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| Sätze: | 26 | |
| Wörter: | 630 | |
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Es regnete, als die Frau sich hockend hinter der Glaswand und einem halbgeschlossenen Reiserucksack versteckte, aus dem ein Nachthemdähnlicher Zipfel heraushing. Ich betete zu allen Gottheiten, dies und jenseits des Euphrats, das mir nur diese eine, von ihrer eigenen Existenz verstörte Teufelsanbeterin erspart bliebe, doch die Götter und ich sind uns oft uneins, über eine gerechte Waagschale.
Aus dem Lautsprecher der Sprechanlage, die sie oder jemand anders zuvor, wissentlich oder nicht betätigt haben musste, drang die Stimme des Pförtners. Ich hätte es ignorieren können, doch da ist diese leicht autistisch anmutende Stimme in meinem Kopf die mir sagt "bist du denn irre?!? Du wirst nicht erfahren wie es jetzt ausgeht, wenn du den Schauplatz ver-" an dieser Stelle, um sie zum Schweigen zu bringen, stehe ich bereits an der Sprechanlage. "Ja hallo, worum geht es denn?"
Die Stimme auf der anderen Seite, schon vor der Vollendung des zweiten Wortes, eindeutig als hochgradig gereizt einzustufen, krächzt in unattraktiver Tonalität "JA WAS WOLLEN SIE DENN?!?"
Ich atme kurz durch und erkläre dann, das ich den Knopf nicht gedrückt habe, aber das hier eine Frau, mir scheint aus der psychiatrischen Abteilung geflohen sei, denn sie hockt halb nackt an der Eingangstüre, oder dem Ausgang, je nachdem, wie man es betrachten will. Bevor mich die nervtötende Sprechstimme abermals wünschen lässt, mit lange, dicke Nadeln in meinen Gehörgang einzuführen, füge ich an "achso, ja, außerdem macht sie einen doch recht ungefassten, um nicht zu sagen aggressiven und gefährlichen Eindruck, vielleicht so-" Nun unterbricht man mich.
"WAS SOLL DAS HEIẞEN, GEFÄHRLICH, WAS TUT SIE DENN?!?"
Ist das wirklich die dringenste aller Fragen? Sollte nicht jemand kommen, nachschauen, die Frau vielleicht zurückbringen, nein? Aber gut, mir ist es herzlich egal, also ignoriere ich die kreischende Irre aus der Verwaltung und widme mich der, die noch gerettet werden kann.
"Rauchst du?" Frage ich sie. "Naja schon", antwortet sie nervös, nicht zittrig, eher ungläubig misstrauisch.
Ich packe 2 Zigaretten aus, sie scheint überredet. Nach ein paar Zügen frage ich sie, ob sie gerade aus, oder doch einbrechen will. Sie lacht, wie man es von einer halbnackten Frau im Regen erwarten würde und meint, sie müsse ganz dringend hier weg, sie hätte ein Taxi gerufen, weil ihr BMW in der Reparatur wäre.
"BMW, mhm, in der Reparatur, ich verstehe" respondiere ich, aufmerksam zuhörend. Und warum genau, warst du ursprünglich hier?
Nach einer mehr oder weniger seltsamen Exkursion durch ihre Irrungen und Wirrungen, sowie dem entspinnen und herausfiltern und dem nachfolgenden Prozess der Einschätzung verhielt es sich wohl folgender Maßen: Sie "beaufsichtigte" ihr kleines Kind, dabei ging etwas schief, daraufhin wurde sie untersucht und für nicht vollumgänglich schuldfähig befunden, weswegen man sie in eine Nervenheilanstalt bemühte. Stand jetzt, läuft das mäßig.
Da die Hexe vom vierten Stock immer noch niemanden geschickt hat, versuche ich mir etwas einfallen zu lassen, damit die von selber wieder reingeht. Es stellte sich heraus, dass das gar nicht so schwer war, da sie überhaupt nicht im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte war, und wahrscheinlich aufgrund von Medikamenten desöfteren vergas, was sie kurz zuvor gesagt hatte.
An der Rezeption, anstatt mich lobpreisend zu empfangen, so wie es die generell erwartbare und angemessene Reaktion gewesen wäre, fauchte man mich an, das ich nicht einfach mit fremden Patienten "spazieren gehen könne". Als ich erklärte, dass ich lediglich eine Zigarette mit ihr geraucht hatte, bemängelte man auch dies, weil hier striktes Rauchverbot herrschen würde. Und plötzlich dämmerte mir, warum die Frau im Regen hier wegwollte, verübeln konnte man ihr das definitiv nicht.
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