Die aufgeheizte Schwere der letzten Tage liegt seit Stunden drückend über dem Land. Die Nacht hing durch Schwüle geschwängert wie ein Damoklesschwert über den Schlaflosen, ihnen erfolgreich den Odem aus- anstatt einzuhauchen. Schon ab dem ersten mühevollen Versuch, das Dunkel zu verdrängen, gelang es den Sonnenstrahlenerstlingen, das Spektakel des Tagens in ein von Dunstschwaden durchwobenes Szenario des Erwachens zu tauchen. Selbst das frühmorgendliche Tirrili-und-la-Ritual der Amseln ließ auf sich warten; wohl ein Zeichen dafür, dass der Mensch nicht das einzige von der Hitze gepeinigte Lebewesen sei. Hoffend, gleich zu Beginn des Tages möge ein Hauch von nächtlicher Kühle ein Aufreißen der Fenster zwecks Durchlüftens rechtfertigen, wird Sehnsucht nach Abkühlung schmählich enttäuscht. Das seit Tagen gewohnte Blau des Himmels faltet sich einmal mehr denn je erfolgreich dem Auge des Betrachters bis zum Horizont folgend in Überschwänglichkeit auf. Lediglich die Kraft der frühen Sonne vermag die Tiefe des Azurs zu brechen, sodass die opalisierende Streuung der Strahlen beinah die Erde berührt. Sie docken erfolgreich an der Oberfläche an, dem Boden noch vorhandene Nässe entziehend, die Strahlenstufen hinaufwandernd in schwindelnde Höhen.
Und dann … ein zaghaft sich formendes Wölkchen am Firmament; weniger als Schäfchen sich abzeichnend; vielmehr ein gräulich anmutendes Häufchen, während des Betrachtens anwachsend und sich an Fülle gewinnend auch in der Nuance verändernd; nachdunkelnd. Gleichzeitig wird der sich bereits erfolgreich verbreitete dunstige Hauch, der die Gemüter dämpft, durch ein frisches Lüftchen verdrängt. Die Vögel werden mit einem Male lebhafter, flattern lautstark gegen was auch immer protestierend herum, sich kaum beruhigen wollend. Die Sonne versucht standhaft dem in Windeseile entstandenen Stratokumulus Paroli zu bieten; doch verlieren sie den Kampf. Der stürmische Zeiten ankündigende, sich mehr und mehr aufblasende Wind treibt die üppigen Wolkenbündel zusammen, die sich aus allen Richtungen kommend zu monströsen Wolkentürmen zusammenfügen. In unterschiedlichsten Grautonschattierungen den Himmel dominierend, hängen sie schwer tragend über dem Land, dem eigenen Gewicht kaum noch standhalten könnend, sich der befreienden Entleerung entgegensehnend. Ein sich zögerlich entwickelndes und daher eher fern wirkendes dumpfes Grollen zerreißt die Stille. Blitze. Vorbei ist’s mit der Ruhe vor dem Sturm. Einzelne Regentropfen – 2-Euro-Münzen groß – klatschen beinah plump auf Grund. Auf Haut treffend, kühlen sie sanft zerfließend den noch erhitzten Untergrund.
Ich finde mich im Garten stehend. Schuhlos. Das Gesicht dem von oben erwartetem Guss erwartungsvoll entgegengestreckt. Das tief hängende Grau reicht mir beinah seine Hand, bevor es seine Schleusen öffnet. Welch herrliches Naturschauspiel. Entladung. Alles wird nun wieder so erträglicher!