein oder nur ein vom einen Tag zum nächsten quälen?“, antwortete Julian und der alte Mann schien darauf keine Antwort zu haben. „Wusste ich´s doch“, fügte Julian dann nach einer Weile hinzu. „Knallen sie mich endlich ab! NA LOS!!!!!“, schrie er den Alten dann an nachdem er schlagartig aufgesprungen war. Aber der sollte auch auf diese Provokation nicht reagieren. „Wissen sie was… Ich mach´s einfach selbst… Geben sie das verdammte Ding her“, sagte Julian dann und griff nach der Schrotflinte, aber der alte Mann zog sie vorher weg.
„Auf keinen Fall, Junge“, antwortete der alte Mann.
„HER DAMIT!!!!“, schrie Julian ihn an und versuche es mit noch mehr Nachdruck, wobei er die Waffe zu fassen bekam. Der alte Mann hielt sie jedoch weiter fest mit beiden Händen im Griff und ließ sie nicht los, egal wie fest Julian daran ziehen sollte. Selbst als er beide Arme zu Hilfe nahm konnte er dem alten Mann nicht die Waffe entreißen. Ein kleines Kräftemessen entstand, bevor sich plötzlich ein Schuss löste, der jedoch nur zur Seite abgefeuert wurde und keinen der beiden traf. Der laute Knall erschreckte Julian jedoch so sehr, dass er nicht nur die Waffe einfach los ließ, sondern auch noch nach hinten umfiel.
„Scheiße!“, fluchte der alte Mann. „Jetzt wissen sie, dass wir hier sind!“, fügte er noch schnell hinzu, während Julian sich wieder aufrichtete und versuchte die Schmerzen die der Sturz hinterlassen hatte so gut zu ignorieren wie er konnte.
„Wer? Die Aliens?“, fragte er dann völlig irritiert als im Himmel etwas erscheinen sollte, was selbst Julian noch vollständig schockieren sollte, nach allem was er bereits gesehen hatte.

Tatsächlich hatte der alte Mann recht gehabt und wie aus dem Nichts erschien ein gewaltiges Raumschiff am Himmel. Da es mehrere Kilometer weit oben schweben musste und es dennoch gigantisch groß wirkte, schätzte Julian, dass es auch mindestens einen ganzen Kilometer lang sein musste. Genau sagen konnte ein unfähiger Mensch wie er, der Entfernungen ohnehin nur schwer abschätzen konnte, das aber sowieso nicht. Die Grundform glich einer Zigarre oder einem Zeppelin, allerdings vollständig aus Metall gebaut und mit vielen weiteren Ausläufern versehen, die diese Form durchbrachen. Die Technologie wirkte extrem fortschrittlich, aber nicht glatt gebügelt, so wie Julian es aus Science Fiction-Serien, wie etwa Star Trek, kannte. Eher ziemlich roh und gewalttätig. Die Tatsache dass das Schiff mit gewaltigen Panzerplatten, Stacheln und Klingen überzogen war, trug sicherlich ebenfalls zu diesem Bild bei. Alleine das Aussehen dieses Schiffes flößte Julian Angst ein, die er kaum beschreiben konnte, sogar noch mehr als der Anglerfisch-Kaiju aus den vorigen Zeitschleifen. Sein Atem war unglaublich schnell und unkontrolliert, Schweiß lief in Strömen und seine Brust schmerze als würde sein Herz gleich explodieren. Ein kurzer Blick rüber zu dem alten Mann teilte ihm mit, dass es diesem ähnlich ergehen musste. Was sollte er jetzt machen? In seinen Transporter springen und damit flüchten so schnell er konnte? Wohl kaum. Wenn das Schiff so fortschrittlich war wie es wirkte, hätte das wahrscheinlich nicht den geringsten Sinn. Es würde ihn wahrscheinlich mit seinen Waffensystemen ins Nirvana bomben bevor er überhaupt die Autobahn erreichen könnte, wenn es nicht ohnehin trotz der gewaltigen Größe viel schneller war als er mit seinem Transporter. Und dann gab es noch die Option, dass es im Stande sein würde ihm kleinere Vehikel hinterher zu schicken, die dann unter Garantie schneller als er wären. Nein, eine Flucht war ausgeschlossen. Aber was sollte er denn unternehmen? Irgendetwas musste er doch tun. Plötzlich zogen ihn weitere Geräusche, die er nicht zuordnen konnte aus seinen düsteren, panischen Gedankenschleifen. Erst als er nach hinten sah, konnte er sehen, dass es sich um einen Teleport-Mechanismus gehandelt haben musste, denn dort befanden sich nun gleich drei der Außerirdischen, die der alte Mann erwähnt hatte. Zumindest nahm Julian an, dass es sich um Aliens vom Raumschiff handelte, denn sie waren eindeutig humanoid in ihrem Körperbau und hatten zwei Arme und zwei Beine. Allerdings waren sie auch gewaltig und massiv gebaut. Julian schätzte den kleinsten von ihnen auf 2,10m und den größten auf 2,25m. Sie waren in jedem Fall alle einen ganzen Kopf größer als er selbst und er selbst war 1,98m groß. Dazu hatten sie einen Körperbau von dem wahrscheinlich jeder Bodybuilder nachts träumte, zumindest was die grobe Körperform anging. Denn so genau konnte Julian das gar nicht erkennen, da die Aliens Rüstungen trugen, die optisch zu ihrem Raumschiff passten. Der größte von ihnen trug einen gewaltigen Speer, der jedoch zu drei viertel aus einer gewaltigen, schwertartigen Klinge bestand. Der mittlere trug eine gewaltige Handfeuerwaffe und der kleinste zwei kleinere Schwerter die nach oben gebogen waren und die er so hielt, dass sie in diesem Moment eher wie Armklingen wirkten. Ob sie noch über weitere Waffensysteme verfügten oder ob das alle waren, das konnte Julian nicht genau sagen. Ebenso wenig konnte er etwas über die Gesichter der Wesen sagen, denn die waren unter Metallmasken oder sogar Metallhelmen versteckt. Auch das konnte er nicht so genau sagen.
„Ihr… Ihr habt meine gesamte Familie getötet… IHR VERDAMMTEN DRECKSVIECHER!!!!!!“, schrie der alte Mann plötzlich auf, richtete die Schrotflinte auf einen von ihnen und drückte ab. Ein lauter Knall durchzog die Landschaft und mehrere Projektile schlugen in den mittelgroßen Alien ein, prallten jedoch einfach an dessen gewaltigem Torso-Panzer ab. Dann sah dieser Alien kurz zu dem größten der drei und Julian glaubte einen kurzen Moment der Verwirrung in ihm gesehen zu haben und der große Alien blicke zu dem mittleren zurück. Im Anschluss hob der mittlere Alien seine Waffe an und richtete sie auf den alten Mann aus. Noch bevor dieser reagieren konnte krachte ein hell-blaues, großes Projektil in dessen Torso. Zunächst sprengte es mit großem Druck ein gewaltiges Loch hinein und verteilte Blut, Gedärme und andere innere Organe die Julian nicht mehr identifizieren konnte hinter dem Mann, bevor sich der Rest von ihm einfach auflöste. Der ganze Vorgang dauerte keine ganze Sekunde und lediglich die heraus gesprengten Organe und das Blut blieben von dem alten Mann noch übrig. Er hatte nicht einmal die Chance gehabt vor Schmerzen aufzuschreien. Was für eine Art von Waffe war das gewesen? Eine Energie-Waffe oder eher eine Plasma-Waffe? Julian hatte den Verdacht dass es sich um eine Plasma-Waffe handelte und der alte Mann verdampft worden war. Aber er hatte ohnehin ein ganz anderes Problem. Das alles wurde ihm langsam viel zu viel. Nun kamen zu allem dem auch noch Aliens mit Plasma-Waffen hinzu. Wutentbrannt stürmte er auf die drei Aliens zu.
„GOTTVERDAMMT!!!! WOLLT IHR MICH EIGENTLICH ALLE KOMPLETT VERAR…“, schrie er den größten von ihnen direkt an und kam nicht mehr dazu seinen Satz zu beenden, denn nun feuerte der mittlere erneut seine Waffe ab. Dieses Mal auf Julian. Bereits das nach hinten reißen seiner Innereien stellte sich als unmöglich Schmerzhaft heraus. Wesentlich schlimmer als bei lebendigem Leibe von Kaijus oder Horror-Monstern gefressen werden. Als Julian allerdings dachte es würde nicht mehr schlimmer werden als das sollte der Verdampfungsprozess folgen. Für einen kurzen Moment fühlte es sich an als würde jede einzelne Zelle, jedes einzelne Molekül seines Körpers verbrennen, bevor sein Blickfeld zunächst einmal komplett weiß wurde und dann nur noch Schwärze, so wie er es von den anderen Toden her kannte. Vielleicht hätte er ja dieses Mal Glück und es wäre einfach vorbei. Was sollte ein Versager wie er schon in einer solchen Situation ausrichten?

Laut schreiend wachte Julian aus seinem Schlaf auf. Sein gesamter Körper brannte immer noch innerlich und Atmen fühlte sich fast unmöglich an. Als er es nach einer kürzeren Phase des nach Luftringens endlich geschafft hatte einen Atemzug zu nehmen, schrie er weiter vor Schmerzen und brach dann in Verzweiflungstränen aus. Wann würden diese brennenden Schmerzen endlich enden? WANN? Julian wusste nicht genau wie lange er sich gewunden und geschrien hatte, als er langsam das Gefühl bekam dass es stoppte. Oder er gewöhnte sich langsam daran. Zumindest hatte er das Gefühl, dass er sich jetzt zielgerichteter Bewegen könnte. So fühlte es sich also an von einer Plasma-Waffe getroffen zu werden. Die wahrscheinlich grausamste Todesart all seiner bisherigen Zeitschleifen und nichts was er ein zweites Mal durchmachen wollte. Plötzlich begann er lautstark zu lachen. Er wusste nicht warum, aber er konnte es einfach nicht verhindern. Immer weiter lachte er und konnte nicht mehr damit aufhören. Es fühlte sich an als würde sich sein Verstand langsam verabschieden. Er bekam nicht einen einzigen klaren Gedanken mehr zusammen. Und wieso zum Teufel konnte er nicht aufhören zu lachen? Nichts an seiner gesamten Situation war in irgendeiner Weise zum Lachen. Nicht einmal als jemand an die Tür seines Transporters klopfte, konnte er damit aufhören. Erst als jemand sie ungefragt öffnete erschrak Julian so sehr, dass er es tatsächlich schaffte das Lachen zu stoppen und sich der Person zuwandte. Es war Marc, sein Festival-Nachbar.
„Hey, Mann… Ist alles klar? Ich hab dich zuerst schreien gehört und dann lachen wie ein Irrer“, fragte er Julian, der daraufhin erneut in starkes Gelächter ausbrach.
„Ob alles klar ist? Ich hatte gerade einen krassen Unfall, bin von Kaiju-Monstern gefressen worden, dann von irgendwelchen anderen Horror-Viechern und gerade von irgendwelchen Aliens mit Plasma-Waffen verdampft worden. Mein Zuhause ist nur noch ein riesiger Krater und das Festival hier wird in vier Stunden von Monstern angegriffen und ihr werdet alle sterben… Und du fragst ob alles klar ist? IST ES NICHT!“, platzte Julian dann unkontrolliert aus sich heraus und wusste nicht einmal wirklich sicher warum. Marc reagierte offensichtlich extremst irritiert und wusste eine ganze Weile nicht was er sagen sollte. Zeit genug für Julian um wieder in lautstarkes Gelächter auszubrechen. Jemand anders kam dazu, es war Pete.
„Was stimmt denn mit dem nicht?“, fragte er Marc direkt.
„Ich hab keine Ahnung, Mann. Bestimmt hat er sich irgendwelche gestreckten Drogen oder sowas rein gezogen. Auf jeden Fall faselt er jetzt nur noch wirres Zeug“, antwortete Marc.
„Das ist kein wirres Zeug! Und ich bin nicht verrückt oder auf Drogen! In vier Stunden werden Horror-Monster das Festival angreifen und wir werden alle sterben!“, platzte Julian erneut völlig unkontrolliert aus sich heraus.
„Und das kannst du so genau wissen weil…?“, fragte Pete und hatte einen künstlich verständnisvollen Tonfall angenommen.
„…Weil ich es schon einmal erlebt hab. In einem vorigen Time Loop“, antwortete Julian bevor er plötzlich schockiert selbst bemerkte was er da tat und erzählte. Das musste alles so absurd auf Außenstehende wirken. Er würde es sich selbst auch nicht glauben, wenn er es nicht gerade selbst erlebt hätte. Und tatsächlich sahen sich Pete und Marc kurz verwirrt an, bevor sie sich kurz umdrehten und irgendetwas besprachen, so leise dass Julian nicht genau hören konnte was.
„So, Kollege… Du kommst jetzt mal kurz mit“, sagte Marc und packte ihn am linken Oberarm. Pete folgte direkt und packte seinen rechten Oberarm.
„Auf keinen Fall. Ich muss die große Katastrophe verhindern!“, antwortete Julian und riss sich mit einem Ruck von beiden los.
„Ja, haben wir verstanden…“, antwortete Pete.
„…Und wir beide bringen dich jetzt wohin, wo man dir da wirklich weiter helfen kann“, fügte Marc noch hinzu, aber Julian merkte an ihrem künstlichen Tonfall, dass sie etwas anderes vor hatten. Wahrscheinlich wollten sie ihn zu den Sanitätern bringen, welche ihn im Anschluss in die Klapsmühle schaffen sollten oder so etwas. Schnell hatte Julian entschieden aufzustehen und zu verschwinden, wobei die Tatsache, dass er mit seinen 1,98m einen guten Kopf größer war als seine beiden Festival-Nachbarn, diese einen kurzen Moment schockierte, so dass sie sich lieber von ihm zurück zogen.
„Ich komme nicht mit“, sagte er dann auch noch und Marc und Pete sahen sich kurz an.
„Alles gut, Mann“, kommentierte dann Marc schnell.
„Genau, mach doch was du willst“, fügte Pete noch schnell hinzu.
„Hey Marc, Pete… Kommt schon… Gleich spielt Immortal. Die wollten wir uns doch zusammen ansehen“, warf nun ein weiterer aus deren Gruppe ein. Es war Alex.
„Yo, wir kommen schon“, rief Pete und machte sich schon auf den Weg.
„Viel Glück bei… Was auch immer…“, verabschiedete sich Marc noch, bevor er Pete folgte und mit seiner Gruppe zur Band ging. Julian blieb alleine zurück.

Wie er erwartet hatte glaubte ihm niemand seine Geschichte. Wieso auch? Er würde es ja nicht einmal selbst glauben, wenn er es nicht besser wüsste. Aber irgendwer musste ihm einfach glauben. Irgendetwas musste er in jedem Fall unternehmen, bevor die Monster das Festival angreifen würden und alle tot waren. Plötzlich klingelte sein Smartphone. Es war Sandra. Richtig… Die beiden wollte er ja eigentlich abholen und in die Stadt fahren, bevor das alles angefangen hatte. Aber das war auch eine Gelegenheit, dachte Julian sich. Wer außer seinen beiden besten Freundinnen sollte ihm sonst glauben? Voller Euphorie nahm er sein Handy und den Anruf an.
„Hallo? Julian? Wo steckst du? Du wolltest doch schon seit einer halben Stunde da sein!“ sprach Sandra aufgebracht und hörbar etwas wütend.
„Sandra? Oh, Mann… Gut dass du anrufst… Du wirst mir nicht glauben was los ist!“, platzte Julian dann plötzlich aus sich heraus. „Ich bin in so einem Time Loop gefangen, wie in den Filmen und erlebe den selben Tag wieder und wieder. Und jedes Mal wenn ich euch abholen komme treffen wir in der Stadt auf irgendwelche Horror-Monster und wir sterben alle. Ich wache dann wieder auf dem Festival auf und ihr beiden habt alles wieder vergessen. Wenn ich einfach hier bleibe wird in vier Stunden, oh Moment… Mittlerweile sind es nur noch drei… Auf jeden Fall wird das Festival von diesen Mistviechern angegriffen und auch da sterben alle. Und wenn ich einfach nach Hause fahre ist davon nur noch ein Krater übrig und irgendwelche Aliens mit Raumschiffen verdampfen mich mit Plasma-Waffen. Ich hab nicht die geringste Ahnung was hier ab geht, aber wir müssen irgendwas machen, sonst sterben wir alle und die Welt geht unter!“, platzte er weiter aus sich heraus und stoppte seinen Redefluss kaum wieder. Erst jetzt hatte er ein Ende gefunden und merkte dass er so schnell und ohne Unterbrechung geredet hatte, dass er sogar außer Atem war.
„Ja du hattest tatsächlich recht… Diesen Mist glaube ich dir nicht“, antwortete Sandra und klang nun noch wütender. „Versuch´s nochmal… Dieses Mal bitte mit der Wahrheit“, fügte sie dann noch hinzu und schien sich starke Mühe zu geben ihre Wut zu kontrollieren.
„Aber… Aber…“, stotterte Julian kurz. „Das war die Wahrheit“, sagte er dann leise und unsicher.
„Wenn´s dir auf dem Festival so gut gefällt, dass du lieber dort bleiben willst, wäre das vollkommen OK für mich gewesen. Aber das hier ist wirklich die bescheuertste Ausrede, die sich jemals jemand ausgedacht hat um keine Zeit mit mir verbringen zu müssen“, kommentierte Sandra nun richtig sauer.
„Aber es ist keine Ausrede! Fahrt nicht in die Stadt. Bleibt wo ihr seid, dann wird euch nichts passieren. Aber wenn ihr hin fahrt, werdet ihr beide sterben!“, antwortete Julian nur noch aufgebrachter.
„Julian… Was hast du dort auf dem Festival genommen?“, fragte Sandra nun äußerst energisch.
„Nichts! Ich bin so unglaublich nüchtern, wie eigentlich immer“, antwortete Julian ihr.
„Das glaub ich dir auch nicht! Julian, du redest vollkommen irres Zeugs und bist völlig aufgedreht. Ich kenne solches Verhalten von Leuten die Crystal geschmissen haben oder Crack geraucht“, sagte Sandra und wurde ihrer Stimme zu urteilen nach immer wütender.
„ICH HAB KEINE DROGEN GENOMMEN! UND ICH BIN AUCH NICHT VERRÜCKT!!!“, schrie Julian nun in blanker Verzweiflung aus und bemerkte, dass ihn Sandras Unterstellungen ebenfalls wütend gemacht hatten. Wieso glaubte von allen Menschen ausgerechnet sie ihm auch nicht?
„Das war´s… Das Gespräch ist hiermit beendet. Kim und ich fahren nachher mit dem Bus in die Stadt. Und nach Hause werden wir den Zug nehmen oder sowas. Das werden wir noch sehen. Ist nicht mehr dein Problem. Fick dich Julian. Ich hätte nie gedacht, dass du so ein verdammter Penner bist!“, kommentierte eine nun endgültig angefressene Sandra und bevor Julian etwas erwiedern konnte hatte sie die Verbindung bereits beendet, wie das Tuten des Telefons andeutete. Schwach und enttäuscht ließ Julian das Smartphone auf seine Matratze fallen und ließ sich dort auf den Rücken fallen, bevor er wieder anfangen musste unkontrolliert und lautstark los zu lachen. Er wusste nicht wie viel davon er gerade noch verkraften konnte, bevor sich sein Verstand wirklich endgültig verabschieden würde und nichts mehr davon übrig wäre.

Es dauerte eine ganze Zeit lang bis Julian aufhören konnte zu lachen. Mindestens eine halbe Stunde, in der er nichts anderes tun konnte als das. Und das wurde nicht besser je mehr er sich darüber klar wurde, dass er weder verhindern könnte was gleich geschehen würde, noch dass er aus dem Time Loop ausbrechen könnte. Dazu müsste er die Ursache überhaupt erst einmal kennen und auch die kannte er noch nicht. Allerdings sollte Julian noch eine letzte Idee kommen, wie er vielleicht doch noch etwas verhindern könnte. Er würde zusehen, dass er irgendwie die Festival-Leitung zu sprechen bekam und denen die Sache erzählen. Vielleicht glaubte man ihm, vielleicht auch nicht, aber es war die einzige Option, die ihm einfallen sollte. Plötzlich klopfte jemand an seinem Vehikel.
„Hallo? Ist jemand gerade da drinnen?“, sprach ihn eine weibliche Stimme an.
„Ähm… Ja? Wer will das wissen?“, traute Julian sich vorsichtig zu fragen.
„Ich bin hier vom sogenannten Awareness-Team. Einer deiner Nachbarn hat uns Bescheid gesagt, dass du irgendwas genommen hättest und einen echt fiesen Horror-Trip schieben würdest“, antwortete die Frau.
„Das ist nur teilweise richtig. Ich hab nichts genommen. Aber den Horror-Trip schiebe ich wohl trotzdem“, antwortete Julian immer noch etwas unsicher.
„OK? Vielleicht kannst du ja mal kurz raus kommen, damit wir einfach mal über die Sache reden können“, kommentierte die Frau, die sich als älter als Julian, aber jünger als seine Mutter, wahrscheinlich irgendwo zwischen 40 und 50 heraus stellte, als Julian die Tür öffnete. Julian konnte ihr außerdem eine kurze Überraschung im Blick ansehen, als er aus dem Transporter heraus kam und er sich als ein gutes Stück größer als sie heraus stellte. Aber so reagierten die meisten Menschen auf ihn, teilweise nach seiner Erfahrung sogar die Polizei. „OK, dann leg mal los. Was ist das für ein Horror-Trip den du schiebst, der dazu geführt hat, dass jemand uns eingeschaltet hat“, sagte sie dann so freundlich wie sie konnte ohne dass es wie ein Flirtversuch wirkte. Ihr Tonfall versuchte er etwas vertrauenswürdiges auszustrahlen und Julian bekam direkt das Gefühl, dass er dieser Frau alles erzählen konnte und sie ihm glauben würde. Außerdem war es momentan seine einzige Option.
„Also… Sie werden das wahrscheinlich auch nicht glauben… Aber…“, begann er dann unsicher zu reden. „…Wir müssen sofort zur Festival-Leitung und sie davon überzeugen das Festival zu evakuieren oder so. Hier wird in ungefähr zwei Stunden völlig die Hölle ausbrechen“, redete er dann weiter und merkte selbst wie er immer kleinlauter wurde und sich selbst immer unsicherer.
„Weshalb? Welche Hölle sollte den genau ausbrechen?“, begann die Dame ihn dann aber zu seiner eigenen Verwirrung zu fragen.
„Naja… Das ist jetzt wirklich absurd, selbst für mich… Aber hier werden in zwei Stunden irgendwelche menschenähnlichen Horror-Monster mit Tentakeln auf dem Rücken auftauchen, die hier wie ein Heuschreckenschwarm alles und jeden auffressen, der nicht noch irgendwie flüchten kann“, antwortete Julian nun etwas sicherer.
„Und das weißt du so genau, weil…?“, fragte die Frau ihn weiter.
„…Weil ich es schon einmal gesehen habe. Ich stecke in irgendeinem Time Loop fest oder sowas. Jedes Mal wenn ich sterbe, wache ich wieder am Anfang dieses Tages auf und erlebe alles noch einmal. Aber anscheinend bin ich der Einzige der sich dann auch noch an alles erinnern kann. Sonst niemand“, erklärte sich Julian.
„Hmmmm… Ziemlich praktisch, dass ausgerechnet du der einzige sein sollst, der noch weiß was passiert ist… Findest du nicht?“, sagte sie dann und schockierte Julian. Aus dieser Frage entnahm er nämlich, dass auch sie ihm nicht glaubte. Dennoch schaffte er es irgendwie bei dieser Frau ruhig zu bleiben und sich nicht angegriffen davon zu fühlen.
„Ich weiß ja auch nicht, warum das alles überhaupt so ist, wie es ist. Glauben sie mir, ich wüsste es wirklich gerne. Ich weiß aber leider nur, dass hier gleich alle sterben, wenn wir nichts unternehmen und ich es irgendwie schaffe, dass mir wenigstens irgendjemand die Wahrheit glaubt“, antwortete er erstaunlich gelassen.
„Also ich muss ja wirklich sagen… Das klingt schon ziemlich irre irgendwie. Aber die Art wie du es mir erzählst deutet für mich zumindest darauf hin, dass du selber ziemlich davon überzeugt bist, was du da sagst“, kommentierte die Frau von diesem Awareness-Team dann und Julian fühlte, wie er in sich zusammen brach. Wenn schon eine Person, deren Aufgabe es war zumindest so zu tun, als hätte sie Verständnis nicht überzeugend schauspielern konnte oder wollte, dass sie ihm glaubte, hatte er auch bei der Festival-Leitung keine große Chance. „Es ist aber auch so, dass du mir tatsächlich nicht gerade vorkommst als ob du irgendwas genommen hättest. Vielleicht sollten wir wirklich mal zusammen zum Chef gehen und du erzählst ihm deine Geschichte. Dann hast du zumindest alles versucht und kannst dann vielleicht etwas entspannter dem großen Ende entgegen sehen“, sprach sie dann weiter und Julian fühlte einen Schwall großer Freude in sich aufsteigen. Fast wäre er der Dame vom Awareness-Team vor Freude um den Hals gefallen.
„Klar doch. Am besten gehen wir jetzt sofort. Wir haben nur noch eineinhalb Stunden“, antwortete er und die beiden setzten sich direkt in Bewegung.

Je länger die beiden unterwegs waren umso unsicherer und skeptischer wurde Julian was die ganze Sache anging. Würde sie ihn wirklich zum Leiter des Festivals bringen? Oder würde sie ihn woanders hin bringen? Und wenn woanders, wohin denn genau? Schlimmste Befürchtungen machten sich in Julian breit, aber diese Frau verstand es sehr gut irgendwelche negativen Intentionen ihm gegenüber vollständig zu verstecken.
„Wie weit ist es denn noch?“, traute sich Julian dann doch nach einer Weile zu fragen. Mittlerweile hatten sie den Hauptbereich des Festivals, in dem auch die Bühnen aufgebaut waren, erreicht. Julian wusste, dass wenn ein Festival-Leiter sich irgendwo aufhalten würde, dann wäre es hier. Allerdings waren hier auch die dem Festival zu geteilte Polizei und die Sanitäter. Beides wäre genauso ein Ziel zu dem sie ihn bringen könnte, wie der Festival-Leiter.
„Nicht mehr weit. Wir sind gleich da“, antwortete die Frau vom Awareness-Team und führte ihn tatsächlich am Polizei-Zelt vorbei, was Julian mitteilen sollte, dass dies wohl nicht das Ziel sein würde. Anschließend bog sie nach rechts ab und führte ihn zu einem grauen, völlig unscheinbar wirkenden Zelt, das Julian so ziemlich überhaupt nichts darüber sagte, was sich darin befinden würde. An sich der ideale Ort um dort die Leitung unter zu bringen. Dort würde diese Leute zumindest niemand belästigen und nur dann wenn etwas wirklich wichtiges wäre, würde man die entsprechende Person dorthin bringen. „Komm schon. Nur noch hier rein. Der Chef wartet schon auf dich“, sprach sie ihn noch einmal an als Julian kurz zögerte. Dieser eine Satz genügte um jeden noch übrigen Zweifel zu zerstreuen und Julian trat in das Zelt ein. Direkt als er eingetreten war packten zwei gewaltige Berge aus Muskeln, wie sie normalerweise auch bei der Security arbeiteten und dann vor den Bühnen standen um dort Crowdsurfer ab- und aufzufangen, seine beiden Arme und hielten ihn fest.
„Was soll das hier? Ich dachte ich werde zum Festival-Leiter gebracht und kann versuchen ihn zu überzeugen…“, warf Julian direkt verwirrt ein.
„Und du dachtest doch nicht wirklich, dass irgendjemand dir so eine irre Geschichte glauben würde, oder?“, antwortete die Frau vom Awareness-Team.
„Aber es ist die Wahrheit!“, rief Julian direkt wütend aus und versuchte sich aus den Griffen der beiden Muskelberge zu befreien, aber es war hoffnungslos. Auch wenn er die letzten zwei Jahre in einem Fitness-Center verbracht hatte, er hatte bereits gegen einen solchen Typen nicht die geringste Chance in einer Auseinandersetzung, von zweien ganz zu schweigen. Sich aus ihren Griffen losreißen zu wollen war ebenso illusorisch.
„Na klar… Und ich bin der Weihnachtsmann“, antwortete einer der beiden Muskelberge.
„Time Loops, Horror-Monster mit Tentakeln… Hörst du dir eigentlich noch selbst zu?“, fügte der zweite noch hinzu als die Frau vom Awareness-Team beschwichtigend die Hand hob.
„Sie haben mich reingelegt!“, rief Julian wütend aus.
„Nein. Ich habe meinen Job gemacht. Und der erfordert manchmal, dass man seinen Patienten nicht unbedingt immer über alles die Wahrheit sagt“, antwortete sie ihm.
„Was wird jetzt mit mir passieren?“, fragte Julian der mittlerweile so wütend auf die Frau vor sich war, dass das einzige was ihr Leben schützte tatsächlich die beiden Muskelberge waren, die ihn festhielten.
„Wir werden dich an die Sanitäter übergeben. Die werden wahrscheinlich erstmal eine ganze Reihe Drogentests machen und dann werden sie dich wahrscheinlich in die Psychiatrie mitnehmen. Entweder zum Ausnüchtern oder um dich anders zu behandeln. Das liegt aber im Ermessen der Psychiatrie. Damit hab ich nichts mehr zu tun“, antwortete die Frau ihm.
„Sie machen einen gewaltigen Fehler. Und wenn ihnen die Monster die Kehle abbeißen, werden sie das auch wissen“, kommentierte Julian und die Dame schüttelte kurz den Kopf, bevor sie ein Handzeichen an die beiden Muskelberge gab, die Julian aus dem Zelt zogen und woanders hin brachten.

Und schon wieder hatte er völlig versagt. Was hatte Julian sich nur eingebildet, als er meinte er könnte die Menschen von der Wahrheit überzeugen. Das war in der Regel ohnehin nicht wie die Dinge funktionierten. Wenn dem so wäre, würde die Welt im Allgemeinen viel besser aussehen und es gäbe keine Korruption, keine Umweltzerstörung, keine Tierquälerei, keine Sklaverei, keine Lohnsklaverei und wahrscheinlich auch generell keine sozialen Unterschiede. Erneut machte sich große Verzweiflung in ihm breit die ihm die Tränen in die Augen trieb, während er an seinen Sitzplatz in einem Rettungswagen auf das Ergebnis seines unfreiwilligen Drogentests wartete und darauf dass weitere Dinge geschehen würden.
„Das kann nicht sein. Verifiziert das nochmal.“
„Ich hab den Test drei Mal gemacht. Da ist nichts.“
„Dann ist er also einfach so durchgeklatscht ohne irgendwas genommen zu haben?“
„Sieht ganz so aus.“
„Wir sollten warten bis ein Arzt da ist. Vorher können wir gar nichts machen.“
„Und so lange läuft dieser Irre dann frei hier rum und verbreitet seine absurden, panischen Botschaften oder wie?“
„Wir haben da wohl keine andere Wahl. Was wir hier gemacht haben ist sowieso schon knapp an der Grenze zur Freiheitsberaubung. Dafür kann man in den Knast wandern.“
„Auf keinen Fall lassen wird diesen Beknackten frei. Egal was sein Test sagt. Wir warten auf den Arzt. Und so lange bleibt er im Rettungswagen“, konnte Julian die Sanitäter draußen reden hören. Er wusste nicht genau wie viele es waren, aber anscheinend waren es nur Sanitäter. Irgendwie musste Julian aus dem Fahrzeug raus und das Festival verlassen, bevor die Monster angriffen. Wenn er überlebte, könnte er vielleicht an anderer Stelle eingreifen. Wie spät war es eigentlich mittlerweile? Leider kam er mit den angeketteten Armen nicht an sein Smartphone um auf die Uhr sehen zu können. Eine weitere war im Rettungswagen leider nicht aufzufinden. Er musste irgendwie hier raus, egal wie und so begann er auf dem Stuhl sein Gewicht von einer Seite auf die andere zu werfen in der Hoffnung ihn zerstören zu können. Leider war er aus massivem Metall gebaut und konnte nicht auf diese Weise beschädigt werden. Wütend begann Julian daraufhin gegen die Wand auf der anderen Seite, die er mit seinen langen Beinen noch erreichen konnte, zu treten.
„Ruhe da drinnen! Sonst kommen wir rein und stellen…!“, rief einer der Sanitäter von draußen, bevor ein lautes, matschiges Geräusch zu hören war, gefolgt von lautstarken Schmerzensschreien. Offensichtlich hatte der Angriff bereits begonnen und Julian saß angekettet in einem Rettungswagen. Weitere panische Schreie waren zu hören, als sich plötzlich die Tür öffnete und einer der Sanitäter panisch herein stürmte.
„Scheiße!“, fluchte er. „Du hattest tatsächlich recht! Hier! Nimm die Schlüssel und rette uns! ARG!“, sprach er dann Julian an und warf ihm die Schlüssel auf die Beine, bevor eine nicht mehr zählbare Menge an Tentakeln seinen gesamten Körper umschlungen, zerquetschten und zur Seite aus dem Fahrzeug rissen. Was weiter geschehen sollte, konnte Julian nicht mehr erkennen, die Geräusche deuteten jedoch auf einen grausamen, schmerzhaften Tod des Sanitäters hin. Julian schaffte es noch den Schlüssel in die Hand zu bekommen und seinen rechten Arm zu lösen, als bereits eines der humanoiden Horror-Monster den Rettungswagen betrat. Es gab keine weitere Optionen mehr für Julian diese Zeitschleife zu überstehen. Das wusste er nun, als er dem Wesen in sein fürchterliches Gesicht sah. Langsam hob es den Arm und bereitete sich darauf vor seine Klaue gegen Julian einzusetzen, der nicht das geringste mehr unternehmen sollte und einfach wartete bis sein Kopf von der scharfen Handinnenseite des Wesens abgetrennt wurde.
Huh? Was war hier los? Sollte er nicht schon längst tot sein? Stattdessen fühlte er unglaubliche Schmerzen von seinem Hals an abwärts. Kein Wunder sein Körper war offensichtlich weg. Für ein paar Sekunden in denen sein Kopf auf dem Boden rollte konnte Julian noch sehen wie massenweise Blut aus seinem Halsstummel spritzte und das Wesen sich auf den Körper stürzte um ihn zu verspeisen. Erst dann wurde ihm schwarz vor Augen und er starb auch tatsächlich.

Julian wusste nicht genau wie, aber er schaffte es das Bedürfnis laut zu schreien zu unterdrücken als er in seinem Bett im Transporter wieder erwachte. Schnell tastete er seinen Kopf und sein Gesicht ab, die beide offensichtlich noch da waren. Ebenso sein Körper. Was er nicht schaffte zu unterdrücken war das Bedürfnis sich zu übergeben, dem er auch direkt nach gab. Dieses Mal in eine leere Schüssel die er mitgebracht hatte, ursprünglich um daraus zu essen. Dafür würde er sie wohl auch so bald nicht mehr verwenden. So viel stand fest. Was dafür nicht fest stand, war was er nun tun sollte? Er konnte die anderen nicht warnen und er war zu schwach und zu unfähig um selbst etwas gegen die Monster zu unternehmen. Er konnte nicht verschwinden und er konnte auch nicht verhindern, dass sein Zuhause von diesen Aliens vernichtet wurde. Das einzige was er vielleicht unternehmen konnte war das Militär einschalten. Aber es stellte sich immer noch genauso die Frage ob die ihm glauben würden. Und selbst wenn, was würden die mit ihm anstellen? Vielleicht würden sie ihn einfach in eine Anlage verschleppen, wo sie Tests mit ihm machen würden und vielleicht wären nicht alle davon auch von den Menschenrechten abgedeckt. Was könnte er noch tun? Vielleicht selbst gegen diese Bestien kämpfen. Zumindest gegen die auf dem Festival. Aber wie und wo sollte er eigentlich an Waffen ran kommen? Ohne Schuss-Waffen oder wenigstens Äxte oder Schwerter brauchte es offensichtlich mindestens zwei Menschen um eines der Monster besiegen zu können. Nein, auch das war keine ernst zu nehmende Option. Mittlerweile schlug die Verzweiflung wieder bei Julian zu. Er versuchte sie zu verdrängen, aber es war einfach alles so aussichts- und hoffnungslos. Was könnte er tun? In seiner Verzweiflung sollte ihm eine andere Idee kommen. Was war wenn er einfach überhaupt nichts unternehmen musste? Er steckte in einem Time Loop fest, das stimmte. Aber war das wirklich etwas so schlimmes? Wenn sich mit seinem Tod jedes Mal die Welt zu diesem einen bestimmten Punkt zurück setzte bedeutete das auch, dass es praktisch keine Konsequenzen für ihn gab. Damit konnte er alles tun ohne sich um irgendetwas zu sorgen. Er konnte sein gesamtes Festival-Budged an einem Tag für Essen raus hauen, sich bis zur Besinnungslosigkeit besaufen, sämtliche Drogen der Welt nehmen, sofern er irgendwie an sie heran kam, was wohlmöglich auf dem Festival ziemlich einfach gehen könnte. Er konnte ins Bordell gehen und dort sein gesamtes Budged verprassen, oder er könnte wahllos irgendwelche Damen ansprechen und sehen ob er sie vielleicht nicht doch überreden konnte mit ihm ins Bett zu steigen. Wenn er abblitzen würde, könnte er es im nächsten Zyklus mit einer anderen Herangehensweise einfach noch einmal versuchen. Die Möglichkeiten waren wirklich absolut unbegrenzt. Das einzige was nicht so schön war, war die Tatsache, dass er jedes Mal auf grausamste Art und Weise sterben müsste, sobald seine vier bis fünf Stunden vorbei waren. Dafür musste ihm noch eine bessere Lösung einfallen. Eine die schneller ging und schmerzloser wäre. Für den Moment war dies aber ausreichend und sorgte direkt für bessere Laune bei ihm. Und so entschied er sich zunächst einmal diese vollgekotzte Schüssel in die nächste Toilette zu entsorgen, bevor er sich überlegen konnte was er als nächstes tun würde.
„Oh je… Zu viel gesoffen gestern?“, sprach ihn Marc an, als er seinen Transporter mit der Schüssel in der Hand verließ.
„Oh… Ähhhhh… Ja, zu viel gesoffen“, antwortete Julian etwas verlegen. „Jetzt muss ich halt zusehen, dass ich das irgendwie im Klo verschwinden lasse“, fügte Julian dann etwas sicherer noch hinzu.
„Ja, verstehe ich gut. Zumindest ist es deine eigene Kotze. Ich musste gestern hinter einem von uns hinterher räumen“, sprach Marc weiter. „Aber ich will dich auch nicht aufhalten… Geh das mal entsorgen. Wir unterhalten uns nochmal, wenn du das hinter dir hast“, fügte er dann hinzu und Julian antwortete lediglich mit einem Kopfnicken und setzte sich wieder in Bewegung.

Die Entsorgung seines Mageninhalts war zwar definitiv eine der Erfahrungen, auf die Julian hätte verzichten können, aber es war nun einmal notwendig geworden. Nachdem er die Schüssel gereinigt hatte, klingelte sein Smartphone. Es war Sandra. Verdammt, das hatte er schon wieder vergessen.
„Hey Sandra. Sorry wegen der Sache. Ich hab mich gestern zum Saufen überreden lassen und kämpfe immer noch mit den Nachwirkungen“, sagte er direkt nachdem er den Anruf angenommen hatte.
„Oh je. Wirklich? Ich hoffe du hast nicht alles voll gekotzt“, kommentierte sie direkt erstaunlich verständnisvoll, was Julian kurzzeitig irritierte. Diesen Müll den er gerade erzählte glaubte sie ihm also, aber die Wahrheit wollte sie ihm nicht glauben. Was zum Teufel…?
„Leider schon ein wenig. Ich bin hier gerade immer noch beschäftigt das Chaos zu beseitigen. Aber das schaff ich schon. Wie wär´s wenn wir einfach stattdessen morgen in die Stadt fahren? Ich könnte nochmal zwischen 10:00 und 15:00, wenn du und Kim da auch am Start wären“, schlug er dann stattdessen vor.
„Klar. Das machen wir so. Aber besauf dich nicht wieder, so dass du die Verabredung vergisst“, antwortete Sandra.
„Auf keinen Fall. Hey, das war wirklich furchtbar. Ich verstehe gar nicht wieso Leute sowas überhaupt machen“, antwortete Julian.
„Sag mal, Julian… Irgendwas ist anders an dir. Du wirkst irgendwie so…“, begann Sandra zu reden.
„Zerstört?“, versuchte Julian ihren Satz zu beenden.
„Nein… Du wirkst so ungewöhnlich selbstsicher“, beendete sie ihn dann lieber selbst.
„Keine Ahnung was du meinst. Aber könnte einfach daran liegen, dass ich hier ne wirklich gute Zeit hab, bis auf das Besäufnis zumindest mal“, antwortete Julian ihr dann noch.
„Hmmmm… Kommt mir vielleicht auch nur so vor. Also bis morgen dann“, verabschiedete Sandra sich anschließend.
„Bis Morgen!“, verabschiedete sich Julian ebenfalls und wirkte auf sich selbst sogar schon so selbstsicher, dass es ihn erschreckte. Er musste den anderen vorkommen wie ein Honigkuchenpferd von der Art her wie er sprach und sich nach außen hin gab. Das war selbst für seine Zwecke ungewöhnlich. Aber das war nun einmal was ein Leben ohne Konsequenzen mit ihm anstellte und zumindest nach Julians Verständnis hätte es das wohl mit jedem angestellt. Entspannt begann er seine gereinigte Kotzschüssel zurück zum Fahrzeug zu bringen und entschied sich dann spontan noch einen Fleischspieß an einem der Stände unterwegs zu kaufen und zu essen. Immerhin war sein Magen gerade unfreiwillig entleert worden. Ihn wieder mit etwas Nahhaftem zu befüllen fühlte sich tatsächlich unglaublich gut an. Entspannt wie die ganze Zeit noch nicht verstaute er dann seine Schüssel wieder in seinem Transporter und sah kurz auf die Uhr. Ihm sollten noch ganze drei Stunden bleiben, bis der Angriff der Bestien starten würde. Genügend Zeit für vielleicht noch ein weiteres großes Abenteuer.

Entspannt wie selten in seinem Leben bewegte Julian sich über das Festivalgelände und hielt nach vielen verschiedenen Dingen Ausschau. Neben Menschen die vielleicht gerade Drogen konsumierten, die er vielleicht um einen Test bitten könnte, waren es vor allem junge Frauen, die ihm gefielen nach denen er sich umsehen sollte. Das stellte sich als das größere Problem heraus als die Drogen zu finden. Zumindest konnte er regelmäßig den Geruch von Joints auf dem Festival wahrnehmen, auch wenn ihm noch niemand im speziellen aufgefallen war, der tatsächlich einen rauchte. Aber er hielt weiter die Augen offen. Und tatsächlich… Vor dem Hauptbereich mit den Bühnen hatte sich tatsächlich eine Gruppe eingefunden die eine ungewöhnlich große Zigarette herum gab, die auch nicht unbedingt wie eine Kippe roch. Das wäre Julians beste Gelegenheit, wenn er das einmal ausprobieren wollte. Nur wie sollte er sich dieser Gruppe nähren und wie sollte er sie davon überzeugen ihn mit einzubeziehen? Alles Fragen auf die Julian keine Antwort wusste. Aber er musste irgendwie handeln bevor die Gruppe fertig geraucht hätte. Und nachdem er sich daran erinnert hatte, dass es keine Konsequenzen geben würde und er es im nächsten Zyklus mit einer anderen Herangehensweise erneut versuchen könnte, würde er scheitern, ging er tatsächlich mit ziemlich sicheren Schritten auf die Gruppe zu, die aus drei Männern und sogar zwei Frauen bestand.
„Ähm… Hey, Leute… Ist das da etwa ein Joint?“, traute er sich dann zu fragen nachdem er kurz nach den passenden Worten gesucht hatte.
„Öhm… Ja? Wer will das wissen und warum?“, antwortete der Mann, der diesen gerade in der Hand hielt und rauchte ein wenig irritiert.
„Naja… Ich wollte fragen ob ich vielleicht auch mal… ziehen darf?“, fragte Julian dann weiter und bemerkte selbst wie er wieder innerlich zusammen brechen sollte. Mit Fremden reden und dann auch noch so etwas zu erbitten… Das war einfach alles überhaupt nicht seine Stärke, selbst jetzt wo es keine Konsequenzen hatte. Die Gruppe wirkte einmal vollkommen irritiert als sie sich einmal alle ansahen und schien selbst nicht genau zu wissen, wie sie jetzt reagieren sollten. Dann sah derjenige der den Joint gerade in der Hand hielt noch einmal zu Julian, dann wieder in die Gruppe, dann zuckte er kurz mit den Schultern.
„Na klar, Mann“, antwortete er Julian dann sehr zu dessen Überraschung und hielt ihm die Tüte hin.
„Vielen Dank, Mann“, kommentierte dieser lediglich als er den Joint übernahm. „Ach ja… Ich bin übrigens Julian“, stellte er sich dann noch schnell vor, bevor er seinen ersten Zug von der Tüte nehmen sollte. Das Gras kratzte jedoch so stark in seinem Hals, dass er direkt lautstark los husten musste und der Tabakgeschmack wiederte ihn so stark an, dass er sich stark zurück halten musste sich nicht zu übergeben. Die Gruppe lachte kurz lautstark los.
„Yo, Dude… Alles klar bei dir?“, sprach ihn dann einer der anderen beiden Männer an, während Julian immer weiter husten musste.
„Hast du eigentlich schon mal vorher gekifft?“, fragte derjenige der ihm den Joint gereicht hatte.
„Um ehrlich zu sein nicht. Wollte ich aber schon immer mal“, antwortete Julian als er sich dazu im Stande fühlte und hustete im Anschluss weiter.
„Naja, dann kannst du den Punkt wohl jetzt auch auf deiner Liste abharken“, kommentierte eine der beiden Damen in der Gruppe.
„Längst nicht“, kommentierte Julian und versuchte noch einen Zug zu nehmen. Dieses Mal langsamer und vorsichtiger als vorher. Das funktionierte schon besser, aber auch dieses Mal musste er husten noch bevor er es geschafft hatte wieder auszuatmen. Nach seinem dritten Versuch entschied er sich die Tüte weiter zu reichen. Der nahm direkt einen tiefen Zug ohne husten zu müssen.
„Boah ey, das ist schon echt heftig. Wie schafft ihr das ohne euch die Lungen aus dem Hals zu husten?“, fragte Julian im Anschluss.
„Hmmmm… Keine Ahnung…“, antwortete die zweite Frau aus der Gruppe.
„Ich schätze das kommt einfach mit den Jahren“, fügte der dritte Mann aus der Gruppe hinzu.
„Genau, Mann. Wenn du das mal so lange machst wie wir, kommst du auch klar“, kommentierte der erste wieder.
„OK, verstehe“, antwortete Julian und bemerkte plötzlich die ersten Anzeichen einer Wirkung. Es war ein eigenartiges Gefühl. Auf der einen Seite fühlte er sich unglaublich befreit von allen seinen Sorgen und Problemen die er in den letzten Zyklen angesammelt hatte, auf der anderen aber auch schwer und als ob er sich gleich hinlegen und schlafen gehen müsste. Sein Sichtfeld begann sich zu verändern. Er konnte nicht genau beschreiben in welcher Art und Weise, lediglich dass es anders war als vorher noch. Und auch die Tatsache, dass er und die anderen alle einem qualvollen Tod durch Horror-Monster entgegen sahen, störte ihn seit die Wirkung eingesetzt hatte recht wenig.
„Willst du nochmal oder hast du genug?“, fragte ihn die erste Dame plötzlich.
„Klar… Ich nehm noch was“, antwortete Julian und übernahm den Joint, wobei sich ungewollt die Hände der beiden berührten, was Julian nur begrenzt recht sein sollte, aber er ignorierte es für den Moment und versuchte lieber noch einen Zug von der Tüte zu nehmen.
„Ach ja… Bevor ich´s noch vergesse… Ich bin Lisa“, stellte sich dann die Dame vor, die ihm gerade den Joint gereicht hatte und reichte ihm trotz der gerade geschehenen ungewollten Berührung erneut die Hand. Anscheinend fand sie ihn nicht so wiederlich wie er sich selbst, wenn sie ihm trotzdem noch ein zweites Mal die Hand reichte. Und Julian sollte erst jetzt auffallen, dass sie gar nicht mal so schlecht aussah, wenngleich sie kein Vergleich zu Kim oder auch nur zu Sandra war.
„Ich bin Nadine“, stellte die zweite sich vor auch diese beiden reichten sich die Hände, wobei Nadine mit ihrer dicken Brille und ihrem recht hohen Übergewicht ihm nicht so sehr gefallen sollte wie Lisa.
„Ich bin Dominik“, stellte sich nun der Mann vor, den Julian als erstes angesprochen hatte.
„Ich bin Alex“, meldete sich der dritte und damit war dies schon der zweite Alex den Julian auf dem Festival getroffen hatte.
„Ich bin Jan“, sagte der zweite Mann aus der Gruppe.
„Ich bin Julian…“, stellte dieser sich noch einmal vor.
„Das sagtest du schon“, kommentierte Lisa.
„Ach ja, stimmt“, antwortete Julian und beide lachten einmal kurz. Moment mal? Flirtete Lisa etwa gerade mit ihm? Nein, das konnte doch nicht stimmen. Das musste Julian sich einfach nur einbilden.
„Bist du eigentlich alleine hier auf dem Festival?“, fragte sie ihn dann und hatte wieder diesen unglaublich freundlichen Tonfall angenommen, den er auch schon bei der Frau an der Supermarktkasse gehört hatte.
„Ähm… Ich fürchte ja. Bei mir zuhause bin ich irgendwie der Einzige, der Interesse an sowas hätte“, antwortete Julian etwas verlegen und konnte nicht vermeiden, dass er sich verlegen am Hinterkopf kratzte. Anschließend nahm er schnell einen Zug vom Gruppenjoint nur um im Anschluss wieder in krasses Husten auszubrechen. Dieses Mal konnte er fühlen wie ihm jemand auf den Rücken klopfte, wahrscheinlich weil es für die meisten Menschen mit Husten hilfreich war. Es war Lisa. Nun wurde Julian sich immer sicherer, dass sie versuchte mit ihm zu flirten und konnte nicht vermeiden, dass sich in ihm bereits alles zusammen zog. Noch dazu konnte er sehen wie Nadine und die drei Männer der Gruppe eine kleine Privatunterhaltung führten, die nicht laut genug war, dass er sie hören konnte.
„Yo, also, ich sehe gerade, dass die nächste Band gleich anfängt“, kommentierte Dominik dann im Anschluss.
„Dann sollten wir wohl auch mal rein gehen, denke ich“, fügte Jan schnell an.
„Ach was… Ist eh bloß eine von diesen komischen Black Metal Bands. Ich gehe zurück ins Camp“, kommentierte nun Lisa.
„Ganz wie du willst“, antwortete Alex ihr. „Wir gehen auf jeden Fall mal rein“, fügte er noch hinzu.
„Raucht den Joint ruhig alleine fertig. Passt schon“, kommentierte Dominik nochmal als Julian ihm diesen wieder zurück geben wollte.
„Danke Mann“, antwortete er dann.
„Wir sehn uns Lisa. Und viel Glück“, verabschiedete er sich dann noch und verwirrte Julian mit seiner letzten Aussage noch sehr, bevor er den anderen drei auf´s Bühnengelände folgte und Julian mit Lisa alleine zurück ließ.

Julian konnte nicht leugnen, dass ihm die Situation gerade etwas unangenehm wurde. Er stand tatsächlich mit einer Frau in einem passenden Alter für sich da und teilte sich einen Joint mit ihr. Und auch wenn sie nicht unbedingt der Typ Frau war, der in ihm das Bedürfnis weckte sie anzusprechen, er sollte sie als ausreichend hübsch für sich selbst und für seinen ersten Versuch in überhaupt einer Zeitschleife einstufen, dass er ihr keine Abfuhr geben wollte. Außerdem kam immer noch das Gefühl dazu für eine noch schönere Frau selbst nicht ausreichend attraktiv zu sein und auch wenn er plante noch ein paar andere Versuche bei anderen Frauen in seinen nächsten Zyklen zu starten, er wusste nicht ob er noch einmal Erfolg haben würde. Mittlerweile sagte keiner der beiden noch etwas. Sie rauchten einfach nur den Joint fertig und waren auch schon fast am Ende angekommen.
„Sag mal… Wenn du alleine hier bist, bist du dann auch alleine in nem Camp für dich?“, fragte Lisa ihn dann plötzlich.
„Jop… Das ist richtig“, antwortete Julian knapp und merkte wie er innerlich zerfallen sollte. Er durfte diese Chance nicht an die Wand fahren, wenn sie sich schon so sehr von selbst anbot.
„Oh je…“, warf Lisa plötzlich ein. „Ich hab ja ganz vergessen, dass wir unser ganzes Zeugs in die Autos gepackt haben und die Schlüssel hat Jan“, kommentierte sie dann und Julian reagierte schrecklich irritiert. War das etwa gerade der Wink mit dem Zaunpfahl auf den er gewartet hatte? Er musste es einfach versuchen.
„Wir könnten… auch einfach zu mir ins Camp gehen“, sagte er dann so unsicher wie er noch nie in seinem Leben war und wurde mit jedem Wort immer leiser.
„Klar doch“, antwortete Lisa ihm und Julian merkte an ihrer unglaublich freudigen und freundlichen Stimme, dass er gerade etwas richtig gemacht haben musste. Mittlerweile war die Tüte auf einen Stummel herunter geraucht, den Julian nochmal an Lisa übergab, die noch zweimal daran zog und ihn dann im nächsten Mülleimer entsorgte. „Gehen wir“, forderte sie Julian auf als zurück kam. „Wo ist dein Camp eigentlich?“, fragte sie ihn dann während sie sich bereits in Bewegung gesetzt hatten.
„Stellplatz 5-G“, antwortete Julian kurz und knapp, da er hauptsächlich damit beschäftigt war seine Ängste zu unterdrücken.
„Oh, das ist aber weit hinten“, kommentierte Lisa.
„Naja, ich war recht spät da, schätze ich“, antwortete Julian. „Ich hatte halt auch ziemlich weit zu fahren. Ich komme aus einem kleinen Dorf 500KM weit im Süden“, erklärte er sich dann.
„Hui, das ist aber tatsächlich ziemlich weit weg. Ich bin tatsächlich unten aus dem Ruhrgebiet. Die Stadt würde dir aber nichts sagen“, erzählte Lisa ihm daraufhin und Julian konnte nicht leugnen, dass ihm das alles gerade etwas zu viel wurde. Erst der Anblick seines Transporters riss ihn aus seinen inneren Angstzuständen, von denen er nicht genau wusste ob er sie wirklich ausreichend nach außen hin hatte verbergen können.
„Da ist ja der Platz“, kommentierte er dann.
„Der mit dem Bus drauf?“, fragte Lisa noch einmal genauer nach.
„Jap… Genau der“, antwortete Julian und kratzte sich erneut verlegen am Hinterkopf, während er mit der anderen Hand versuchte den Schlüssel zu finden um die Türen per Fernbedienung aufzuschließen.
„WOW. Du bist ja wirklich gut vorbereitet. Wahrscheinlich hast du hier eins der besten Betten auf dem ganzen Festival“, kommentierte Lisa direkt als sie das Innere des Vehikels sah.
„Naja… Ich geb mir Mühe“, antwortete Julian und kratzte sich weiter verlegen am Hinterkopf. Ihm war mittlerweile so warm, dass er nicht genau sagen konnte ob es an der Situation lag, am Wetter oder an dem Joint er mit ihr und den anderen geraucht hatte. Er sollte auch nicht wirklich mitbekommen als Lisa sich auf das Bett im Vehikel setzte. Plötzlich packte sie ihn am Arm und zog ihn ebenfalls hinein, so dass er recht unsanft neben sie auf das Bett fiel. Dann schloss sie die Schiebetür und drückte ihn mit dem Rücken auf´s Bett bevor sie ihre Lippen auf die seinen drückte und seine Wangen und seinen Hals sanft streichelte. Und Julian konnte nicht leugnen dass sich das unglaublich gut anfühlte.
„Na los... Ich will dich… Julian…“ sagte sie dann zwischen den Küssen und legte sich nun neben ihn auf das Bett. Julian konnte sich mittlerweile kaum noch zurück halten. Er wollte das hier unbedingt. Aber es gab auch ein nicht zu unterschätzendes Problem dabei und das war die Tatsache, dass er ihm langsam etwas schlecht wurde. Julian vermutete den Joint als Übeltäter, den die beiden zuvor noch geraucht hatten. Wahrscheinlich der Tabak, der als Brennmaterial von vielen Menschen in diesen Dingern verbaut wurde. Julian hatte einmal vor ganz langer Zeit auf einer Party im betrunkenen Kopf eine normale Zigarette geraucht und sich ebenfalls davon übergeben müssen.
„Entschuldige bitte“, kommentierte er plötzlich und riss die Seitentür des Transporters auf um sich schnell nach draußen in die Wiese zu kotzen. Die gesamte Situation war ihm extremst peinlich und die Tatsache, dass sein Mageninhalt einfach nicht aufhören wollte nach oben hin aus ihm heraus zu laufen, machte es einfach nicht besser. Einmal mehr hatte er versagt und zwar so richtig. Dieses Mal sogar kurz vorm Ziel.
„Ist schon OK. Manchmal passiert sowas eben. Gerade auf so nem Festival“, kommentierte Lisa und wirkte sehr verständnisvoll dabei. Ob das künstlich war oder real konnte Julian nicht genau sagen, dafür fehlte ihm die Erfahrung in solchen Situationen. Und himmelherrgott, wieso konnte er einfach nicht aufhören zu kübeln? Irgendwann musste sein Magen doch auch mal komplett leer sein. „Ich wird dann mal wieder gehen und die anderen suchen“, kommentierte Lisa dann plötzlich.
„Verstehe… Und tut mir wirklich leid“, antwortete Julian so unsicher wie die ganze Zeit, bevor Lisa ihm kurz den Rücken tätschelte und sich dann wie sie angekündigt hatte wieder auf den Weg machte. Angefressen und völlig deprimiert über sein eigenes Versagen legte Julian sich auf das Bett. Konnte er denn überhaupt irgendetwas? War er denn überhaupt zu irgendetwas gut? Wie konnte es sein, dass er immer in genau solchen Momenten auf diese Weise versagte? Wie lange Zeit blieb ihm eigentlich noch bis zum nächsten Zyklus? Nicht mehr lange, stellte Julian fest und nur wenige Minuten später sollten erste panische Schreie sich über das Festivalgelände ziehen. Julian tat nichts. Er wartete lediglich bis eines der Monster auf ihn Aufmerksam wurde und ihn tötete. Wie er es erwartet hatte sollte Julian wieder an genau dem selben Punkt erwachen, wie die letzten Male auch schon. Doch nun wusste er was er tun musste und was er nicht tun durfte. Wie letztes Mal ebenfalls schon sprach er die Gruppe an und versuchte deren Joint mitzurauchen, hielt sich aber dieses Mal etwas stärker zurück dabei, so dass er im zweiten Zyklus tatsächlich mit Lisa im Bett landete und das Erlebnis seines Lebens mit ihr hatte.

Erst eine ganze Stunde später waren die beiden am Ende angekommen und lagen sich noch eine Zeit lang in den Armen. Wie spät war es denn mittlerweile eigentlich? Viel Zeit würde Julian nicht mehr bleiben bis die Monster angriffen und er wusste immer noch nicht genau wie er den schmerzhaften Tod umgehen sollte. Wahrscheinlich war es aber für den Moment auch einfach das Beste, wenn er diesen als Ende akzeptieren würde und nicht mehr versuchte dem auszuweichen. Immerhin war dies auch schon der zweite bewusste Zyklus den er durchlief. Jetzt musste er sich jedoch zuerst einmal weiter um Lisa kümmern. Und generell… Was für ein Zyklus. Zum zweiten Mal Gras rauchen. Sein erstes Mal mit einer Frau. Die nächsten Zyklen würde er noch krasser und besser gestalten. Vielleicht würde er im nächsten Zyklus tatsächlich mal dieses Crystal ausprobieren oder irgendwas anderes. Vielleicht würde er auch etwas ganz anderes tun. Die Möglichkeiten waren so unglaublich unbegrenzt dass Julian kaum damit zurecht kommen sollte, als er versuchte sie alle zu erfassen. Fakt war aber auch, dass er praktisch unendlich Zeit hatte.
„Du hast´s mir noch gar nicht erzählt…“, sprach sie ihn dann plötzlich Lisa an.
„Was nicht erzählt?“, fragte Julian zurück.
„Na, wie´s jemand wie du geschafft hat so schüchtern zu bleiben?“, fragte Lisa dann genauer nach.
„Ist gar nicht mal so ne tolle Geschichte wie du meinst“, antwortete Julian. „Da kommt ziemlich viel zusammen. Am einfachsten ist es wohl zu sagen, dass ich mal der Kleinste und der Schwächste war und deshalb ziemlich viel einstecken musste“, erklärte er sich dann.
„Was echt? Fällt mir ja echt schwer zu glauben, wenn ich dich jetzt hier heute so ansehe“, kommentierte Lisa und Julian konnte nicht verhindern, dass er bei der Aussage noch einmal schrecklich verlegen reagierte und schrecklich rot im Gesicht wurde.
„Ist aber tatsächlich wahr…“, antwortete Julian als plötzlich draußen das panische Geschrei begann, dass Julian bereits erwartet hatte.
„Was war das?“, warf Lisa schnell ein und sprang auf um die Tür zu öffnen und offensichtlich nachsehen zu gehen. Keine Sekunde darauf packte eine große Menge Tentakel von der rechten Seite sie und rissen sie und lauten Angstschreien in diese Richtung. Julian reagierte nicht weiter. Er konnte ohnehin nichts tun und wartete einfach bis eines der Wesen ihn im vorbei gehen bemerkte und mit seiner gewaltigen Klaue vertikal in zwei Teile zersägte. Noch etwas schockiert vom Schmerz seines Todes wachte Julian wie er es erwartet hatte wieder in seinem Transporter auf und konnte ein gewaltiges Lächeln in seinem Gesicht nicht vermeiden. Er hatte die ersten Dinge die er sich vorgenommen hatte erfolgreich abgeschlossen und wie er es erwartet hatte, gab es nicht die geringsten Folgen für ihn. Nicht einmal das Gras aus dem vorigen Time Loop wirkte noch auf ihn. Und Lisa? Die wusste jetzt wahrscheinlich schon gar nicht mehr wer er denn eigentlich war. Aber das wusste Julian bevor er sich auf die Sache eingelassen hatte. In diesem Loop würde er sich noch krassere und extremere Sachen trauen, das hatte er sich nun felsenfest vorgenommen und das würde er auch genauso durchziehen, davon war er zumindest selbst überzeugt.

Entspannt wie noch nie in seinem gesamten Leben hielt Julian die beiden wunderschönen Damen in seinen Armen, mit denen er gerade noch den ersten Dreier seines Lebens gehabt hatte. Und alles was er hatte tun müssen, war diese beiden Schönheiten die das Festival offensichtlich zusammen besucht hatten, einfach danach zu fragen. Das war alles was er getan hatte um dorthin zu kommen wo er sich gerade befand. In vorigen Zyklen hatte er außerdem schon andere Drogen genommen, sich bis zum Alkoholtod besoffen und einige andere ziemlich gefährliche Dinge ausprobiert, die ihn auch schon das Leben gekostet hatten. Aber was interessierte ihn das noch? Er wachte ja durch den Time Loop wieder am Vortag auf dem Festival auf und konnte die nächste Absurdität beginnen. Wie spät war es denn? Hatte er noch Zeit für eine weitere Runde mit den beiden Damen, die er neben sich liegen hatte? Plötzlich konnte Julian den ersten panischen Schrei hören und die beiden Damen sprangen reflexartig auf um nachzusehen was draußen los war. Julian interessierte sich wenig dafür. Er wusste ohnehin was passieren würde und wartete lediglich auf seinen Tod, der durch eines der Horror-Monster kommen sollte. Wie er es erwartet hatte erwachte er an seiner gewohnten Stelle in der Zeit wieder und versuchte den nächsten Plan für diesen Loop zu schmieden. Was könnte er nun noch erleben und ausprobieren zu tun? Plötzlich erinnerte er sich an etwas, dass ihm eine seiner mittlerweile recht zahlreichen Liebschaften in einem der Loops erzählt hatte. Nicht weit weg von hier gab es einen Platz auf einem Berg an dem man eine gute Aussicht auf die gesamte Umgebung, darunter einige historische Bauwerke, das Festival und in größerer Entfernung auch die nächste größere Stadt, haben sollte. Julian wollte schon fast sein ganzes Leben mit Kim oder Sandra zusammen kommen. Nun hätte er die große Chance dazu es zu probieren ohne dabei seine Freundschaft mit ihnen in irgendeiner Weise zu gefährden. Nur wer von beiden wäre besser dafür geeignet und würde einfacher auf diese Umgebung und die Atmosphäre anspringen? Sandra oder Kim? Nach einer Weile Bedenkzeit entschied Julian sich für Sandra. Für Kim hatte er einen anderen Plan im nächsten Loop. Jetzt musste er es irgendwie schaffen Sandra davon zu überzeugen mit auf dieses Date, dass er für sie geplant hatte zu gehen und dazu müsste er sich beeilen.
„Hi Sandra,
Auf dem Festival ist es irgendwie gerade nicht so der Renner, aber ich habe da einen Ort gefunden, der angeblich eine tolle Aussicht auf alles bieten soll. Hättest du vielleicht Lust den heute mit mir ansehen zu gehen?“, tippte er schnell in sein Smartphone und versandte es an Sandra.
„Was ist mit der Fahrt in die Stadt, die wir heute machen wollten?“, kam recht bald als Antwort von Sandra zurück.
„Die können wir auch noch morgen machen. Ich würde jetzt wirklich viel lieber dorthin fahren“, schrieb Julian nun und eine Weile kam keine Antwort.
„Soll ich Kim Bescheid sagen dass sie auch mitkommt?“, folgte nun als Antwort von Sandra und Julian zuckte unweigerlich zusammen bei dieser Frage. Was sollte er denn darauf jetzt schlaues antworten?
„Ich würde lieber mal etwas Zeit nur mit dir alleine verbringen“, entschied er sich dann Wahrheitsgemäß zu schreiben und rieb sich mit den Händen im Gesicht. Wahrscheinlich hatte er die ganze Aktion gerade vollständig an die Wand gefahren, dachte er sich und überlegte schon was er nun stattdessen in diesem speziellen Loop tun sollte und wie er es im nächsten angehen würde, als plötzlich eine Nachricht von Sandra herein kam.
„Also dann in 30 Minuten vor der Unterkunft. Ich muss gestehen, dass ich´s kaum noch abwarten kann. Bis gleich dann“, lautete sie und schloss mit einem Kuss-Smilie, was Julian kurzzeitig irritierte, denn damit schloss Sandra sonst nie irgendwelche Nachrichten mit ihm ab. Anscheinend war er erfolgreicher gewesen, als er selbst angenommen hatte. Jetzt musste er sich beeilen. Schnell musste er sich den Staub aus den Moshpits vor der Zeitschleife abwaschen gehen und noch Zähne putzen. Eben die beste Vorbereitung treffen, die er für dieses Date und an diesem Platz an dem er war, überhaupt treffen konnte.

Es hatte ihn ein wenig unter Zeitdruck gesetzt aber Julian hatte es geschafft alles rechtzeitig hinter sich zu bringen und sogar ohne mit dem Transporter rasen zu müssen, noch rechtzeitig bei Sandra zu erscheinen. Sehr zu seiner eigenen Überraschung hatte sie sich wohl ebenfalls sehr für dieses Treffen vorbereitet. Sie trug nun ein recht enges schwarzes Oberteil mit kurzen Armen, dass zwar den größten Teil ihrer Haut verdeckte aber durchaus ihre Körperform betonte. Dazu recht enge kurze Hosen, welche ebenfalls ihre gut gebauten, wenn auch recht kurzen Beine betonen sollten. Ihre Haare trug sie nun offen und Julian musste sich zusammen reißen damit ihm nicht das Maul offen stehen blieb, denn sie war wirklich wunderschön, gerade in dieser Aufmachung. Er war sich selbst nicht wirklich sicher ob sie das ähnlich empfinden würde, auch wenn er sich ebenfalls Mühe gegeben hatte. Dummerweise war das einzige was er zum Anziehen dabei hatte die Kleidung die er auf dem Metal Festival ursprünglich tragen wollte und die bestand lediglich aus kurzen Hosen mit einem grauen Tarnmuster, die er jedoch gewählt hatte weil die Taschen einen Reisverschluss hatten und einem Band-Shirt, dass ihm eine Nummer zu groß ausgefallen war, da er es gekauft hatte als er noch ein paar Kilo mehr gewogen hatte. Deshalb hatte er es jedoch auch als T-Shirt für das Festival gewählt. Eventuelle Schäden daran im Moshpit oder aus anderen Gründen wären egal und eine gute Ausrede sich ein neues in passender Größe aufzutreiben. Zu allem Überfluss war die Band von der es stammte auch noch Crown Magnetar, eine ziemlich heftige Technical Deathcore-Band und definitiv nicht geeignet um sie Sandra vorlaufen zu lassen, zumindest nach Julians Verständnis.
„Hi Julian“, grüßte sie ihn direkt ungewöhnlich freundlich, selbst für eine lange Freundschaft.
„Hi Sandra“, grüßte Julian sie zurück und versuche dabei ihren freundlichen Tonfall zu immitieren.
„Oh mein Gott… Du hast ja gar nicht erwähnt, dass du dich verletzt hattest“, kommentierte sie direkt seinen Verband am rechten Bein. Verdammt, den hatte Julian ja schon völlig vergessen, da es sich nach ungefähr 20 oder sogar 30 Zyklen wie eine Ewigkeit anfühlte, dass er den bekommen hatte.
„Ach so, ja, das…“, kommentierte er dann verlegen. „Ich war gestern noch im Moshpit und wurde ordentlich umgesenst. Dabei muss das hier wohl passiert sein“, fügte er dann noch hinzu. „Ist aber alles cool soweit. Tut nicht mal mehr weh.“
„Du weißt doch genau, dass du bei mir nicht den harten Kerl raushängen lassen musst“, kommentierte nun Sandra.
„Tue ich nicht. Es tut nicht mehr weh. Ich bin ja auch hier her gefahren damit“, antwortete nun Julian und zeigte sich selbst ein wenig überrascht davon wie einfach es ihm fiel mit Sandra zu kommunizieren und ihr sogar auch mal zu wiedersprechen. Vermutlich weil es durch den Time Loop völlig folgenlos bleiben sollte. „Wollen wir dann mal?“, fragte er sie dann so freundlich er konnte, da er sie auch nicht bedrängen wollte und öffnete ihr sogar die Beifahrer-Tür wie ein echter Gentleman es tun würde.
„Klar doch…“, antwortete Sandra genauso freundlich und stieg in das Fahrzeug ein. „Sag mal Julian… Irgendwas ist anders an dir. Du wirkst wirklich selbstsicherer seit du gestern da auf dem Festival warst“, kommentierte sie dann, während Julian die Tür schloss.
„Kann schon sein. Ich weiß seit dem auf jeden Fall besser was ich will und was nicht“, antwortete er ihr dann, während er selbst auf der Fahrerseite einstieg.
„Und was willst du im Moment?“, fragte Sandra ihn dann in einem herausfordernden Tonfall den Julian zunächst nicht deuten konnte.
„Ich will mit dir zu diesem Aussichtspunkt dort fahren und ne echt tolle Zeit dabei haben“, antwortete er ihr dann nicht ganz 100%ig wahrheitsgemäß. Es war definitiv eine Sache die er tun wollte, aber da war definitiv noch wesentlich mehr was er gerade mit ihr anstellen wollte als das. Sandra schien ihn jedoch ziemlich genau verstanden zu haben, denn sie reagierte offensichtlich extremst verlegen, wurde sogar richtig rot im Gesicht und sagte keinen weiteren Ton mehr, während Julian einfach den Motor startete und losfuhr.

Es war ungefähr die Hälfte der Strecke bis zum Aussichtspunkt bereits gefahren und Sandra kämpfte immer noch mit ihrer Gesichtsfarbe und schien nicht zu wissen was sie sagen sollte. Zum ersten Mal in seinem Leben erlebte Julian diese Situation gerade in umgekehrter Form, denn normalerweise wusste er nicht was er sagen sollte. Wobei er zugeben musste, dass es ihm gerade nicht unbedingt besser erging. Nur im Gegensatz zu Sandra konnte er immer vorschieben, dass er sich gerade auf die Straße konzentrierte. Er bemerkte wie ihm und auch ihr diese Stille immer unangenehmer wurde. Er musste etwas tun, irgendetwas sagen, sonst würde sein Plan noch scheitern.
„Sag mal, Julian… Du sagtest auf dem Festival wäre es nicht so toll für dich… Stimmt das denn? Immerhin warst du gestern noch im Moshpit und so…“, kam ihm Sandra plötzlich zuvor.
„Naja… Das Festival ist eine Sache… Aber jetzt mit dir hier zu sein die andere und ich glaube ich bin jetzt wirklich lieber mit dir hier“, antwortete er ihr und löste offensichtlich eine weitere Welle der Verlegenheit bei ihr aus, erkennbar an ihrer noch röteren Gesichtsfarbe und der Tatsache, dass sie das Fenster weiter öffnete, da ihr offensichtlich extrem warm war. „Wie ist es denn für dich? Immerhin hast du das Treffen mit deinem Vater hierfür einen Tag nach hinten geschoben“, fragte er nun tatsächlich sehr ehrlich nach.
„Ach was, der hatte ungewöhnlich viel Verständnis, als ich ihm gesagt hatte, dass ich noch mit dir wohin fahre, weil´s dir nicht so gut auf dem Festival gefällt“, antwortete Sandra.
„Dein Vater weiß wer ich bin?“, fragte Julian nun etwas irritiert.
„Klar doch. Der kennt dich sogar noch von damals als wir klein waren und er noch zuhause bei mir und meiner Mutter“, antwortete Sandra und Julian konnte ihr am Tonfall anhören, dass er sie an etwas erinnert hatte, woran sie lieber nicht erinnert werden wollte.
„Wie geht´s eigentlich Christian?“, fragte Julian dann lieber schnell.
„Keine Ahnung… Wir sind schon seit gut zwei Monaten nicht mehr zusammen“, antwortete Sandra.
„Ähm… WAS? Du hast ja gar nichts gesagt…“, stellte Julian vollkommen irritiert fest.
„Naja, ich hab´s Kim erzählt. Und du warst zu dem Zeitpunkt ziemlich im Stress mit deinem eigenen Vater und den Vorbereitungen hierdrauf“, antwortete Sandra und wurde etwas kleinlauter, so wie Julian es eigentlich eher von sich selbst kannte.
„Ich würde dich gerade echt gerne umarmen, aber ich muss das Auto fahren… Also fühl dich auf die Entfernung gedrückt“, antwortete er ihr dann als sie selbst etwas näher zu ihm rückte und sich von der Seite an ihn klammerte. Nachdem Julian kurz überrascht seinen rechten Arm gehoben hatte, entschied er sich diesen auch um Sandra zu legen. Und gottverdammt, er hatte im Vorfeld keine Ahnung wie gut sich das anfühlen würde. Er hatte in den letzten Zyklen ja einige Liebschaften gehabt, aber dieses Mal fühlte es sich an wie etwas das etwas bedeutete, was wahrscheinlich daran lag, dass Sandra ihm etwas bedeutete im Gegensatz zu den Damen die er auf dem Festival in den Armen liegen gehabt hatte.
„Ich danke dir Julian… Ne Umarmung hab ich gerade dringend gebraucht“, kommentierte Sandra dann nach einer Weile und löste sich wieder von ihm.
„Gerade rechtzeitig. Ich muss jetzt links abbiegen und dann den Berg dort hoch und dann sind wir auch schon da“, kommentierte Julian, der die Strecke ganz ohne Navigationsgerät gefahren war, was er konnte, da er die Strecke in einem vorherigen Zyklus schon einmal genommen hatte. Daher wusste er auch genau wie weit es war und was ihn und Sandra dort oben erwarten würde.

Tatsächlich sollten die beiden unbeschadet an ihrem Ziel ankommen. Und was Julian bereits im Vorfeld gewusst hatte, war dass es dort Parkplätze gab die auch groß genug waren, dass sein gemieteter Transporter dort ohne größere Probleme abgestellt werden konnte. Sandra zeigte sich jedoch ein wenig überrascht davon. Es waren noch gute zwei Stunden bis die Angriffe auf das Festival und die Stadt beginnen würden. Hoffentlich genug Zeit um Sandra so nahe kommen zu können wie er es wollte. Beide verließen fast zeitgleich das Fahrzeug und Sandra stürmte freudig lachend voran wie ein kleines Kind.
„WOW. Das ist ja wirklich genauso toll wie du es beschrieben hattest“, kommentierte sie und sah am Ende des Parkplatzes den steilen Abhang hinunter, von wo aus man einen guten Blick auf die Landschaft und einige der alten Bauwerke in der Gegend hatte.
„Es kommt noch besser. Los, komm schon“, antwortete Julian und streckte den Arm in ihre Richtung, was eher eine unbewusste Handlung war, da er sie lieber schnell von diesem Abhang wegbekommen wollte. Zwar war Sandra alt genug um zu wissen was sie tat, aber Julian konnte dennoch nicht vermeiden, dass er sich um sie sorgte und das obwohl er wusste, dass sie spätestens nach dem Ende des Zyklus wieder am Leben wäre und Abhänge waren nun einmal ziemlich gefährlich.
„Klar doch“, antwortete sie ihm und griff seine Hand, welche sie nicht mehr loslassen sollte, auch nachdem Julian sie vom Abhang weg zu sich gezogen hatte. Hand in Hand führte Julian sie auf die andere Seite, von der aus man sowohl das Festival als auch in größerer Entfernung die Stadt in die sie  eigentlich zu dritt hatten fahren wollen erkennen konnte. Aber auch ohne diese beiden Highlights in der Landschaft wäre diese absolut atemberaubend gewesen. Noch dazu war das Wetter wirklich klasse und keine einzige Wolke war am Himmel zu sehen. Da sie momentan alleine auf dem Berg waren, war auch die Bank frei welche genau in dieser Richtung platziert worden war und ohne sich absprechen zu müssen gingen sie beide dorthin und setzten sich. Eine Weile saßen sie einfach nur da, hielten die Hand des anderen und sahen sich die Aussicht an.
„Du hast tatsächlich nicht zu viel versprochen“, kommentierte Sandra dann nach einer gewissen Zeit.
„Wann hab ich dir jemals zu viel versprochen?“, fragte Julian dagegen und hatte einen scherzhaften Tonfall dabei angenommen, den er in vielen Zyklen mit anderen Damen geübt hatte. Sandra konnte sich ein herzhaftes Lachen nicht verkneifen.
„Julian… Ich bin wirklich froh, dass ich jetzt mit dir hier bin und nicht dort hinten in der Stadt“, sagte Sandra dann gefühlte fünf Minuten nachdem sie ihr Lachen gestoppt hatte und legte dann ihren Kopf an seine Seite, da sie zu klein und Julian zu groß war um den Kopf auf der Schulter ablegen zu können. Das wäre wohl die große Chance auf die Julian gewartet hatte und wenn nicht könnte er es im nächsten Zyklus noch einmal versuchen. Und so entschied er sich ihre Hand loszulassen und stattdessen seinen Arm um sie zu legen. Sandra tat das Selbe. Erneut verbrachten sie eine gewisse Zeit in genau dieser Stellung, bevor Julian sich einmal kurz nach allen Seiten drehte. Er konnte das seltsame Gefühl nicht abschütteln dass die beiden gerade beobachtet wurden. Aber es war außer ihnen niemand hier. Wie konnte denn das sein?
„Ist was Julian?“, fragte Sandra plötzlich und riss ihn aus seinen Gedanken.
„Ich dachte kurz hier wäre noch jemand. Hab mich aber offensichtlich geirrt“, antwortete er dann wahrheitsgemäß und sah in ihr wunderschönes Gesicht. Mittlerweile konnte er sich kaum noch zurück halten und Julian entschied, dass es keinen Grund dafür gab. Dennoch verängstigte ihn das was er gerade vor hatte massiv. Es konnte genauso gut schief gehen. Aber wenn er jetzt nichts tat, könnte das ebenso der Fehler sein, den er nicht begehen wollte. Um sich etwas Zeit zu verschaffen so dass er seinen Mut zusammen nehmen konnte nahm er seinen anderen Arm und strich Sandra sanft über die Wange. Sie ließ es zu und reagierte so positiv darauf wie Julian es niemals erwartet hätte, so dass er sich nun traute diesen einen Schritt zu gehen, den er gerade vor sich her schob. Langsam bewegte er seinen Kopf auf ihren zu und küsste sie. Sandra erwiederte den Kuss und klammerte sich nun mit beiden Armen an ihn, während sie sich weiter küssten und dem Feuerwerk an Gefühlen, dass sie beide gerade haben mussten, einfach freien Lauf ließen.
„Lass uns wohin gehen, wo wir etwas mehr für uns sind“, flüsterte sie ihm dann leise zu als sie kurz zum Luft holen auseinander gingen.
„Naja… Ich hab ein ziemlich gutes Bett im Transporter…“, antwortete Julian im selben Flüsterton und Sandra kicherte kurz bevor sie aufsprang und ihn hinter sich her zog. Genau in Richtung des eben genannten Vehikels.

Es musste eine ganze Stunde gedauert haben, aber nun lagen die beiden nackt nebeneinander im Bett des Transporters und hielten sich in den Armen. Julian streichelte Sandra über den Kopf und sie seinen Rücken. Sie waren glücklich und für Julian war es definitiv als wäre gerade ein Traum in Erfüllung gegangen, den er schon so lange gehabt hatte. Plötzlich löste sich Sandra von ihm und sah ihn an und er sie. Beide lächelten einander an.
„Julian?“, sprach sie ihn dann an.
„Ja?“, antwortete er erwartungsvoll.
„Ich liebe dich“, sagte Sandra sehr zu seiner eigenen Überraschung.
„Und ich hab dich schon immer geliebt“, antwortete er ihr wahrheitsgemäß. „Schon als du als einzige in der Grundschule auf mich zugekommen bist und mit mir mitgespielt hast hab ich dich geliebt“, fügte er noch hinzu.
„Ich hab dich auch schon immer geliebt. Ich wusste dieses Gefühl nur nicht richtig einzuordnen. Jetzt weiß ich´s“, antwortete Sandra ihm dann sehr zu seiner eigenen Überraschung. Plötzlich meldete sich Sandras Handy. Mehrere Nachrichten die auf einmal herein kamen. So etwas konnte etwa durch schlechten Empfang passieren. Diese gewaltige Masse an Nachrichten war jedoch recht ungewöhnlich. Nun sollte es auf dem Handy von Julian ebenfalls geschehen. Sandra konnte sich nicht verkneifen nach zu sehen. Julian konnte ihr über die Schulter auf das Display sehen und sah daher ebenfalls dass die Nachrichten offensichtlich alle von Kim stammten.
„Sandra? Wo bist du? Hier in der Stadt ist die Hölle los! Hier greift irgendein gigantisches Monster an und macht alles kaputt! Du musst mir helfen! Ich muss hier raus!“, spielte sie eine von Kims Sprachnachrichten ab, welche kaum zu verstehen war durch die ganzen panischen Schreie der anderen Leute und das Krachen das die Schritte und die Zerstörung des Kaiju-Monsters hinterließ. Es folgte eine weitere Nachricht, die sogar ein Video von dem Monster zeigte.
„Hier! Nur damit du mir glaubst, dass ich nicht völlig verrückt geworden bin! Ich muss hier raus! Ich… HILFE!!!!!!“, konnte Julian noch Kim schreien hören bevor die Nachricht abrupt endete und Kim wahrscheinlich gerade von dem Monster getötet worden war. Schockiert sprang Sandra auf und löste sich von Julian.
„Oh mein Gott!“, schrie sie auf und spielte die letzten beiden Nachrichten noch einmal ab. „Julian! Kim ist…“, sagte sie dann und brach dann in Tränen aus. „Während wir hier… ist sie…“, versuchte sie weiter zu sprechen, brachte jedoch nicht mehr zwischen ihren Schluchzern heraus als das. Julian entschied sich sie noch einmal in seine Arme zu schließen, aber anders als zuvor. Eher auf eine Art, die ihr Trost spenden sollte.
„Ich fürchte es gibt nichts mehr was wir noch tun könnten“, kommentierte er dann vorsichtig nach einer Weile, als Sandra sich von ihm los riss und ihn von sich wegstieß.
„Julian… Du bist so ruhig und gelassen bei der ganzen Sache… Ist dir überhaupt klar, was passiert ist? Kim ist tot!!!!! Sag bloß du hast geahnt, dass so etwas passieren würde?”, begann sie ihn dann aufgebracht anzufahren. Das war er also. Der Moment den Julian gefürchtet hatte. Er hatte gehofft dass es nicht geschehen würde, aber nun war es das doch. Was sollte er nur tun? Was sollte er ihr sagen? Würde sie die Wahrheit denn jetzt glauben?
„Ich habe es gewusst… Aus einem anderen Zyklus…“, antwortete er dann wieder sehr unsicher.
„WAS?“, warf Sandra extrem irritiert ein und Julian konnte ihr das nicht einmal übel nehmen.
„Ich stecke in einem Time Loop fest. Jedes Mal wenn ich sterbe wache ich heute morgen auf dem Festival wieder auf, alle außer mir haben alles vergessen und das Geschehen wiederholt sich. Zuerst greift dieses Kaiju-Monster aus dem Video die Stadt an, dann ein Schwarm kleinerer Monster das Festival. Und irgendwann innerhalb dieser sechs Stunden vernichten irgendwelche Aliens unser Zuhause“, antwortete er ihr dann und obwohl sie zunächst irritiert wirkte, konnte Julian ihr im Gesicht ansehen, dass sie langsam zu verstehen begann.
„Aber… Aber… Wieso hast du denn erst jetzt etwas gesagt?“, fragte sie ihn dann und schien sich erneut die Tränen zurück zu halten.
„Das habe ich… In einem anderen Zyklus… Du hast mir nicht geglaubt…“, antwortete Julian unsicher und er konnte ihr den Schock darüber im Gesicht ansehen.
„Ich habe dir nicht geglaubt?“, fragte sie noch einmal genauer nach und brach dann erneut in Tränen aus. „Ich… Ich… Wie konnte ich nur, ich dummes Miststück?“, brachte sie dazwischen noch heraus, bevor Julian sie erneut in seine Arme schloss.
„Ist schon OK... Niemand kann dir das übel nehmen... Ich würde es mir selbst auch nicht glauben, wenn ich es nicht besser wüsste“, kommentierte er dabei.
„Was sollen wir denn jetzt machen?“, fragte sie dann und wirkte verzweifelt.
„Du wirst gar nichts machen. Ich werde den Zyklus zurück setzen und dann werde ich etwas machen. Ich weiß noch nicht was, aber irgendetwas werde ich machen“, antwortete er Sandra.
„Den Zyklus zurück setzen??? Aber das bedeutet, dass du sterben musst!!!“, rief sie dann schockiert aus, während Julian bereits die Seitentür des Transporters geöffnet hatte.
„Genau das bedeutet es“, antwortete er erstaunlich gelassen für das was er da sagte.
„Aber… Ich will nicht dass du stirbst!!! Julian… Ich liebe dich! Bitte!!!“, rief sie dann aus und packte seinen Arm um ihn von was auch immer er vor hatte abzuhalten.
„Es ist die einzige Möglichkeit die wir haben und ich bezweifle, dass du in dem was die Monster von der Welt übrig gelassen haben tatsächlich noch leben möchtest. Mach dir keine Sorgen. Alles wird gut werden und morgen hast du alles wieder vergessen“, antwortete Julian ihr und riss sich von ihr los um dann schnell in den Abgrund zu springen von dem er sie zuvor noch weg geholt hatte.
„JULIAN!!!!!“, konnte er Sandra noch schreien hören, bevor er frontal mit dem Kopf zuerst auf dem Boden aufschlug. Ein lautes Krachen, wahrscheinlich sein Genick, und dann war alles schwarz.

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Kapitel: 10
Sätze: 2.208
Wörter: 35.781
Zeichen: 210.457

Kurzbeschreibung

Eigentlich wollte Julian nur sein erstes Metal-Festival besuchen gehen, doch niemals hätte er erwartet, dass so viele Dinge auf einmal schief gehen würden und das obwohl er sich perfekt vorbereitet hatte. Zusammen mit seinen beiden besten Freundinnen, welche dort in der Nähe Verwandtschaftsbesuche planen macht er sich mit seinem gemieteten Transporter dennoch auf den Weg und gerät in Schwierigkeiten, die selbst seine schrecklichsten Vorstellungen bei weitem übertreffen sollten.

Kategorisierung

Diese Story wird neben Mystery auch in den Genres Science Fiction, Fantasy, Action, Horror und gelistet.

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