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NaOmi

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05.07.26 15:11
6 Ab 6 Jahren
Fertiggestellt

Eine Omi ist - ganz einfach gesagt - eine alte Frau! Eine, mit einer Kittlschürzn – meine Großmutter nannte ihn „Leiblrock“. Eine, die meist, für ihre begnadeten Kochkünste verehrt, den Kochlöffel schwingend in der Küche wahre Wunder vollbringt; Marmelade einkochend, Strudlteig walkend, selbstgemachte Suppennudeln schneidend. Eine fürsorgliche „Matrona“, die Schäfchen ihrer Familienherde gerade mit dem erforderlichen Quäntchen Autorität zusammenhaltend.

Eine Omi zu werden, war für mich seit jeher eine Option, mehr nicht. Selbst kurz nach meinem 20. Geburtstag Mutter geworden, war ich etwa 18 Jahre später noch vor meinem 40. Wiegenfeste bereits im eventuellen Großmutteralter. Ziemlich genau zu jenem Zeitpunkt hatte ich einen kreativen Spätselbstverwirklichungsschub, der mich nochmals „back to university“ pilgern ließ. Im Zuge dessen wurde mit bewusst, dass ich keineswegs zu diesem Zeitpunkt bereit wäre, auf großmütterlichen Pfaden zu wandeln. Also ward der warnende Satz in Richtung meines Sohnes und meiner Tochter ausgesprochen: „Vor meinem 50iger möchte ich gefälligst keine Omi werden.“

Als etwaige ernstzunehmende potenzielle Gefahrenquelle in Bezug auf viel zu verfrühtes Großmuttertum entpuppte sich meine Tochter. Bereits mit 17 trat er in ihr Leben, der bis dato Immer-und-Ewige. Dass sie genügend aufgeklärt sei, machte sie mir sofort klar; ich erinnerte sie in gesunden Abständen immer wieder an meine 50iger-Ansage, bis ich das Ziel großmutterlos erreichte.

Ab der sechsten Lebensdekade sann ich dem Gedanken, vielleicht eine Omi zu werden, wesentlich befreiter und entspannter entgegen. Genau genommen, war ich bereit dazu, denn die Hochzeit war gefeiert und ich versuchte meinen „SchwieMuMo-Level“(Schwiegermuttermonster) so niedrig wie möglich zu halten. Dies war, um ehrlich zu sein, kein schwieriges Unterfangen, denn den mir so vertrauten Angetrauten wünschte ich mir tatsächlich auf immer und ewig.

Heimlich, ohne mir auch nur das Geringste anmerken zu lassen, begann ich zu stricken; eher farbneutral, in Grün- und Gelb-/Beigetönen entstanden Minipullover, auf deren Vorderteilen einfärbig musterlose Rechtecke gestrickt wurden, in denen dann, wenn es so weit sein würde, Namen eingestickt werden konnten. Zopf-, Norweger- Stab- oder weiß Gott welch sonstige Muster in Merino-Baby-Wool, doch auch Kleidchen und Höschen in luftigem Sommergarn entstanden. Im Hinterkopf hatte ich stets, dass, sofern es mit der großmütterlichen Beglückung nichts werden sollte, meine Tochter genügend Freundinnen habe, deren Schlüpflinge ich mit meinen Kreationen beschenken könnte.

Nachwuchsmäßig war Flaute, während ich meine Runden bis zur nächsten dekadischen Rundung zählte. In der ersten Hälfte meines Fifty-Daseins fühlte ich mich dezent wirklich wie 50 ist das neue 30; zumindest aufs nicht erfüllte Omidasein bezogen, da U35 eher selten Großmütter als Mitglieder zählt. Doch ab er zweiten Hälfte stieg mein Erwartungslevel kontinuierlich parallel mit meiner Enttäuschungskurve an. Und dann war da der eine Satz meiner Nachbarin, aka beste Freundin meiner Tochter und bereits Mutter zweier Racker „I glaub des wird nix mit dem Omiwerden. Die Nici und der Oli reisen ja so gern und sie haben Bedenken wegen familiärer gesundheitlicher Vererbungen.“

Prack! Das war eine Verbalwatschn mit nachhaltiger Wirkung. Konnte ich mir vorstellen. Konnte ich verstehen. Konnte ich schon bald akzeptieren.

Kurz darauf begann ich mit dem Verschenken des ersten Stricks an eine ehemalige Schülerin. Dabei blieb es nicht, bald war fast mein ganzer prenataler Strickfundus geleert und der Eifer, mit zwei langen Nadeln und Wolle kreativ für ein Enkerl zu werden, war versiegt.

So trat ich gedanklich enkelkindentschwängert letztes Jahr meinen nächsten Dekadenwechsel an. Es war jener mit dem Sechser davor. Anscheinend hat es dieser Zahl bedurft, um vom Schicksal als großmutterdaseinswürdig erachtet zu werden, denn kurz darauf waren die Würfel gefallen … wir waren schwanger. Ich mehr als meine Tochter!

Als ich die frohe Botschaft meinem Nachbarn erzählte, meinte dieser: „Na servas, jetzt wirst wirklich no a Omi.“ Meine Antwort: „Na, Omi werd‘ i kane. Omis sind alt!“ Daraufhin er: „Guad du großmütterlicher Jungspund, daunn wirst eben a NaOmi.“

Am Nationalfeiertag kam das unser aller Leben so wunderbar bereichernde kleine Wesen Lilja-Hilda zur Welt. Sie ist meine „Hildi“. Seither stricke ich wieder im Akkord. Wenn ich zu meiner Tochter nach Wien fahre, dann ertönt es, sobald ich das Stiegenhaus betrete, von oben „Schau Lilja, wer kommt denn, da? Das ist die NaOmi!“ 😜

 

Autorennotiz

Gewidmet vor allem allen Omis und jenen, die diesem wunderbaren Zustand entgegensinnen!

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lavoces Profilbild
lavoce Vor 53 Minuten
So eine entzückende Geschichte, liebe "NaOmi";-) "Enkelkindentschwängert" - herrlicher Ausdruck, herrliche Story! LG💕😊
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Giggus Profilbild
Giggu Vor 2 Stunden und 47 Minuten
So herzig! 💕 Und willkommen im Club, der begeisterten (Na)Omis - die, ohne Kittelschürze! 😄🤭
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Wortjongleurs Profilbild
Wortjongleur Vor 2 Stunden und 54 Minuten
Herrliche Geschichte ! ⭐⭐⭐⭐⭐
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Ranunkels Profilbild
Ranunkel Vor 3 Stunden und 38 Minuten
Na süß, gratuliere zur Fingerfithaltung mittels Nadelgewolle und du hast jetzt eine Dauerrolle. Da kannst richtig hineinwachsen.
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Feirefizs Profilbild
Feirefiz Vor 4 Stunden und 19 Minuten
NaOmi klingt doch klasse, gratuliere! Da bist jetzt praktisch auf einem Level mit der Naomi Campbell 😉...

Autor

MaryMos Profilbild MaryMo

Bewertung

8 Bewertungen

Statistik

Sätze: 38
Wörter: 725
Zeichen: 4.574

Kurzbeschreibung

Großmutter sein, das ist nicht schwer ... jedoch es zu werden, manchmal sehr 😂

Kategorisierung

Diese Story wird neben Liebe auch in den Genres Entwicklung, Humor und Familie gelistet.